Naturgebloggt

Naturschutz – weil's wichtig ist

Kategorie: 2015 (Seite 2 von 57)

Naturschutz steht zusammen

Als im Sommer diesen Jahres die Pläne der Europäischen Union, die Naturschutzgesetze auf ihre Tauglichkeit zu überprüfen, bekannt wurden, gab es einen allgemeinen Aufschrei des Entsetzens in der Szene. Aber auch angrenzende Fachdisziplinen und Fachbereiche beteiligten sich an der Mobilmachung und rührten lauthals die Trommeln. In den sozialen Netzwerken sammelte der #NatureAlert allerhand Gleichgesinnte und machte so auf die Thematik aufmerksam. Obwohl alle (deutschen) Naturschutzverbände sehr aktiv waren, fiel mir der NABU besonders auf. Und so ist es auch heute eine Meldung des NABU welche mir ein breites Grinsen ins Gesicht zaubert.

Die EU-Umweltminister haben sich gestern in ihrer Versammlung in Brüssel geschlossen hinter den Naturschutz und seinen Gesetzen gestellt und sich für eine vollständige Umsetzung derer ausgesprochen. Ebenfalls forderten und bekräftigten sie eine bessere Finanzierung von Schutzprojekten. EU-Kommissionspräsident Juncker hat dadurch mit seinem „Deregulierungsprogramm“ eine Schlappe kassiert.

Holzsteg ins Moor bei Gottesgab

Holzsteg ins Moor bei Gottesgab

„Die heutigen Beschlüsse des Rates zur EU-Biodiversitätsstrategie für 2020 liefern Jean-Claude Juncker und seinem zuständigen Vizepräsidenten Frans Timmermans endgültig Gewissheit. Wenn sie glauben, die Europäische Union bei Mitgliedstaaten und Bürgern beliebter machen zu können, indem sie Naturschutzgesetze durchlöchern, sind sie auf dem Irrweg. Den Artenschwund zu stoppen ist ebenso lebenswichtig für die Menschheit wie der Klimaschutz. Die EU-Kommission sollte ihre Pläne zu den Akten legen und sich nun voll und ganz auf die wirksame Umsetzung der bestehenden Naturschutzgesetze konzentrieren“, äußerte sich der  NABU-Präsident Olaf Tschimpke dazu.

Es kommt ja heutzutage viel zu selten vor, dass in einem Bereich der Politik Einigkeit herrscht. Umso schöner ist es, wenn der Naturschutz dies leisten kann und davon profitiert. Mal schauen was der nächste Streich des Herrn Juncker mit sich bringt (Quelle: NABU).

Mehr Moorschutz durch den Bund

Moore gehören zu den beedindruckendsten Lebensräumen unserer Erde. Obwohl sich in ihnen nicht unbedingt viele Arten tummeln, sind sie doch wichtig für Klima und Biodiversität. Euch ist ja hinlänglich bekannt, dass Moore als wichtige CO2- und Wasserspeicher dienen. Sie binden Jahrtasuende Kohlenstoff und entnehmen ihn der Atmosphäre. Durch eine Entwässerung des Moorkörpers beraubt man sich eines effektiven Mittels im Kampf gegen den Klimawandel. Alleine in Deutschland entweichen pro Jahr 45 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente aus degenerierten Mooren. Diese Aufgaben soll in Zeiten der globalen Erderwärmung noch deutlch ausgebaut bzw. gewürdigt werden. Die Bundesumweltministerin Barbara Hendricks fördert daher drei neue Projekte zum Thema Moorschutz. Finanziert wird das aus Mitteln der Nationalen Klimaschutz Initiative (NKI) ihres Ministeriums. 2,4 Millionen Euro stehen dafür zur Verfügung.

Hochmoor nahe Gottesgab im böhmischen Erzgebirge

Hochmoor nahe Gottesgab im böhmischen Erzgebirge

Hauptaugenmerk liegt dabei auf den Wiederaufbau sowie den Schutz der Moore. So wollen die Michael-Succow-Stiftung, die Uni Greifswald und der Verein DUENE.e.V. mittels einem Moorschutzdialog die bundesweite Zusammenarbeit im Bereich Moorschutz stärken. Der Deutsche Verband für Landschaftspflege (DVL) steht Kommunen beraten in Sachen Moorrenaturierung zur Seite  und hilft bei Umsetzungen von Moorschutzprojekten. An dieser Stelle noch die Erwähnung, dass nicht nur die Klimafunktionen den Schutz der Mooore rechtfertigen. Die darin siedelnde Arten sind in den häufigsten Fällen ausgeprägte Speziaisten und haben daher eine geringe Toleranz was Umweltfaktoren angeht. Schon kleine Schwankungen im Nährstoff- oder pH-Gehalt kann katastrophale Folgen haben (Quelle: BMUB).

