Naturgebloggt

Naturschutz – weil's wichtig ist

Monat: August 2017 (Seite 1 von 3)

Reisetagebuch Schweden #2 Linnés Hammarby

Schweden ist ja bekannt für seine weitläufige und abwechslungsreiche Natur. Die Landschaft des Nordens zieht jährlich nicht nur Naturliebhaber in ihren Bann. Aber das Land der Tausend Seen bietet noch mehr, so hat die moderne Botanik schwedische Wurzeln. In Uppsala wurden im 18. Jahrhundert die Grundzüge der noch heute geltenden Nomenklatur für alle bekannten Pflanzenarten erarbeitet. In dem damals kleinen Städtchen Uppsala sollte die Botanik nachhaltig beeinflußt werden.

Botaniker der ersten Stunde

Der Wissenschaftler und seinerzeit bedeutendste  Botaniker Carl von Linné sollte jedem, der sich etwas näher mit Biologie befasst, bekannt sein. Auf sein engagiertes Wirken im 18. Jahrhundert gehen sämtliche wissenschaftliche Namen von Flora und Fauna zurück. Als Professor der Universität Uppsala sammelte er Tiere und Pflanzen aus aller Welt und ordnete sie in das noch heute gültige taxonomische System mit Art, Gattung und Familie. Aus Ländern und Regionen, die ihm zu bereisen nicht möglich waren, ließ er sich Exponate schicken und verpasste ihnen am heimischen Schreibtisch seinen Stempel. Für seine stetig wachsende Sammlung an Exponaten fehlte im nach kurzer Zeit der Platz. Kurzerhand gründete er den noch heute geöffneten Botanischen Garten von Uppsala. Dieser bietet Besuchern die Möglichkeit, die Wirkungsstätte des großen Botanikers hautnah zu erleben sowie in seine einstigen  Räumlichkeiten den Geist vergangener Tage wieder auferstehen zu lassen. Der Garten selbst ist sehr geräumig und weiß mit einer Vielzahl an Pflanzen zu überzeugen. Stellenweise kommt da sogar ein eingefleischter Pflanzenfreund ins Staunen. Oder habt ihr bereits einen 2,50m hohen Sanguisorba officinalis gesehen?

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Linnés Hammarby

Etwas weniger prominent verhält es sich mit dem Sommerhaus von Linné (ca. 15 km südlich von Uppsala). Dieses Anwesen wird nur wenig beworben und so brauchte es schon eine große Portion Glück um es zu finden. Dabei lohnt sich ein Besuch mindestens genauso. Erstmalig erwähnt wurde Hammarby 1337. Der Adlige Olof Styrbjörnsson vom Hause Gren verkaufte das Gut an den Kanoniker der Kathedrale von Uppsala. Durch Verkauf und Erbschaft wechselte der Hof über die Adelsgeschlechter Läma, Stewardt, Gärffelt und von Friesendorff zum Hofjägermeister A. Schönberg. Dieser wiederum veräußerte das Gut 1758 für 80.000 Taler an Carl von Linné. Dieser ließ die ursprünglich aus zwei Gebäuden bestehende Anlage stetig erweitern und schuf sich so einen Rückzugs- und Lernort für die warmen Sommermonate. Auf ausgedehnten Exkursionen durch die umliegende Landschaft zeigte er seinen Studenten floristische Schätze und brachte ihnen die Natur näher. Heute beherbergt das Anwesen ein Museum, in dem die Räumlichkeiten originalgetreu erhalten geblieben sind. Auf dem Gelände befinden sich ebenfalls ein botanischer Garten sowie verschiedene Lehrpfade und Rundwege. Sollte Hammarby bei einer Reise auf eurer Strecke liegen, so schaut dort unbedingt mal vorbei.

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NSG Harslebener Berge und Steinholz

Sachsen-Anhalt hat trotz aller Nachteile auch etwas Gutes. So lassen sich besonders schöne Naturräume finden. Besonders der Harz ist da zu nennen. Bereits im Harzvorland warten landschaftliche Kleinode darauf entdeckt zu werden. In meinem Beruf komme ich sehr viel in der Natur herum und kenne eine Menge solcher Gebiete. Eines davon möchte ich euch mit diesem Beitrag etwas näher vorstellen. 

 

Ein Naturschutzgebiet in den Ausläufern des Harzes

Das NSG befindet sich ca. 5 km nordwestlich von Quedlinburg, der heimlichen Harzhauptstadt. Es besteht aus einem Höhenzug, zu dem die Berge Steinholz, die Harslebener Berge (191 m ü. NN), die Hinterberge und der Große Thekenberg (205 m ü. NN) gehören. Das NSG liegt im LSG „Harz und Vorländer“. Die Geologie ist etwas anspruchsvoller zu verstehen, zumindest für einen Botaniker wie mich. Ist aber wichtig um die botanische Besonderheiten zu begreifen. Der Untergrund des Gebietes ist aus Sandsteinen der Oberkreide aufgebaut. Entlang der Halberstädter Kreidemulde bildet dieser eine langgestreckte Schichtstufe, die sich in einzelne Kuppen und Runsen gliedert. Während die Nordhänge überwiegend flach verlaufen, sind die Südhänge steil. Über dem Sandstein-Untergrund haben sich meist flachgründige Bergsand-Braunerden, über der teils mächtigen Löß-Auflage der Nordhänge tiefgründige Sand-Löß-Mischböden, entwickelt. Nun aber zu bereits erwähnten Vegetation. Im Gebiet treten Naturnahe Restwälder auf. Tiefgründige Lößbraunerde ist mit Waldlabkraut-Traubeneichen-Hainbuchenwald (Galio sylvatici Carpinetum betuli) bewachsen.  

