Naturgebloggt

Naturschutz – weil's wichtig ist

Datum: 31. August 2017

Reisetagebuch Schweden #2 Linnés Hammarby

Schweden ist ja bekannt für seine weitläufige und abwechslungsreiche Natur. Die Landschaft des Nordens zieht jährlich nicht nur Naturliebhaber in ihren Bann. Aber das Land der Tausend Seen bietet noch mehr, so hat die moderne Botanik schwedische Wurzeln. In Uppsala wurden im 18. Jahrhundert die Grundzüge der noch heute geltenden Nomenklatur für alle bekannten Pflanzenarten erarbeitet. In dem damals kleinen Städtchen Uppsala sollte die Botanik nachhaltig beeinflußt werden.

Botaniker der ersten Stunde

Der Wissenschaftler und seinerzeit bedeutendste  Botaniker Carl von Linné sollte jedem, der sich etwas näher mit Biologie befasst, bekannt sein. Auf sein engagiertes Wirken im 18. Jahrhundert gehen sämtliche wissenschaftliche Namen von Flora und Fauna zurück. Als Professor der Universität Uppsala sammelte er Tiere und Pflanzen aus aller Welt und ordnete sie in das noch heute gültige taxonomische System mit Art, Gattung und Familie. Aus Ländern und Regionen, die ihm zu bereisen nicht möglich waren, ließ er sich Exponate schicken und verpasste ihnen am heimischen Schreibtisch seinen Stempel. Für seine stetig wachsende Sammlung an Exponaten fehlte im nach kurzer Zeit der Platz. Kurzerhand gründete er den noch heute geöffneten Botanischen Garten von Uppsala. Dieser bietet Besuchern die Möglichkeit, die Wirkungsstätte des großen Botanikers hautnah zu erleben sowie in seine einstigen  Räumlichkeiten den Geist vergangener Tage wieder auferstehen zu lassen. Der Garten selbst ist sehr geräumig und weiß mit einer Vielzahl an Pflanzen zu überzeugen. Stellenweise kommt da sogar ein eingefleischter Pflanzenfreund ins Staunen. Oder habt ihr bereits einen 2,50m hohen Sanguisorba officinalis gesehen?

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Linnés Hammarby

Etwas weniger prominent verhält es sich mit dem Sommerhaus von Linné (ca. 15 km südlich von Uppsala). Dieses Anwesen wird nur wenig beworben und so brauchte es schon eine große Portion Glück um es zu finden. Dabei lohnt sich ein Besuch mindestens genauso. Erstmalig erwähnt wurde Hammarby 1337. Der Adlige Olof Styrbjörnsson vom Hause Gren verkaufte das Gut an den Kanoniker der Kathedrale von Uppsala. Durch Verkauf und Erbschaft wechselte der Hof über die Adelsgeschlechter Läma, Stewardt, Gärffelt und von Friesendorff zum Hofjägermeister A. Schönberg. Dieser wiederum veräußerte das Gut 1758 für 80.000 Taler an Carl von Linné. Dieser ließ die ursprünglich aus zwei Gebäuden bestehende Anlage stetig erweitern und schuf sich so einen Rückzugs- und Lernort für die warmen Sommermonate. Auf ausgedehnten Exkursionen durch die umliegende Landschaft zeigte er seinen Studenten floristische Schätze und brachte ihnen die Natur näher. Heute beherbergt das Anwesen ein Museum, in dem die Räumlichkeiten originalgetreu erhalten geblieben sind. Auf dem Gelände befinden sich ebenfalls ein botanischer Garten sowie verschiedene Lehrpfade und Rundwege. Sollte Hammarby bei einer Reise auf eurer Strecke liegen, so schaut dort unbedingt mal vorbei.

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NSG Harslebener Berge und Steinholz

Sachsen-Anhalt hat trotz aller Nachteile auch etwas Gutes. So lassen sich besonders schöne Naturräume finden. Besonders der Harz ist da zu nennen. Bereits im Harzvorland warten landschaftliche Kleinode darauf entdeckt zu werden. In meinem Beruf komme ich sehr viel in der Natur herum und kenne eine Menge solcher Gebiete. Eines davon möchte ich euch mit diesem Beitrag etwas näher vorstellen. 

 

Ein Naturschutzgebiet in den Ausläufern des Harzes

Das NSG befindet sich ca. 5 km nordwestlich von Quedlinburg, der heimlichen Harzhauptstadt. Es besteht aus einem Höhenzug, zu dem die Berge Steinholz, die Harslebener Berge (191 m ü. NN), die Hinterberge und der Große Thekenberg (205 m ü. NN) gehören. Das NSG liegt im LSG „Harz und Vorländer“. Die Geologie ist etwas anspruchsvoller zu verstehen, zumindest für einen Botaniker wie mich. Ist aber wichtig um die botanische Besonderheiten zu begreifen. Der Untergrund des Gebietes ist aus Sandsteinen der Oberkreide aufgebaut. Entlang der Halberstädter Kreidemulde bildet dieser eine langgestreckte Schichtstufe, die sich in einzelne Kuppen und Runsen gliedert. Während die Nordhänge überwiegend flach verlaufen, sind die Südhänge steil. Über dem Sandstein-Untergrund haben sich meist flachgründige Bergsand-Braunerden, über der teils mächtigen Löß-Auflage der Nordhänge tiefgründige Sand-Löß-Mischböden, entwickelt. Nun aber zu bereits erwähnten Vegetation. Im Gebiet treten Naturnahe Restwälder auf. Tiefgründige Lößbraunerde ist mit Waldlabkraut-Traubeneichen-Hainbuchenwald (Galio sylvatici Carpinetum betuli) bewachsen.  

Diese Bestände wechseln auf Verwitterungsböden kleiner Kuppen in den bodensauren Färberginster (Birken-)Eichenwald (Genisto tinctoriae-Quercetum). Die südexponierte Oberhangkante ist stellenweise mit dem subkontinentalen Fingerkraut-Eichentrockenwald (Potentillo albae -Quercetum petraeae) bestockt. Neben naturnahen Laubwäldern sind auch Forste aus verschiedenen Nadelhölzern vorhanden.

Beliebtes Wander- und Erholungsziel im Harz

Das Gebiet zieht alljährlich eine Vielzahl von Wanderern in seinen Bann. Auf meinen Streifzügen ergeben sich sehr oft nette Gespräche. Häufig werde ich da nach meinem Alltag im Naturschutz gefragt. Solltet ihr einmal in der Gegend sein,  nehmt euch Zeit um das Gebiet zu erkunden. Es lohnt sich. Gerade im Spätsommer, wenn das Heidekraut in voller Blüte steht und das Rothirsch in der Brunft ist, hat die ganze Gegend etwas sehr urtümliches.

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