Naturgebloggt

Naturschutz – weil's wichtig ist

Kategorie: Biodiversität (Seite 1 von 20)

Lachsfieber – das Problem der Aquakultur

Gestern Abend nutzte ich die Chance, zusammen mit einer Kollegin einer Veranstaltung der Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen-Anhalt beizuwohnen. Im Rahmen der „Globale“ in Halle/Saale werden themenspezifische Filme gezeigt. Als Grundthema dient die Globalisierung und das hinter dem Projekt stehende Engagement von Hallenser Vereinen und NGO ist beachtlich. Spielstätte für die Filme ist das Kino Luchs, direkt am Bergzoo und gezeigt wurde der Film „Lachsfieber“.

Chile – ein Paradies für Lachsfarmer

Nun ist die Problematik mit Fischen aus Aquakultur nicht gerade neu. Der Film „Lachsfieber“ aus dem Jahre 2010 auch nicht. Dennoch hat die Thematik nichts von ihrer Brisanz über die Jahre verloren. Die Beschreibung des Films liest sich in etwa so:

Chile ist ein Paradies für Investoren. Was in Europa durch die Umweltgesetzgebung verboten ist, können reiche Unternehmer am anderen Ende der Welt ungestraft tun: Lachskäfige liegen dicht beieinander. Darin stecken doppelt so viele Lachse wie in Europa.

Um Seuchen zu verhindern, werden hunderte Tonnen Antibiotika ins Futter gemischt. Chemikalien und Farbstoffe führen dazu, dass die Fische nach 18 Monaten Mast ein chemisch und biologisch belastetes Produkt sind. Wenn die Gewässer vom Abfall der Industrie verseucht sind, hinterlassen Konzerne wie Marine Harvest einen ökologischen Friedhof. Sie ziehen weiter gen Süden in die noch intakte Welt Patagoniens. Ein Albtraum mit WWF-Siegel.

Kinosaal des „Luchs“ in Halle an der Saale.

Foyer des Kinos „Luchs“ in Halle an der Saale.

 

Diese Sätze könnten genauso gut der heutigen Zeit entstammen. In knapp 45 Minuten wird das Geschäftsgebaren der Firma Marine Harvest des Norwegischen Großindustriellen John Fredriksen. Was der Film eindrucksvoll zeigte, war die Situation unter den Fischnetzen der Farmen. Durch Tonnen von Fischkot und Müll ist der Meeresboden tot und unrettbar verloren. Ich lege diesen Film jedem ans Herz der sich etwas mit der Materie beschäftigt und vielleicht ändert das die ein oder andere Gewohnheit.

 

Neonicotinoide auf allen Kontinenten nachgewiesen

Das mit unserer Ernährung etwas nicht stimmt und das sich die moderne Landwirtschaft auf einem nicht mehr vertretbaren Weg befindet ist hinlänglich bekannt. Durch Profitgier und dem Streben nach Macht spielen die Konzerne dieser Welt mit der Gesundheit der Verbraucher. Oftmals haben diese gar keine Ahnung welches Gift in ihren Lebensmitteln steckt. Eine aktuelle Studie zeichnet ein erschreckendes Bild über die Verbreitung von Giftstoffen in unseren Nahrungsmitteln.

Neonicotinoide überall nachweisbar

Ein Forscherteam aus der Schweiz hat im Jahre 2012 damit begonnen, Kollegen, Freunde und Bekannte ein Glas Honig von ihren eventuellen Reisen mitzubringen. Auf diese Weise kamen sie in den Besitz von 198 Honigproben aus der der ganzen Welt und glücklicherweise aus allen Kontinenten. Ausgenommen der Antarktis, da hält sich der Tourismus noch in Grenzen. Die Wissenschaftler untersuchten die mitgebrachten Proben auf Giftstoffe und wurden fündig.

Drei Viertel des produzierten Honigs wiesen mindestens Neonicotinoide auf. In knapp der Hälfte der Fälle überschritten diese Giftstoffe sogar die Grenzwerte für eine „Unbedenklichkeit für Bestäuber“. Damit ist wieder einmal eindrucksvoll bewiesen, was wir uns und der Natur täglich für Gifte zuführen.

