Naturgebloggt

Naturschutz – weil's wichtig ist

Kategorie: 2017 (Seite 1 von 41)

Der stille Frühling war erst der Anfang

Als ich heute Morgen meine Runde durch die Sozialen Netzwerke drehte, schien es in meiner Filterblase nur zwei Themen zu geben. Insektensterben und den Rückgang von Brutvögeln. Aktuell herrscht eine rege Aufregung und Entrüstung über ein Thema, welches bereits seit Jahren von unterschiedlichen Naturschützern angemahnt wird und dennoch wird in wenigen Tagen kein Hahn mehr danach krähen.

Eine schleichende Entwicklung

Das Problem des Artenverlustes ist kein neues Problem. Seit Jahren stirbt uns gerade im Offenland die Biodiversität unter den Händen weg. Alle Schutzbemühungen und wohlklingenden Rufe nach mehr Naturschutzgebieten und Wildnis in Deutschland sind der blanke Hohn. Mittlerweile haben wir die Situation für wenige Spezialisten unter den Tieren und Pflanzen gut im Griff, sofern sie sich in Großschutzgebieten aufhalten.

Vollkommen vergessen werden allerdings Arten der freien Landschaft. Grünland und Äcker sind die Massengräber der Artenvielfalt. Bauern der intensiven Landwirtschaft scheren sich keinen Deut um Feldhamster, Feldlerche, Roter Mohn und Co. Vorschläge zu pestizidfreien Ackerrandstreifen zum Schutze der Ackerwildkräuter, Lerchenfenster oder feldhamsterfreundliche Bewirtschaftung werden  vom Tisch gewischt und mitleidig belächelt.

Dabei sind all diese Maßnahmen kein Hexenwerk. Problem dabei, eine Umstellung der Wirtschaftsweise. Als ob das nicht genug wäre, stellen sich Intensivbauern als die Retter der Biodiversität hin und behaupten, sie sind die eigentlichen Naturschützer. Für extensive Landwirte mag das zutreffen, jenen seien an dieser Stelle ausdrücklich gedankt. Die Zeiten, in denen Landwirtschaft pauschal Artenreichtum hervorbrachte sind längst vorbei.

Der erste Sargnagel war die Flurbereinigung. Hecken, Steinriegel und Knicks wurden aus der Landschaft entfernt und somit auch jede Struktur. Es ist heutzutage einfach, nach Zypern, Malta oder Frankreich zu zeigen und über den Verzehr von Singvögeln zu schimpfen. Durch das Fehlen von Hecken etc. kommen viel mehr Vögel gar nicht erst zur Welt als jemals gegessen werden können. Klar, der Brauch Singvögel zu verzehren gehört ebenfalls abgeschafft.

Der zweite Sargnagel ist die verkappte GAP-Politik der Europäischen Union. Gemeinsame Agrarpolitik klingt zwar schön ist aber der Tod der Biodiversität auf Raten. Hier bekommen Bauern Geld dafür, dass sie Maßnahmen im Sinne des Naturschutzes machen aber eine Erfolgskontrolle findet praktisch nicht statt. Diese verhindern die Bauernverbände vehement.

Ein Umdenken in allen (!) Köpfen ist unabdingbar. Der Landwirt muss seinen Boden wertschätzen und naturverträglich anbauen und Pestizide aus seiner Welt verbannen, der Verbraucher die Arbeit und Mühen der Nahrungsmittelerzeuger bereit sein, einen angemessenen Preis zu zahlen (bei Handys ab 1000€ geht es ja schließlich auch) und die Politik muss in die Pötte kommen und mit dem Naturschutz ernsthafte Maßnahmen erarbeiten und nicht nur das absolute Mindestmaß von dem einhalten, was Experten fordern. Dann hinterlassen wir unseren Kindern auch keine völlig verarmte Welt.

Euonymus europaeus – Gemeines Pfaffenhütchen

Mit dem Herbst nähert sich das Jahresende und damit eine eher trübe Jahreszeit. Aber bevor sich die Vegetation zur Ruhe bettet, trumpft die Natur noch einmal richtig auf und schickt nochmal ein paar Farbtupfer in die weite Flur. Ein solcher markanter Farbtupfer ist der Strauch Euonymus europaeus, das Gemeine Pfaffenhütchen. Mit seinen rosafarbenen Blüten ist er der Blickfang schlechthin in der ansonsten herbstgoldenen Landschaft.