COP21 ist vorbei – das sagen die Kollegen

In den letzten elft Tagen beratschlagten Vertreter aus 150 Ländern auf dem UN-Klimagipfel in Paris wie denn nun am effektivsten mit dem Klimawandel zu verfahren sei und wie man ihn bzw. dessen Auswirkungen stoppen könnte. Was sich aber irgendwie keiner getraut zu sagen, ist die Tatsache, dass der Drops gelutscht ist. Die globale Erderwärmung ist bereits in vollem Gange und daher gilt es nicht den Klimawandel zu stoppen sondern vielmehr Schadensbegrenzung zu betreiben. Das allgemeingültige Ziel, die anthropogene Erderwärmung auf maximal 1,5 °C zu begrenzen ist sicherlich ein guter Schritt jedoch haben die vergangenen zwei Wochen nicht gereicht um alle Fragen zu klären. Besonders drängend ist der Umgang mit den Entwicklungs- und Schwellenländern und wie diese die bevorstehenden Umweltzungen finanzieren sollen. Diese sehen überdies die Industrienationen in der Pflicht mit gutem Beispiel voranzugehen. Erste negative Schlagzeilen machen die Republikaner der USA. Diese kündigen bereits aktiv ihren Widerstand gegen das Klimaabkommen an. Aber bleiben wir für diesen Beitrag hier diesseits des großen Teiches und schauen mal was unsere Umweltverbände zu den Ergebnissen sagen. Wohlgemerkt unter dem Gesichtspunkt, dass es größtenteils nur erste Statements sind. Ausführliche Analysen und Kommentare werden sicherlich in den nächsten Tagen folgen.

Windmühle_Kupferhübel

Naturschutzbund e.V. (NABU)

NABU-Präsident Olaf Tschimpke nennt das Erreichte ein „wichtiges Signal“ und begrüßt die Zielstellung der Erderwärmung auf max. 1,5 °C. Allerdings mahnt er auch die Realität an. Würden man die Vorschläge und Maßnahmen so umsetzen, wie sie in den bisher freiwillig vorgelegten Papieren stehen, so würde man den Temperaturanstieg auf max. 2,7 °C, also rund den doppelten Wert,  begrenzen. Zwischen den beiden Werten liegen aber ökologisch betrachtet Welten. Ebenfalls wird die Dauer bis zur ersten Kontrolle der Klimaziele und von eventuellen Korrekturen bemängelt. 2023 sei eindeutig zu spät laut Tschimpke. Dem nächsten Kritikpunkt kann ich mich anschließen. Das kleine Wörtchen „Dekarbonsierung“ fehlt. Somit lässt man sich die Chance auf eine 100%-ige auf erneuerbare Energien (naturverträglich lasse sich absichtlich weg) basierende Energiewende entgehen. Die stattdessen gewählte Phrase „Balance zwischen Emissionen und Senken“ lässt deutlich mehr Interpretationsspielraum und wird wohl nicht ganz ohne Blick auf die Lobby gewählt wurden sein. Größtes Manko allerdings ist das Fehlen von Luft- und Schiffsverkehr. Der Klimaausstoß aus diesen internationalen Sparten wurde gänzlich außen vor gelassen. Verwunderlich da diesen Branchen deutliches Wachstum vorhergesagt wird und sie schon heute so viele Emissionen erzeugen wie die gesamte Bundesrepublik. Die ausführliche Meldung seitens NABU gibt es hier.

Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND)

Der Vorsitzende Hubert Weiger hat in den letzten Tagen bereits deutliche Worte zum Klimaabkommen gefunden. In einem der letzten Beiträge bin ich u.a. darauf eingegangen. Schaut man sich die Statements seitens BUND zu dem Thema an, so wirkt hier der Ton schärfer als anderswo. Weiger beklagt die Unentschlossenheit und fehlende Konsequenz hinsichtlich der Abhängigkeit der Welt von Kohle, Öl und Gas. Bei aller Kritik sind auch positive Worte angebracht. Die Welt hat nun aus Sicht des BUND ein Werkzeug um die Arbeiten nun effektiv fortführen zu können. Besonderer Dank gilt dabei unserer Bundesumweltministerin Hendricks, die sich aktiv für das 1,5 Grad-Ziel eingesetzt hat. Meine Meinung: Ihr direkter Amtsvorgänger hätte es verkackt. Allerdings müssen die deutschen Klimaziele angepasst und nachgebessert werden. Laut BUND bietet das Abkommen keine Garantie zur Begrenzung der Erderwärmung aber es motoviert zu mehr Eile beim Klimaschutz. Die ausführliche Meldung seitens BUND gibt es hier.

Germanwatch

Der Artikel von Germanwatch klingt sehr euphorisch und wohlwollend dem Klimaabkommen gegenüber. Wie die beiden Vorgänger wird auch hier das entschlossene Zusammenwirken (zumindest auf dem Papier) gelobt. Auch betrachtet man das Abkommen als Symbol für Kooperation und Transformation. Nicht ganz so kritisch schein man das 2 °C anstatt des 1,5 °C-Ziels zu sehen. Man ist sich aber auch bei Germanwatch der Tatsache bewusst, dass es nun an der Zeit ist zu handeln. Unternehmen müssen mit ins Boot geholt und Investitionen getroffen werden. Ebenfalls wird hier auf die Rolle der wirtschaftlich schwächeren Länder hingewiesen. Der Chef von Germanwatch Christoph Bals würdigt auch die Rolle der deutschen Delegation. So sei ihre Arbeit sehr konstruktiv gewesen und habe so manches möglich gemacht. Wichtig und richtig ist in meinen Augen auch die Rolle der EU, welche in dem Artikel deutlich angesprochen wird. Diese muss eine Investitionsoffensive hinsichtlich Energieeffizienz  sowie eine Verschärfung der eigenen Klimaziele für 2020 und 2030 angehen und durchsetzen. Die ausführliche Meldung seitens Germanwatch gibt es hier.

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