Eigentlich wollte ich keines der Bücher von Peter Wohlleben mehr lesen. Ist nicht gerade der beste Einstieg in eine Rezension oder? Entspricht aber den Tatsachen. Nachdem ich alle seine bis 2016 erschienen Bücher am Erscheinungstag gekauft hatte, stellte sich zunächst Ermüdung und dann Verdruss ein. Mit dem im März 2017 erschienenen Band „Gebrauchsanweisung für den Wald“ wollte ich dem Autor eine Chance geben. Wieso ich es dennoch teilweise bereute und Schaum vor dem Mund hatte, möchte ich in den kommenden Zeilen zum Ausdruck bringen.

„Gebrauchsanweisung für den Wald“ ist kein Sachbuch im herkömmlichen Sinne. Es bietet vielmehr (deswegen auch der Titel) Tipps und Tricks für ein (Über)Leben im deutschen Wald. Die Palette reicht von Nahrung über Spiel und Spaß bis hin zum Schutz gegen Zecken, Gnitzen, Mücken und Co. Für jemanden aus meiner Branche allesamt keine Neuheiten. Gut lesen, lässt sich das Buch mit seinen 230 Seiten dennoch. Wie sonst würdet ihr auf „Waldkaugummi“ reagieren als mit einem Schmunzeln?

Ebenfalls wird kräftig die Werbetrommel gerührt und das Schaffen von Wohlleben steht mehr als einmal im Mittelpunkt. Ist ja auch nicht verkehrt. Seine Art Wälder zu bewirtschaften, Bürger, insbesondere Kinder, daran teilhaben zu lassen ist ja auch empfehlenswert. Er mahnt das Handeln der modernen Forstwirtschaft an und zählt allerhand Gründe auf, wieso es um den deutschen Wald so schlecht bestellt ist. Die ökologisch sinnvollen Lösungsansätze liefert er gleich mit. Gefällt mir.

Allerdings ist Peter Wohlleben nunmal Peter Wohlleben. Seine Genese entstammt dem Forst und dieses Denken tropft aus jedem Satz. Sein innig geliebter Buchenwald ist Trumpf und geht ihm über alles. Am liebsten würde er nur noch diesen Lebensraum in Deutschland sehen. Für ihn ist dies die natürlichste Vegetation. Punkt. Aus. Ende.

Leider stellen sich mir als Berufsnaturschützer bei so einer Denke die Nackenhaare auf. Er sieht die Welt mit Scheuklappen und ist obendrein inkonsequent. Der Buchenwald mag die natürliche Vegetation nach der letzten großen Eiszeit sein. Aber da war die Natur schon nicht mehr unbeeinflusst vom Menschen.

Um diesen Zeitpunkt in der Geschichte zu erreichen, muss man zeitlich vor die letzte große Eiszeit gehen. Dann sind es nämlich die mächtigen, knorrigen Eichen, welche das Waldbild bestimmten. Buchen waren nur nach dem Schmelzen der Gletscher schneller.

Der nächste Knick in seiner Sichtweise ist das Offenland. Wohlleben spricht allen Offenlandlebensräumen ihre Existenz ab. Sie sind ohnehin menschgemacht und behindern den Wald in seiner Ausbreitung. Schlimmer noch, er bezeichnet die Pflege von Offenlandlebensräumen als Behinderung des Waldes.

Wenige Seiten nach einer solchen Äußerung muss aber auch er zugeben, dass ein Wald in Sachen Artenvielfalt nicht mit einem intakten Offenlandlebensraum konkurrieren kann. In meinen Augen ist das ein Widerspruch.

Was nun wie ein Verriss klingen mag, soll keiner sein. Das Buch ist durchaus empfehlenswert. Besonders in der digitalen Zeit, in der viele Menschen Begriffe wie „Natur“ und „Wald“ googeln müssen. Nur sollte man immer im Hinterkopf behalten, auch ein Peter Wohlleben sieht womöglich den Wald vor lauter Bäumen nicht.