Diese Bestände wechseln auf Verwitterungsböden kleiner Kuppen in den bodensauren Färberginster (Birken-)Eichenwald (Genisto tinctoriae-Quercetum). Die südexponierte Oberhangkante ist stellenweise mit dem subkontinentalen Fingerkraut-Eichentrockenwald (Potentillo albae -Quercetum petraeae) bestockt. Neben naturnahen Laubwäldern sind auch Forste aus verschiedenen Nadelhölzern vorhanden.

Beliebtes Wander- und Erholungsziel im Harz

Das Gebiet zieht alljährlich eine Vielzahl von Wanderern in seinen Bann. Auf meinen Streifzügen ergeben sich sehr oft nette Gespräche. Häufig werde ich da nach meinem Alltag im Naturschutz gefragt. Solltet ihr einmal in der Gegend sein,  nehmt euch Zeit um das Gebiet zu erkunden. Es lohnt sich. Gerade im Spätsommer, wenn das Heidekraut in voller Blüte steht und das Rothirsch in der Brunft ist, hat die ganze Gegend etwas sehr urtümliches.

Neuer Ulmenschädling in der Schweiz

In Zeiten der voranschreitenden Globalisierung sehen wir uns drastischen Umweltproblemen ausgesetzt. Im Naturschutz sorgen sogenannte Neobiota für mächtigen Wirbel. Diese gebietsfremden Arten wurden in den meisten Fällen durch den Menschen eingeschleppt und stellen die heimischen Ökosysteme ordentlich auf den Kopf. Neopyhten wie der Riesenbärenklau oder die Beifuß-Ambrosie stellen mittlerweile eine ernst zu nehmende Gefahr für die Gesundheit dar. Aber auch die Natur selbst sieht sich einem immer härteren Kampf ums Überleben ausgesetzt.

Ulmen durch neunen Schädling bedroht

Die aus Ostasien stammende Zickzack-Ulmenblattwespe ist schon länger als Gefahr für mitteleuropäische Ulmen bekannt. Bereits 2003 konnten Larven in Polen und Ungarn nachgewiesen werden. Mittlerweile erstreckt sich ihr Vorkommen auf 18 Länder in Europa. Tendenz steigend. Neu im Bunde ist die Schweiz. In Helvetien wurden im Juni 2017 erstmalig Larven im Kanton Zürich nachgewiesen. Vorrangig an Bergulmen, jedoch sind auch andere Ulmenarten nicht gefeit.

Larve von Aproceros leucopoda (Quelle: Wikimedia).

Schädling mit schneller Generationsfolge

Bisher wird davon ausgegangen, dass sich Zickzack-Ulmenblattwespen ungeschlechtlich vermehren, d.h. sie brauchen keinen passenden Geschlechtspartner. Diesen Umstand schreibt man der Tatsache zu, dass bis dato keine Männchen der Art erfasst wurden. Die Weibchen legen am Spreitenrand der Blätter bis zu 50 Eier ab. Der komplette Zyklus von der Eiablage bis zum Schlüpfen der neunen Genration Schädlinge dauert ca. vier Wochen. Ergo können vier Generationen pro Jahr ausgebildet werden. Ein enormes Tempo. Sind die hellgrünen, mit einem Streifen am Kopf versehenen Larven geschlüpft,  ernähren sie sich fortan von der grünen Blattmasse. Ihr Fraßmuster sind markante Zickzacklinien. Ältere Raupen fressen das gesamte Blatt auf, nur der zu dicke Mittelnerv bleibt übrig. Ein zu starker Befall kann bis zum Totalverlust der Blätter führen. Ein Baum ohne Blätter ist unweigerlich dem Tode geweiht. Selbst wenn die Bäume nicht absterben, sind sie doch deutlich geschwächt und bieten anderen Schädlingen keinerlei Gegenwehr. Wirkungsvolle Maßnahmen gegen diesen Schädling sind rar. Am effektivsten ist es, das Winterlaub mit den daranklebenden Kokons zu vernichten.

Fraßspuren von Aproceros leucopoda an Ulmenblättern (Quelle: Wikimedia).

Schädling für alle Ulmenarten

Die Schädlinge wurden vermutlich mit Pflanzenimporten aus Ostasien eingeschleppt. Die Fachleute gehen davon aus, dass nicht nur befallene Jungbäume eine Gefahr darstellen sondern, auch Zweige, Blätter oder Erde.

In Europa lässt sich kein Befallszentrum und keine bestimmte Ausbreitungsrichtung ausmachen, wie es in der Mitteilung heisst. In relativ kurzer Zeit trat die Art punktuell in weit voneinander entfernten Gebieten auf. Die Insekten können ausgezeichnet fliegen und werden vermutlich auch passiv mit dem Verkehr verbreitet (Quelle: Bauernzeitung.ch).

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