Wirklich gute Bücher über den Naturschutz in seiner modernen Form sind selten. Werke über das Schwinden der Artenvielfalt in unserer Landschaft kann man an einer Hand abzählen. Damit keine Missverständnisse aufkommen: ich spreche hier nicht von irgendwelchen schöngeistigen Artikeln in Journalen die ohnehin nur eine Handvoll lesen. Ich beziehe mich auf Literatur für den „Laien“. Umso mehr freut es mich, wenn mir ein solches Buch in die Hände fällt. „Das Ende der Natur“ von Susanne Dohrn ist so ein Glücksfall und wird euch in diesem Beitrag vorgestellt.

Das Ende der Natur  -plakativ aber wirkungsvoll

Mein Interesse an dem Buch hatte der plakative Titel geweckt. So eine These auf dem Deckblatt schürt große Erwartungen und die werden nur in den seltensten Fällen auch erfüllt. Susanne Dorn ist eine erfahrene Autorin diverser Publikation und sorgt mit einem angenehmen Schreibstil für einen leichten Einstieg. Den Kern des Buches bildet die Thematik der intensiven Landwirtschaft und deren Auswirkungen auf diverse Lebensräume (bspw. Äcker, Wälder und Moore) für Flora und Fauna. Das Vorwort zauberte mir bereits ein Dauergrinsen ins Gesicht, die Naturschutz-Szene in Deutschland ist eher überschaubar und man kennt sich eben. Daher sind mir nahezu alle Namen im Vorwort persönlich bekannt und z.T. angenehme Kollegen.

Naturschutz für den interessierten Laien

Allerdings wird nach den ersten 40 Seiten klar, dass ich nicht zur Zielgruppe des Buches gehöre. Das ist absolut nicht abwertend gemeint, sondern der Tatsache geschuldet, dass ich mich tagtäglich mit den behandelten Themen befasse. Für den interessierten Leser, der sich einen umfassenden Blick auf das Thema aneignen möchte, ist das Buch genau richtig und sehr gut recherchiert. Hinter jeder These oder Behauptung findet sich der entsprechende Quellenverweis. Sehr löblich.

An manchen Stellen erstaunen mich die teilweise scharfen Worte der Autorin über die intensive Landwirtschaft. Selten habe ich (auf fachlicher Ebene) ein Buch gelesen, welches so hart mit dem größten Massenmörder der Biodiversität ins Gericht geht. Sehr gut. Natürlich könnten sich dabei wieder ein paar Leute auf die Füße getreten fühlen aber der Ton ist an keiner Stelle unangemessen oder unfair. Es hat eben alles Hand und Fuß. Bereits das erste Kapitel hält was der Titel verspricht. Die intensive Landwirtschaft wird kritisch betrachtet und die Folgen eines unbedachten Handelns aufgezeigt. Schön auch, dass sich Susanne Dohrn auf wissenschaftliche Versuche aus den 1950er und 1960er Jahren bezieht. Anhand solcher Zeitreihenanalysen lässt sich das Ausmaß des Artenrückgangs sehr gut veranschaulichen.  Die präsentierten Daten und Fakten werden aber nicht einfach aneinander gereiht erzählt, vielmehr sind sie in die große Rahmenhandlung geschickt eingebunden. Die Autorin möchte im heimischen Garten einen Rasen zu einer Blumenwiese umwandeln und nutzt die einzelnen Kapitel geschickt für diese Erzählung aus. Herausgekommen sind knapp 300 Seiten kurzweiliges Lesevergnügen. Absolut empfehlenswert.