Die Umwelt- und Naturprobleme unserer Zeit machen nicht Halt vor Ländergenzen. An sich sollte dies auch nicht der Naturschutz aber er muss sich immer wieder diversen Befindlichkeiten der unterschiedlichen Administrationen beugen.

Ein gutes Beispiel für die Härte mit diversen Akteuren ist der Harz. Deutschlands nördlichstes Mittelgebirge hat das Pech auf den Flächen von drei Bundesländern zu liegen. Ohne das jetzt weiter ausführen zu wollen, aber es ist stellenweise echt haarsträubend was sich der Mensch alles einfallen lässt um die Natur zu gängeln.

Es geht aber auch anders und die Bestrebungen die internationale Zusammenarbeit im Naturschutz zu stärken sind durchaus vorhanden.

In der vergangenen Woche fand erstmals an der Hochschule für Nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE) in Kooperation mit dem Zentrum für Ökonik1 und Ökosystemmanagement eine Konferenz zum Ökosystemmanagement in der Grenzregion Ukraine-Rumänien-Moldau statt. Vertreter*innen der Länder tauschten sich über aktuelle Entwicklungen und gemeinsame, grenzüberschreitende Projekte aus. Im Interview fasst Prof. Dr. Pierre Ibisch, Initiator des Vorhabens, die Ergebnisse der Konferenz zusammen.

Mit welchen Eindrücken gehen Sie aus der Konferenz heraus?
Prof. Dr. Pierre Ibisch: Die Diskussionen zur grenzüberschreitenden Zusammenarbeit im Naturschutz mit Teilnehmer*innen aus sechs Ländern, die Hochschulen, Nichtregierungsorganisationen und Schutzgebiete repräsentierten, haben bestätigt, wie wichtig das Thema gerade auch in der Region Osteuropa ist. Der eiserne Vorhang in Mitteleuropa ist gefallen, doch neue ‚harte‘ Grenzen sind entstanden, welche Mensch und Natur zerschneiden. Wir sind ermutigt, hierzu weiter forschend und beratend tätig zu sein. Grenzüberschreitender Naturschutz ist ein Beitrag zur Verminderung von Konflikten und zur Schaffung von Frieden und Verständigung. So sahen das unsere Kolleg*innen z.B. aus der Ukraine, aus Rumänien und der Republik Moldau auch.

Welche Denkanstöße hat es für die künftige Zusammenarbeit gegeben? Und wie werden diese künftig umgesetzt?
Prof. Dr. Pierre Ibisch: Es gibt vielversprechende Initiativen z.B. an der Grenze zwischen Rumänien und der Ukraine, die der Unter-stützung bedürfen. Hier könnte ein grenzüberschreitendes UNESCO-Biosphärenreservat idealerweise neue Impulse für die nachhaltige Entwicklung und für eine erfolgreiche Kooperation geben. Wir haben das Thema der Flüsse besprochen, welche häufig Landesgrenzen darstellen, aber als Ökosysteme für Offenheit und Zusammenhang stehen. Mit alten und neuen Partnern erwägen wir, hierzu einen Projektantrag zu entwickeln. Wir haben auch auf einer Exkursion ins Odertal – auf deutscher und polnischer Seite – Anregungen für Aktivitäten erhalten.

Warum ist das Thema der Konferenz so wichtig für den Umweltschutz in Europa?
Prof. Dr. Pierre Ibisch: Europa ist geopolitisch ein von der Geschichte gebeutelter Flickenteppich mit zu vielen Grenzen, an denen sich Konflikte entzündeten und weiterhin entzünden. Grenzüberschreitender Naturschutz kann zur Heilung und Verminderung von Konflikten beitragen, fördert Verständigung und Austausch auf einem neutralen Gebiet. Wenn Grenzen offener sind und Naturschützer über Grenzen hinweg zusammenarbeiten, bedeutet dies nicht nur für die Menschen, sondern auch für die dann besser geschützte Natur einen Gewinn (Quelle: idw-online).