Eventuell sollte man das Augenmerk und den öffentlichen Druck der Gesellschaft mal auf diesen Umstand lenken anstatt jedes neue elektrische Gerät wie einen Heiland zu begrüßen. Sind denn smarte Klobürsten wirklich wichtiger als eine intakte Natur samt ihren Kreisläufen?

Den Bericht zum Beitrag in voller Länge findet ihr auf newscientist.com und den solltet ihr euch unbedingt durchlesen. Vielleicht zündet er ja bei euch den ein oder anderen Funken und regt zum Nachdenken an. Es geht auch um eure Gesundheit.

Schwarzwald nun offiziell UNESCO-Biosphärenreservat

Der Naturschutz hat in Deutschland offiziellen Zuwachs bekommen. Nach langem Hin und Her konnte der Naturschutz in Sachen Schutzgebiete einen Erfolg für sich verbuchen.  Am morgigen Sonntag wird der Schwarzwald offiziell als Biosphärenreservat anerkannt. Damit wird ein weiterer charakteristischer Landschaftsteil unter Schutz gestellt und der Biodiversität auf ca. 630 km² neuer Raum gegeben.

Biosphärenreservate – Naturschutz mit Modellcharakter

Biosphärenreservate sind nur eine Art der in Deutschland anerkannten Schutzgebiete. Schaut man in den §25 Bundesnaturschutzgesetz, so wird auf zweierlei Merkmale hingewiesen. So sind zum Einen bestimmte Landschaftstypen für die Region charakteristisch und zum Anderen sollen Biosphärenreservate der Erhaltung, Entwicklung oder Wiederherstellung einer durch hergebrachte vielfältige Nutzung geprägten Landschaft und der darin historisch gewachsenen Arten- und Biotopvielfalt, einschließlich Wild- und früherer Kulturformen wirtschaftlich genutzter oder nutzbarer Tier- und Pflanzenarten, dienen. Besonders attraktiv macht diese Schutzform aber das Einbeziehen der Menschen. In §25 (1) Nr. 4 BNatSchG heißt es daher, „…beispielhaft der Entwicklung und Erprobung von die Naturgüter besonders schonenden Wirtschaftsweisen dienen“. In einem BioRes sind also durchaus Nutzungs- und Wirtschaftsweisen erlaubt, nur sollen diese im Einklang mit der zu schützenden Natur sein. Das Vorurteil, der Naturschutz nimmt der Bevölkerung die Landschaft weg, ist damit entkräftet.

Schwarzwald – Tradition und Naturschutz im neuen Biosphärenreservat

Typisch für das neue UNESCO-Biosphärenreservat sind die gemeinschaftlich genutzten Bergweiden, sogenannten  „Allmenden“. Auf diese Hochweiden trieben die früheren Bauern ihr Vieh bestehend aus traditionellen Rinderrassen. Daraus entstand eine einzigartige Landschaft mit den typischen von Verbiss gekennzeichneten „Weidbuchen“. Typisch für den südlichen Schwarzwald sind außerdem der Wechsel von Wald- und Offenlandschaften und der Weitblick von den hohen Gipfeln. Nahezu jedes Dorf hat seine eigene Tracht, die alemannische Sprache und Fastnacht sind ebenso Beispiele des immateriellen Kulturerbes wie die Holzschnitzkunst. Mit dem Schwarzwald gibt es in Deutschland nun 16 Biosphärenreservate in Deutschland die von der UNESCO anerkannt sind. Sachsen-Anhalt gönnt sich aktuell das BioRes Südharz, welches aber aufgrund eines einzigen (!) Bürgermeisters der Region an der UNESCO-Anerkennung scheitert.

Der Internationale MAB-Koordinationsrat entscheidet jährlich über die Anerkennung neuer Biosphärenreservate und überprüft alle zehn Jahre die Qualität der bereits bestehenden Gebiete. Das Biosphärengebiet Schwarzwald wurde im Juni 2017 von der UNESCO anerkannt (Quelle: BMUB).

Seite 1 von 20

Läuft mit WordPress & Theme erstellt von Anders Norén