Naturgebloggt

Naturschutz – weil's wichtig ist

Kategorie: Bücherkiste (Seite 1 von 2)

[Buchtipp] Saatgut – Wer die Saat hat, hat das Sagen

wp_20161015_12_48_43_proIn der aktuellen Landwirtschaft läuft so Einiges schief und nicht immer ist der Verbraucher daran schuld. Ein Problem der industriellen Landwirtschaft ist ihre Wirtschftsweise. Aus begrenzter Fläche wird immer mehr Ertrag herausgeholt, mitunter unter Einsatz von immensen Düngermengen. Pflanzenarten werden konsequent auf Leistung und Optik getrimmt. Was nicht den Vorgaben entspricht oder dem Verbraucher nicht gefallen könnte kommt weg. Als größter Flächeneigentümer hätte die moderne Landwirtschaft eigentlich alle Hebel in der Hand um dem gegenwärtigen Trend der sinkenden Artenvielfalt entgegen zu treten. Leider tut sie dies nur bedingt. Anstatt die Vielfalt der einstigen Feldfrüchte zu nutzen, konzentrieren sich die Bauern dieser Tage auf wenige, erprobte Sorten. Dies gipfelt in dem Irrsinn, dass von 250.000 weltweit bekannten Pflanzenarten nur 7000 als Kulturpflanzen angebaut werden. Davon decken 30 Pflanzen rund 95 % der Nahrunsgenergie ab und von diesen 30 Arten liefern 3 (!) Pflanzenarten 60 % der Nahrungsenergie. Die Folge davon sind Verarmung der Vielfalt und ein Anstieg des Pestizideiinsatzes.  In ihrem aktuellen Buch „Saatgut“ beschreibt Anja Banzhaf die Probleme der heutigen industriellen Landwirtschaft.

Sie geht auf den Wandel des kleinbäuerlichen Wirtschaftens hin zu den großen Saatgutkonzernen wie Monsanto Bayer und Co. ein. Illustriert wird das Buch von zahlreichen Pflanzenbildern die bspw. lila Mais oder knallrote Kartoffeln zeigen. Alles Sorten die aus unserem Alltag verschwunden sind. Warum? Passten einfach nicht ins Bild der Werbung. Wer sich schon immer mal mit der Nahrungserzeugung unserer Tage befassen wollte, der bekommt hier allerhand Fakten präsentiert, die hoffentlich zum Nach- und Überdenken anregen. Ebenfalls bemerkenswert ist das Schaubild der Zusammenhänge der einzelnen Saatgutkonzerne. Zu finden unter diesem Link. Lasst es mal auf euch wirken. Einzig der etwas andere Schreibstil brauchte seine Zeit bis er mich überzeugen konnte. Man merkt in jeden zweiten Satz, dass hier eine weibliche Hand die Feder geschwungen hat. Aus Gesprächen mit Studenten weiß ich, dass dies nicht jeder zu schätzen wusste. Lasst euch aber davon bitte nicht abhalten. Das Buch hat es verdient gelesen zu werden.

wp_20161015_12_48_43_pro

[Buchtipp] Der Regenwurm ist immer der Gärtner

Den halben September lang hatte ich kein Internet und fand so einmal wieder Zeit zum Lesen. Schon nach wenigen Zeilen vermisste ich weder W-LAN und Co. Das Buch welches ich heute empfehlen möchte fand ich im hiesigen Buchladen. Schon erstaunlich welche Perlen abseits des Mainstreams zu finden sind.

In „Der Wurm ist immer der Gärtner“ geht es, natürlich, um den Regenwurm bzw. um Würmer schlechthin. Ihre Rolle im Ökosystem ist weitestgehend unbekannt und findet nahezu unbemerkt von der Öffentlichkeit statt. Genau diesen Umstand möchte das Buch aufgreifen und ändern. Geschrieben aus der Sicht einer nordamerikanischen Gärtnerin werden Fakten in einer ansprechenden Art und Weise präsentiert, dass es an keiner Stelle langweilig wird oder überfordert.

Das Würmer im Boden eine wichtige Rolle spielen war mir schon bewusst, allerdings war mir das Ausmaß ihres Schaffens nicht in dem Maße bewusst, wie es in dem Buch beschrieben wird oder wusstet ihr, dass die Wurmpopulation eines Gemüsebeets mit der von Kalifornien mithalten kann oder Würmer zur Bekämpfung von Pflanzenkrankheiten genutzt werden? Das Buch richtet sich ganz klar an die Populärwissenschaft und und lässt sich daher gut ohne Vorkenntnisse lesen.

