Naturgebloggt

Naturschutz – weil's wichtig ist

Datum: 29. August 2017

Neuer Ulmenschädling in der Schweiz

In Zeiten der voranschreitenden Globalisierung sehen wir uns drastischen Umweltproblemen ausgesetzt. Im Naturschutz sorgen sogenannte Neobiota für mächtigen Wirbel. Diese gebietsfremden Arten wurden in den meisten Fällen durch den Menschen eingeschleppt und stellen die heimischen Ökosysteme ordentlich auf den Kopf. Neopyhten wie der Riesenbärenklau oder die Beifuß-Ambrosie stellen mittlerweile eine ernst zu nehmende Gefahr für die Gesundheit dar. Aber auch die Natur selbst sieht sich einem immer härteren Kampf ums Überleben ausgesetzt.

Ulmen durch neunen Schädling bedroht

Die aus Ostasien stammende Zickzack-Ulmenblattwespe ist schon länger als Gefahr für mitteleuropäische Ulmen bekannt. Bereits 2003 konnten Larven in Polen und Ungarn nachgewiesen werden. Mittlerweile erstreckt sich ihr Vorkommen auf 18 Länder in Europa. Tendenz steigend. Neu im Bunde ist die Schweiz. In Helvetien wurden im Juni 2017 erstmalig Larven im Kanton Zürich nachgewiesen. Vorrangig an Bergulmen, jedoch sind auch andere Ulmenarten nicht gefeit.

Larve von Aproceros leucopoda (Quelle: Wikimedia).

Schädling mit schneller Generationsfolge

Bisher wird davon ausgegangen, dass sich Zickzack-Ulmenblattwespen ungeschlechtlich vermehren, d.h. sie brauchen keinen passenden Geschlechtspartner. Diesen Umstand schreibt man der Tatsache zu, dass bis dato keine Männchen der Art erfasst wurden. Die Weibchen legen am Spreitenrand der Blätter bis zu 50 Eier ab. Der komplette Zyklus von der Eiablage bis zum Schlüpfen der neunen Genration Schädlinge dauert ca. vier Wochen. Ergo können vier Generationen pro Jahr ausgebildet werden. Ein enormes Tempo. Sind die hellgrünen, mit einem Streifen am Kopf versehenen Larven geschlüpft,  ernähren sie sich fortan von der grünen Blattmasse. Ihr Fraßmuster sind markante Zickzacklinien. Ältere Raupen fressen das gesamte Blatt auf, nur der zu dicke Mittelnerv bleibt übrig. Ein zu starker Befall kann bis zum Totalverlust der Blätter führen. Ein Baum ohne Blätter ist unweigerlich dem Tode geweiht. Selbst wenn die Bäume nicht absterben, sind sie doch deutlich geschwächt und bieten anderen Schädlingen keinerlei Gegenwehr. Wirkungsvolle Maßnahmen gegen diesen Schädling sind rar. Am effektivsten ist es, das Winterlaub mit den daranklebenden Kokons zu vernichten.

Fraßspuren von Aproceros leucopoda an Ulmenblättern (Quelle: Wikimedia).

Schädling für alle Ulmenarten

Die Schädlinge wurden vermutlich mit Pflanzenimporten aus Ostasien eingeschleppt. Die Fachleute gehen davon aus, dass nicht nur befallene Jungbäume eine Gefahr darstellen sondern, auch Zweige, Blätter oder Erde.

In Europa lässt sich kein Befallszentrum und keine bestimmte Ausbreitungsrichtung ausmachen, wie es in der Mitteilung heisst. In relativ kurzer Zeit trat die Art punktuell in weit voneinander entfernten Gebieten auf. Die Insekten können ausgezeichnet fliegen und werden vermutlich auch passiv mit dem Verkehr verbreitet (Quelle: Bauernzeitung.ch).

Lythrum salicaria – der Gewöhnliche Blutweiderich

Die Vegetationsperiode neigt sich in diesem Jahr langsam aber sicher dem Ende entgegen. Das Laub der Bäume beginnt sich zu verdunkeln und auch die Wiesen fahren die letzten Pflanzen in dieser Saison auf. Lässt man den Blick dieser Tage über die feuchteren Wiesen schweifen, so stechen leuchtende, magentafarbene Blütenköpfe  ins Auge. Diese stehen meist in kleineren Gruppen von Artgenossen und gehören dem Blutweiderich (Lythrum salicaria). Diese Art möchte ich euch heute etwas näher vorstellen.

Artsteckbrief

Der Gewöhnliche Blutweiderich gehört zu den ausdauernden, krautigen Pflanzen. Mit einer Wuchshöhe von bis zu 2 Metern und eine Breite von 1,5 Metern hat er eine durchaus stattliche Erscheinung.  Auffallend sind seine zu 50 aufrechte, teils verzweigte, behaarte, vier- bis mehrkantige Stängel. Diese wachsen aus dem Rhizom heran. Da diese Pflanze auch in feuchten bis nassen Bereichen vorkommt, hat sie sich an eine teilweise Überschwemmung perfekt angepasst. Sollten Triebe untergetaucht sein, so entwickeln sie ein Durchlüftungsgewebe (Aerenchym), das das Rhizom mit Sauerstoff versorgt. Ausgefallener wird es aber bei den Blüten dieser Art. Diese sind zwittrig und leuchten von Juni bis September in einem knalligen Purpurrot oder Magenta.  Jeder ähren- oder traubenförmigeBlütenstand kann hundert und noch mehr Blüten enthalten. Die Blüten besitzen eine doppelte Blütenhülle. Jetzt das Ausgefallene:  Beim Blütenaufbau liegt trimorphe Heterostylie vor: Es gibt drei verschiedene Blütentypen (auf verschiedenen Pflanzenexemplaren):

  • Blüten mit langen Griffeln und mittellangen und kurzen Staubblättern
  • Blüten mit mittellangen Griffeln und langen und kurzen Staubblättern
  • Blüten mit kurzen Griffeln und langen und mittellangen Staubblättern

Lythrum salicaria.

Lebensraum & Ökologie

Der Gewöhnlicher Blutweiderich hat sein Hauptvorkommen auf feuchten Standorten. Häufig verbreitet ist er in Röhrichten, Sümpfen, an Ufern von Seen und Weihern aber auch Flüsse, Bäche und Kanäle sowie Gräben bieten ihm einen Lebensraum. Er bevorzugt die tieferen Lagen und ist etwas wärmeliebend, kommt aber auch noch in mittleren Gebirgslagen vor. Die Standorte sind vor allem nasse oder wechselfeuchte, zeitweise überschwemmte, nährstoffreiche, Sumpfhumusböden. Global betrachtet ist Lythrum salicaria eine eurasiatisch-subozeanische Art und ist sogar noch in Australien anzutreffen. In Nordamerika hingegen ist es eine Problemart und gilt als eine der invasivsten Arten des Landes. Durch fehlende Konkurrenz hat Lythrum salicaria ganze Wiesen überwuchert und breitet sich immer mehr aus. In gewisser Weise ist es die europäische Revanche für die eingeschleppte Roteiche und kanadische Goldrute.

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