Mit diesem Beitrag möchte ich euch einen kleinen Einblick in meinen heutigen Tag geben. Auf dem Programm stand die Untersuchung von Schleiereulengewölle. Anhand der Nahrung und des Nahrungszustandes kann man  ziemlich genau die Beutetiere der einzelnen Vögel bestimmen. Eulenvögel bspw. verschlingen ihre Nahrung in mehr oder weniger intakten Brocken, der Rotmilan zerknuspert seine Mahlzeiten regelrecht und macht es uns daher schwierig verwertbare Informationen zu erhalten.

Da Eulen ja bekanntlich Räuber und somit Fleischfresser sind, vertilgen sie ihre Beute mit Haut und Haaren. Diese Haare können nicht verdaut werden. Ebenfalls tun sich Eulen schwer damit, sie auf „dem richtigen“ Weg wieder zu entsorgen. Sie vermengen die Haare mit Magensäften (daher der strenge Geruch) und würgen sie durch den Schnabel wieder hervor. Ich möchte euch mal anhand von Bildern das Vorgehen bei der Nahrungsbestimmung zeigen.

Man beginnt mit der Untersuchung in dem man die Gewöllklumpen in Wasser legt und sie gründlich einweicht. Auf diesem Wege trennt man die Haare voneinander und fördert so eventuelle Knochen zutage.

Mit Pinzette und Nadel bewaffnet zerlegt man die Klumpen in ihre faserigen Einzelteile. spätestens jetzt wird deutlich, ob man Glück hat und Nahrungsfunde erwischt hat oder nicht. Besonders wichtig sind dabei Ober- und Unterkiefer. Es befinden sich auch Rippen, Schenkelknochen etc. im Gewölle aber die Kiefer samt Schädelknochen und Zähnen sind die wichtigsten Komponenten.

 Hat man alle Haare und Dreckpartikel entfernt, legt man die verwertbaren Knochen zusammen. In diesem Falle liegen sie in einer Petrischale.

Als Anschauungsbeispiel habe ich die besten Exponate von Ober- und Unterkiefer gewählt. Links der Oberkiefer und rechts der Unterkiefer. Die beiden markanten Schneidezähne und das Fehlen eines Hornschnabels machen deutlich, es handelt sich um ein Säugetier und nicht um einen Vogel. Ohne einen Bestimmungsschlüssel kann man noch die Ordnung des Beutetieres eingrenzen. Es handelt sich um ein Nagetier (Rodentia)

Nach einem Blick in den Bestimmungsschlüssel oder durch Erfahrung lässt sich sogar die Familie des armen Geschöpfes nennen. Bei dem vorliegen Exemplar handelt es sich um einen Wühler (Cricetidae).

Wer es ganz genau wissen will, der schaut sich die (leider nicht abgebildeten) Zähne und Gaumenspalten an.  Anhand der Zahnreichen, Wurzel-Kronen-Verhältnisses und der Beschaffenheit des Gebisses sowie Zahnschmelz war das „Opfer“ eine Wühlmaus.

Mit diesem Wissen lässt sich auch der mutmaßliche Täter fassen. Im letzten Schritt schaut man in Futtertabellen von Greifvögeln und kann anhand der Nahrung sagen, welcher Vogel dieses Gewölle produziert hat. Warum macht man das Ganze? Ganz einfach. Im Rahmen von Habitatkartierungen kann man schlecht den ganzen Tag warten bis ein Vogel vorbei geflogen kommt. Dafür reicht die Zeit nicht. Als sammelt man Gewölle vom Boden auf und bestimmt die vorkommenden Vögel auf diese Weise.

In diesem Sinne…