Würmer sind in unserer Welt weitaus mehr als nur Vogelfutter. Sie reichern den Boden mit Sauerstoff an und lockern den Erdboden auf. Aber sie zersetzen auch organische Materie in dem sie diese durch ihren Darmbereich schicken und somit den Boden mit Nährstoffen anreichern. Das und etwas mehr haben wir sicherlich schon in der Schule gehört. Auch wissen wir eigentlich um ihre Bedeutung, dennoch steht die Wissenschaft (Oligochaetologie) noch am Anfang. Im Buch werden nur eine handvoll Forscher erwähnt. Einer davon startet zur Zeit seine neunte Karriere und forscht ausschließlich in seiner Freizeit. Wer sich also einen Namen in der Wissenschaft machen möchte, der hat hier ein nahezu unbestelltes Feld vor sich.

Bei alldem Lob muss ich aber auch Kritik loswerden. Einer wissenschaftlichen Betrachtung hält das Buch leider nicht stand. Thesen und Aussagen werden getroffen ohne eine entsprechende Quelle zu zitieren. Oder ich habe sie nicht im Buch gefunden. Diese Tatsache wird durch ein umfangreiches Literaturverzeichnis im Anhang gemildert. Wer sich für die Thematik interessiert, der kann bedenkenlos zugreifen.

Anmerkung: Dies ist ein objektiver und unentgeldlicher Meinungsbericht. Er steht in keiner Verbindung zum erwähnten Autor oder dem publizierendem Verlag. Ich bekomme dafür weder Geld- noch Sachleistungen oder Vergütungen in irgendeiner anderen Form. 

[Buchtipp] „Und sie fliegt doch“

Mit diesem Beitrag möchte ich euch ein weiteres Buch ans Herz bzw. in das virtuelle Bücherregal des Blogs stellen. „Und sie fliegt doch – eine kurze Geschichte der Hummel“ stammt aus der Feder von Dave Goulson und es könnte keinen besseren Schreiber dafür geben. Wie der Buchtitel schon verrät, handelt es sich um ein Buch über Hummeln. Nicht von ungefähr kommt der wissenschaftliche Gattungsname Bombus. Verglichen mit bspw. Bienen sind es schon ziemliche Schwergewichte der Lüfte.

Dave Goulson ist seines Zeichens Biologe mit Schwerpunkt auf Hummelforschung. Man merkt ihm seinen Spaß und Fachwissen an jedem Satz an. Er hat eine lockere und amüsante Schreibe bei der auch an sich komplexe Sachverhalte verständlich erklärt werden. Auch auf den ersten Blick kann das Werk in seiner Printfassung überzeugen. Auf dem Einband prangen 12 Hummelarten. Nicht schnöde gedruckt, sondern geprägt. So haben auch die Finger ihre Freude an der Haptik.

Nun aber zum Inhalt. Es ist kein Buch für Experten. Vielmehr richtet es sich an den interessierten Laien und führt behutsam und eingängig an das Thema heran. Zu Beginn wird beschrieben was eine Hummel überhaupt ist, wie sie sich im Laufe der Evolution entwickelt hat und wie sie überhaupt ihr Jahr verbringt. Natürlich kommen auch die negativen Entwicklungen nicht zu kurz. Auf besorgniserregende Trends wird genauso hingewiesen wie auf positive Entwicklungen. Persönlich konnte ich eine Menge Sachen dazulernen und neue Denkweisen und -anstöße durch den Kopf gehen lassen. Erschienen ist das Buch in seiner Originalausgabe im Jahr 2015. So bekommt der Leser einen recht aktuellen Einblick in den Stand der Forschung. Erschienen ist das ca. 320 Seiten umfassende Buch im Ullstein Taschenbuchverlag und wird als gebundene Ausgabe, als Taschenbuch oder EBook geliefert. Taschenbuch und EBook bekommt ihr für 9,99 €, Hardcover gibt es für 19,99 € und kann hier bestellt werden. Solltet ihr auf der Suche nach einer angenehm zu lesenden Sommerlektüre sein, die sogar Praxistipps bereithält, dann könnt ihr hier bedenkenlos zuschlagen.

Das Buch „Und sie fliegt doch – eine kurze Geschichte der Hummel“ bestellen.

Seite 1 von 2

Läuft mit WordPress & Theme erstellt von Anders Norén