Silhouette. Getreide. Ähre, Weizen, LandwirtschaftDas mit der intensiven Landwirtschaft sowie der EU-Agrarpolitik etwas nicht stimmt ist kein Geheimnis. Streift man durch die Flur, so wird einem die überall vorherrschende Monotonie auf den Äckern bewusst. Wenn man Gespür dafür hat, bemerkt man obendrein das Fehlen der einstmals charakteristischen Flora und Fauna. Genau diesen Zustand greift der aktuelle Agrar-Report des Bundesamtes für Naturschutz auf und bescheinigt der EU-Agrarpolitik ein Versagen auf ganzer Linie.

Schlechtes Zeugnis für EU-Agrar-Politik

Der aktuelle Agar-Report des BfN zeigt deutlich, wo es Nachholbedarf in der modernen Landwirtschaft gibt.  Die Artenvielfalt in der Agrarlandschaft befindet sich im rasanten Sinkflug. Pestizid-Einsatz und monotone Kulturen sorgen dafür, dass Insekten weniger werden, Vögeln Nahrung und Lebensraum fehlt. Oder wann habt ihr das letzte Mal Feldlerchen singen hören?

Aber damit nicht genug, zudem sind viele arten- und blütenreiche Grünland-Lebensräume bedroht. Diese wertvollen Biotope fallen scharenweise den Pflügen zum Opfer. Dem Bauer ist es letztlich egal, ob er Biodiversität zu Gunsten von Raps, Mais oder Soja vernichtet. Hauptsache es klingelt im Geldbeutel. Die Folge sind übernutzte, ausgelaugte Flächen und ein viel zu hoher Eintrag von Stickstoff ins Ökosystem Acker. So hat auch der Anteil der Ackerkräuter massiv abgenommen. Besonders im Inneren der Felder liegt der Rückgang bei bis zu 99 Prozent. Schaut man sich die Felder dieser Zeit an, brüllt einen die gähnende Leere nahezu an. Es fehlen typische Ackerarten wie Kornblume, Feld-Rittersporn oder leuchtend roter Mohn.

EU-Agrarpolitik steuert in die völlig falsche Richtung

Der aktuelle Zustandsbericht legt den Finger auf den wunden Punkt und benennt benennt als Ursache des desaströsen Zustandes der Artenvielfalt in der Agrarlandschaft die immensen Fehlsteuerungen der EU-Förderpolitik.

Der NABU findet auf seiner Seite dazu drastische Worte:

„Das mit der letzten Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) auf EU-Ebene eingeführte Greening hat versagt. Es war der Versuch, auch die Ausgaben der ersten Säule für die landwirtschaftliche Produktion an ökologische Mindeststandards zu koppeln. Laut Report wurde lediglich erreicht, dass sich der Anteil an für den Naturschutz wertvollen Flächen um nur ein Prozent der Ackerfläche erhöht hat. Demgegenüber stehen immense Ausgaben von 1,5 Milliarden Euro alleine in Deutschland pro Jahr für dieses so genannte Greening.“

Ebenso mahnt der Report die Finanzierungslücke für den Naturschutz in Agrarlandschaften an. Die derzeitigen Fördermöglichkeiten und Finanzmittel reichen nicht einmal ansatzweise für effektiven Flächenschutz aus. Dies ist aber dringend notwendig, um eine Trendwende einzuleiten. Trotz des dramatischen Zustandes der biologischen Vielfalt in der Agrarlandschaft, sowie das durch die intensive Tierhaltung beförderte massive Gülle-Problem mit schädlichen Folgen für Grundwasser und Böden fließen weiterhin EU-weit jedes Jahr 60 Milliarden Euro an Agrarzahlungen an die Landwirte. Die pauschalen Zahlungen haben die Probleme für die Natur nur verschärft.