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Naturschutz – weil's wichtig ist

Kategorie: Biodiversität (Seite 2 von 17)

Naturschutz kennenlernen und hautnah erleben

Naturschutz ist wichtig, fliegt aber aktuell noch etwas unter dem Radar der meisten Bürger. Viele wissen gar nicht so recht, was wir im Berufsnaturschutz machen oder haben ein falsches Bild unserer Arbeit. Manche denken, dass wir hauptsächlich Schlauchboot fahren, uns an Bäume oder Gleise ketten. In den wenigsten Fällen trifft so etwas zu. Nun haben alle Interessierte Gelegenheit, den modernen Naturschutz hautnah zu erleben. Der Tag des Nationalen Naturerbes macht es möglich.

Dem Naturschutz über die Schulter schauen

Unter dem Motto „Naturschätze erleben“ haben Bürgerinnen und Bürger am 10. und 11. Juni die Chance, in einer großen bundesweiten Gemeinschaftsaktion das Nationale Naturerbe zu erleben. An 29 Standorten quer durch Deutschland öffnen Träger von Naturerbeflächen ihre Tore und laden zum Besuchen ein. Der Tag des Nationalen Naturerbes soll neugierig machen auf eine faszinierende Tier- und Pflanzenwelt und einzigartige Landschaften des Nationalen Naturerbes.

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks findet dafür folgende Worte:
„Das Nationale Naturerbe war und ist eine herausragende Initiative des Bundes. Nach nunmehr drei Legislaturperioden blicken wir auf eine unglaubliche Erfolgsgeschichte für die Natur zurück. Allein die Größe vieler Naturerbeflächen ist in unserem dicht besiedelten Land von unschätzbarem Wert für Natur und Landschaft. Wir bewahren damit nachfolgenden Generationen einzigartige Lebensräume und ein Stück Naturschutzgeschichte.“

Flächen für den Naturschutz

Im Rahmen des Nationalen Naturerbes verzichtet der Bund auf den Verkauf von naturschutzfachlich wertvollen Bundesflächen und überträgt sie in die Hände des Naturschutzes, um Wildnis und schutzwürdige Offenland-Lebensräume zu sichern.

Mittlerweile sind die  „Nationale Naturerbe“-Flächen auf 156.000 Hektar angewachsen. Die Flächen werden von den Ländern, der Deutschen Bundesstiftung Umwelt, den Naturschutzverbänden und -stiftungen sowie dem Bundesforst im Zusammenwirken mit dem Bundesamt für Naturschutz auf höchstem naturschutzfachlichem Niveau betreut.

Consolida regalis – der Gewöhnliche Feldrittersporn

Nachdem sich zum Auftakt dieser Kategorie die Art Muscari teuiflorum die Ehre gegeben hat, möchte ich euch heute die nächste Art vorstellen. Dabei handelt es sich um Pflanze der Kategorie 3 in der entsprechenden Roten Liste und obendrein um meine absolute Lieblingspflanze. Die Rede ist von Consolida regalis, dem Gewöhnlichen Feldrittersporn.

Artsteckbrief

Bei der Art Consolida regalis handelt es sich um eine indigene Art der Äcker und kurzlebigen Unkrautfluren. Sie wird in der Roten Liste für Gefäßpflanzen in der Gefährdungsstufe 3 geführt. Sie gilt somit in Deutschland „gefährdet“. Allerdings ist die Bestandsentwicklung negativ. Hauptursache dafür ist das „falsche“ Bewirtschaften der Felder. Wo einst Blühstreifen eine bunte Farbenpracht präsentierten, gähnt heute, Pestiziden sei Dank, eine monotone Leere. Alle Pflanzenbestandteile sind giftig. Die Samen enthalten die Gifte Lycotonin, Delcosin und Delsonin. Nimmt an diese Art in hohen Dosen zu sich, erleidet man Vergiftungserscheinungen ähnlich denen von Aconitin. In früheren Zeiten war der Hornkümmel (Schlesien) oder Lerchenklau (Ostpreußen) besonders für Rinder gefährlich. Durch den starken Rückgang der Pflanze sind heute Vergiftungen kaum noch möglich.

Lebensraum und Ökologie

Der Gewöhnliche Feldrittersporn benötigt nährstoffreiche Getreideäcker, Wegsäume, Trockenplätze. Er gedeiht auch auf warmen, mäßig trockenen bis frischen, nährstoffreichen und basenreichen, neutral-milden, humosen lockeren Lehmböden. Zusammen mit den Mohnblumen prägte er über viele Jahre hinweg das Bild einer ordnungsgemäßen Landwirtschaft. Charakteristisch für den Rätterspuren (Siebenbürgen) ist seine violette Farbe. Diese Farbtupfer sieht man in der Natur schon aus großer Entfernung. Aber die Art kann auch anders. Mit etwas Glück, erspäht man eine Albinoform.

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Natur und Tourismus für die Biodiversität

Oftmals wird dem Naturschutz vorgeworfen, er nehme den Leuten die Natur weg und möchte den Bürger „aussperren“. Hin und wieder führen sich zwar manche Behördianer wie Provinzfürsten auf, aber im Großen und Ganzen ist das kein Ansinnen des heutigen Naturschutzes. Die Arten sind dort, wo die Menschen sind und diese haben ein Anrecht darauf, Natur zur erleben. Außerdem profitiert auch die Biodiversität von einer verträglichen Kombination aus Natur und Tourismus.

Internationaler Tag der Biodiversität 2017

Die Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen e.V. kommt in ihrer neuesten Umfrage zu erstaunlichen Zahlen. Demnach suchen immer mehr Deutsche bei der Wahl des Urlaubsortes gezielt nach Naturerlebnisangeboten. Für knapp 55% der Deutschen ist dies ein ausschlaggebendes Kriteritum. Diese Reiselust kann man sich durchaus zu Nutze machen. Beispielsweise dann, wenn Erlöse daraus in Schutzmaßnahmen des Gebiets fließen. Aber auch die Sensibilisierung sowie die Wertschätzung der Leute für den jeweiligen Naturraum kann gesteigert werden. Und Wertschätzung braucht die Natur immer noch jede Menge. Einen großen Verdienst dahingehend hat die App „Beach Explorer„. Mit Hilfe dieser kostenlosen App der Schutzstation Wattenmeer e. V. können Gäste, Anwohner, Schutzgebietsbetreuer sowie Schulklassen an der Nordsee ihre Strandfunde (Tiere, Pflanzen, Steine, Gegenstände) per Smartphone fotografieren, auf ein Portal hochladen und identifizieren. User erfahren, ob sie eine Entdeckung gemacht haben und tragen so zur wachsenden Datenbank bei. Ende 2016 hatten rund 900 Personen 15.000 Funde gemeldet – fünf Arten konnten sogar in Deutschland erstmals nachgewiesen werden. Ein PokémonGO! mit Sinn wen man so möchte.  (Quelle: BMUB).

 

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