In den letzten elft Tagen beratschlagten Vertreter aus 150 Ländern auf dem UN-Klimagipfel in Paris wie denn nun am effektivsten mit dem Klimawandel zu verfahren sei und wie man ihn bzw. dessen Auswirkungen stoppen könnte. Was sich aber irgendwie keiner getraut zu sagen, ist die Tatsache, dass der Drops gelutscht ist. Die globale Erderwärmung ist bereits in vollem Gange und daher gilt es nicht den Klimawandel zu stoppen sondern vielmehr Schadensbegrenzung zu betreiben. Das allgemeingültige Ziel, die anthropogene Erderwärmung auf maximal 1,5 °C zu begrenzen ist sicherlich ein guter Schritt jedoch haben die vergangenen zwei Wochen nicht gereicht um alle Fragen zu klären. Besonders drängend ist der Umgang mit den Entwicklungs- und Schwellenländern und wie diese die bevorstehenden Umweltzungen finanzieren sollen. Diese sehen überdies die Industrienationen in der Pflicht mit gutem Beispiel voranzugehen. Erste negative Schlagzeilen machen die Republikaner der USA. Diese kündigen bereits aktiv ihren Widerstand gegen das Klimaabkommen an. Aber bleiben wir für diesen Beitrag hier diesseits des großen Teiches und schauen mal was unsere Umweltverbände zu den Ergebnissen sagen. Wohlgemerkt unter dem Gesichtspunkt, dass es größtenteils nur erste Statements sind. Ausführliche Analysen und Kommentare werden sicherlich in den nächsten Tagen folgen.

Windmühle_Kupferhübel

Naturschutzbund e.V. (NABU)

NABU-Präsident Olaf Tschimpke nennt das Erreichte ein „wichtiges Signal“ und begrüßt die Zielstellung der Erderwärmung auf max. 1,5 °C. Allerdings mahnt er auch die Realität an. Würden man die Vorschläge und Maßnahmen so umsetzen, wie sie in den bisher freiwillig vorgelegten Papieren stehen, so würde man den Temperaturanstieg auf max. 2,7 °C, also rund den doppelten Wert,  begrenzen. Zwischen den beiden Werten liegen aber ökologisch betrachtet Welten. Ebenfalls wird die Dauer bis zur ersten Kontrolle der Klimaziele und von eventuellen Korrekturen bemängelt. 2023 sei eindeutig zu spät laut Tschimpke. Dem nächsten Kritikpunkt kann ich mich anschließen. Das kleine Wörtchen „Dekarbonsierung“ fehlt. Somit lässt man sich die Chance auf eine 100%-ige auf erneuerbare Energien (naturverträglich lasse sich absichtlich weg) basierende Energiewende entgehen. Die stattdessen gewählte Phrase „Balance zwischen Emissionen und Senken“ lässt deutlich mehr Interpretationsspielraum und wird wohl nicht ganz ohne Blick auf die Lobby gewählt wurden sein. Größtes Manko allerdings ist das Fehlen von Luft- und Schiffsverkehr. Der Klimaausstoß aus diesen internationalen Sparten wurde gänzlich außen vor gelassen. Verwunderlich da diesen Branchen deutliches Wachstum vorhergesagt wird und sie schon heute so viele Emissionen erzeugen wie die gesamte Bundesrepublik. Die ausführliche Meldung seitens NABU gibt es hier.

Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND)

Der Vorsitzende Hubert Weiger hat in den letzten Tagen bereits deutliche Worte zum Klimaabkommen gefunden. In einem der letzten Beiträge bin ich u.a. darauf eingegangen. Schaut man sich die Statements seitens BUND zu dem Thema an, so wirkt hier der Ton schärfer als anderswo. Weiger beklagt die Unentschlossenheit und fehlende Konsequenz hinsichtlich der Abhängigkeit der Welt von Kohle, Öl und Gas. Bei aller Kritik sind auch positive Worte angebracht. Die Welt hat nun aus Sicht des BUND ein Werkzeug um die Arbeiten nun effektiv fortführen zu können. Besonderer Dank gilt dabei unserer Bundesumweltministerin Hendricks, die sich aktiv für das 1,5 Grad-Ziel eingesetzt hat. Meine Meinung: Ihr direkter Amtsvorgänger hätte es verkackt. Allerdings müssen die deutschen Klimaziele angepasst und nachgebessert werden. Laut BUND bietet das Abkommen keine Garantie zur Begrenzung der Erderwärmung aber es motoviert zu mehr Eile beim Klimaschutz. Die ausführliche Meldung seitens BUND gibt es hier.

Germanwatch

Der Artikel von Germanwatch klingt sehr euphorisch und wohlwollend dem Klimaabkommen gegenüber. Wie die beiden Vorgänger wird auch hier das entschlossene Zusammenwirken (zumindest auf dem Papier) gelobt. Auch betrachtet man das Abkommen als Symbol für Kooperation und Transformation. Nicht ganz so kritisch schein man das 2 °C anstatt des 1,5 °C-Ziels zu sehen. Man ist sich aber auch bei Germanwatch der Tatsache bewusst, dass es nun an der Zeit ist zu handeln. Unternehmen müssen mit ins Boot geholt und Investitionen getroffen werden. Ebenfalls wird hier auf die Rolle der wirtschaftlich schwächeren Länder hingewiesen. Der Chef von Germanwatch Christoph Bals würdigt auch die Rolle der deutschen Delegation. So sei ihre Arbeit sehr konstruktiv gewesen und habe so manches möglich gemacht. Wichtig und richtig ist in meinen Augen auch die Rolle der EU, welche in dem Artikel deutlich angesprochen wird. Diese muss eine Investitionsoffensive hinsichtlich Energieeffizienz  sowie eine Verschärfung der eigenen Klimaziele für 2020 und 2030 angehen und durchsetzen. Die ausführliche Meldung seitens Germanwatch gibt es hier.