Artsteckbrief

Das Gemeine Pfaffenhütchen wird auch Gemeiner Spindelstrauch genannt und erreicht als sommergrüner, aufrechter, reich verzweigter, sparriger Strauch Wuchshöhen von bis zu 3 m, als kleiner Baum auch bis zu 6 m. Sträucher und Bäume besitzen im Alter eine grau-braune, längsrissige Borke. Er ist winterfest und frosthart aber Achtung, die Pflanzenteile sind giftig. Die Blütezeit reicht von Mai bis Juni. Es werden achsenständige trugdoldige Blütenstände auf einem 1 bis 3 cm langen Blütenstandsschaft gebildet. Sie enthalten meist zwei bis sechs, selten bis zu neun Blüten.

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Lebensraum & Ökologie

Der Gewöhnliche Spindelstrauch ist ein winterkahler Strauch mit wintergrünen Zweigen, also ein Rutenstrauch. Er gehört zu den Flachwurzlern und nennt eine Besonderheit sein Eigen: VA-Mykorrhiza. Die Blüten sind vormännliche „Nektar führende Scheibenblumen“. Die Art ist dreihäusig d. h. neben Pflanzen mit zwittrigen Blüten kommen auch solche mit nur männlichen und solche mit nur weiblichen Blüten vor; bei letzteren sind die Pollensäcke taub. Der Nektar wird vom fleischigen Diskus abgegeben. Besucher sind Insekten aller Art, besonders Fliegen.

Die Früchte sind 4-fächrige, fachspaltige Kapseln. Die Samen hängen am verlängerten Stielchen, dem Funiculus, eine Zeit lang aus der geöffneten Kapsel heraus. Das fördert die Mundverbreitung durch z. B. Drosseln und Rotkehlchen; diese schälen den fleischigen Arillus ab, wobei der verbleibende Samen zu Boden fällt. Der Samen enthält reichlich Nährgewebe und bereits ergrünte Keimblätter. Fruchtreife ist von August bis Oktober. Die Keimung erfolgt erst nach einer Samenruhe von 3–4 Jahren. Vegetative Vermehrung erfolgt durch sich bewurzelnde Kriechsprosse.

 

Lachsfieber – das Problem der Aquakultur

Gestern Abend nutzte ich die Chance, zusammen mit einer Kollegin einer Veranstaltung der Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen-Anhalt beizuwohnen. Im Rahmen der „Globale“ in Halle/Saale werden themenspezifische Filme gezeigt. Als Grundthema dient die Globalisierung und das hinter dem Projekt stehende Engagement von Hallenser Vereinen und NGO ist beachtlich. Spielstätte für die Filme ist das Kino Luchs, direkt am Bergzoo und gezeigt wurde der Film „Lachsfieber“.

Chile – ein Paradies für Lachsfarmer

Nun ist die Problematik mit Fischen aus Aquakultur nicht gerade neu. Der Film „Lachsfieber“ aus dem Jahre 2010 auch nicht. Dennoch hat die Thematik nichts von ihrer Brisanz über die Jahre verloren. Die Beschreibung des Films liest sich in etwa so:

Chile ist ein Paradies für Investoren. Was in Europa durch die Umweltgesetzgebung verboten ist, können reiche Unternehmer am anderen Ende der Welt ungestraft tun: Lachskäfige liegen dicht beieinander. Darin stecken doppelt so viele Lachse wie in Europa.

Um Seuchen zu verhindern, werden hunderte Tonnen Antibiotika ins Futter gemischt. Chemikalien und Farbstoffe führen dazu, dass die Fische nach 18 Monaten Mast ein chemisch und biologisch belastetes Produkt sind. Wenn die Gewässer vom Abfall der Industrie verseucht sind, hinterlassen Konzerne wie Marine Harvest einen ökologischen Friedhof. Sie ziehen weiter gen Süden in die noch intakte Welt Patagoniens. Ein Albtraum mit WWF-Siegel.

Kinosaal des „Luchs“ in Halle an der Saale.

Foyer des Kinos „Luchs“ in Halle an der Saale.

 

Diese Sätze könnten genauso gut der heutigen Zeit entstammen. In knapp 45 Minuten wird das Geschäftsgebaren der Firma Marine Harvest des Norwegischen Großindustriellen John Fredriksen beschrieben und scharf kritisiert. Was der Film eindrucksvoll zeigte, war die Situation unter den Fischnetzen der Farmen. Durch Tonnen von Fischkot und Müll ist der Meeresboden tot und unrettbar verloren. Ich lege diesen Film jedem ans Herz der sich etwas mit der Materie beschäftigt und vielleicht ändert das die ein oder andere Gewohnheit.

 

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