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Naturschutz – weil's wichtig ist

Kategorie: Bücherkiste (Seite 2 von 3)

[Buchtipp] Der Regenwurm ist immer der Gärtner

Den halben September lang hatte ich kein Internet und fand so einmal wieder Zeit zum Lesen. Schon nach wenigen Zeilen vermisste ich weder W-LAN und Co. Das Buch welches ich heute empfehlen möchte fand ich im hiesigen Buchladen. Schon erstaunlich welche Perlen abseits des Mainstreams zu finden sind.

In „Der Wurm ist immer der Gärtner“ geht es, natürlich, um den Regenwurm bzw. um Würmer schlechthin. Ihre Rolle im Ökosystem ist weitestgehend unbekannt und findet nahezu unbemerkt von der Öffentlichkeit statt. Genau diesen Umstand möchte das Buch aufgreifen und ändern. Geschrieben aus der Sicht einer nordamerikanischen Gärtnerin werden Fakten in einer ansprechenden Art und Weise präsentiert, dass es an keiner Stelle langweilig wird oder überfordert.

Das Würmer im Boden eine wichtige Rolle spielen war mir schon bewusst, allerdings war mir das Ausmaß ihres Schaffens nicht in dem Maße bewusst, wie es in dem Buch beschrieben wird oder wusstet ihr, dass die Wurmpopulation eines Gemüsebeets mit der von Kalifornien mithalten kann oder Würmer zur Bekämpfung von Pflanzenkrankheiten genutzt werden? Das Buch richtet sich ganz klar an die Populärwissenschaft und und lässt sich daher gut ohne Vorkenntnisse lesen.

Würmer sind in unserer Welt weitaus mehr als nur Vogelfutter. Sie reichern den Boden mit Sauerstoff an und lockern den Erdboden auf. Aber sie zersetzen auch organische Materie in dem sie diese durch ihren Darmbereich schicken und somit den Boden mit Nährstoffen anreichern. Das und etwas mehr haben wir sicherlich schon in der Schule gehört. Auch wissen wir eigentlich um ihre Bedeutung, dennoch steht die Wissenschaft (Oligochaetologie) noch am Anfang. Im Buch werden nur eine handvoll Forscher erwähnt. Einer davon startet zur Zeit seine neunte Karriere und forscht ausschließlich in seiner Freizeit. Wer sich also einen Namen in der Wissenschaft machen möchte, der hat hier ein nahezu unbestelltes Feld vor sich.

Bei alldem Lob muss ich aber auch Kritik loswerden. Einer wissenschaftlichen Betrachtung hält das Buch leider nicht stand. Thesen und Aussagen werden getroffen ohne eine entsprechende Quelle zu zitieren. Oder ich habe sie nicht im Buch gefunden. Diese Tatsache wird durch ein umfangreiches Literaturverzeichnis im Anhang gemildert. Wer sich für die Thematik interessiert, der kann bedenkenlos zugreifen.

Anmerkung: Dies ist ein objektiver und unentgeldlicher Meinungsbericht. Er steht in keiner Verbindung zum erwähnten Autor oder dem publizierendem Verlag. Ich bekomme dafür weder Geld- noch Sachleistungen oder Vergütungen in irgendeiner anderen Form. 

[Buchtipp] „Und sie fliegt doch“

Mit diesem Beitrag möchte ich euch ein weiteres Buch ans Herz bzw. in das virtuelle Bücherregal des Blogs stellen. „Und sie fliegt doch – eine kurze Geschichte der Hummel“ stammt aus der Feder von Dave Goulson und es könnte keinen besseren Schreiber dafür geben. Wie der Buchtitel schon verrät, handelt es sich um ein Buch über Hummeln. Nicht von ungefähr kommt der wissenschaftliche Gattungsname Bombus. Verglichen mit bspw. Bienen sind es schon ziemliche Schwergewichte der Lüfte.

Dave Goulson ist seines Zeichens Biologe mit Schwerpunkt auf Hummelforschung. Man merkt ihm seinen Spaß und Fachwissen an jedem Satz an. Er hat eine lockere und amüsante Schreibe bei der auch an sich komplexe Sachverhalte verständlich erklärt werden. Auch auf den ersten Blick kann das Werk in seiner Printfassung überzeugen. Auf dem Einband prangen 12 Hummelarten. Nicht schnöde gedruckt, sondern geprägt. So haben auch die Finger ihre Freude an der Haptik.

Nun aber zum Inhalt. Es ist kein Buch für Experten. Vielmehr richtet es sich an den interessierten Laien und führt behutsam und eingängig an das Thema heran. Zu Beginn wird beschrieben was eine Hummel überhaupt ist, wie sie sich im Laufe der Evolution entwickelt hat und wie sie überhaupt ihr Jahr verbringt. Natürlich kommen auch die negativen Entwicklungen nicht zu kurz. Auf besorgniserregende Trends wird genauso hingewiesen wie auf positive Entwicklungen. Persönlich konnte ich eine Menge Sachen dazulernen und neue Denkweisen und -anstöße durch den Kopf gehen lassen. Erschienen ist das Buch in seiner Originalausgabe im Jahr 2015. So bekommt der Leser einen recht aktuellen Einblick in den Stand der Forschung. Erschienen ist das ca. 320 Seiten umfassende Buch im Ullstein Taschenbuchverlag und wird als gebundene Ausgabe, als Taschenbuch oder EBook geliefert. Taschenbuch und EBook bekommt ihr für 9,99 €, Hardcover gibt es für 19,99 € und kann hier bestellt werden. Solltet ihr auf der Suche nach einer angenehm zu lesenden Sommerlektüre sein, die sogar Praxistipps bereithält, dann könnt ihr hier bedenkenlos zuschlagen.

Das Buch „Und sie fliegt doch – eine kurze Geschichte der Hummel“ bestellen.

[Buchtipp] Feders fantastische Stadtpflanzen

IMG_20160622_184302Es ist mal wieder an der Zeit diese Rubrik hier zu befüllen und euch ein Buch zu empfehlen, welches für die Leser dieses Blogs sicherlich interessant sein dürfte. Das zweite Buch aus der Feder von Jürgen Feder versüßte mir die letzten Abende. Meine Rezension zu seinem Erstlingswerk findet ihr an dieser Stelle. Sieht und vergleicht man Titel, Aufmachung und Aufbau der beiden Bücher, so beschleicht einen der Gedanke „Mehr vom Gleichen“. Das ist in gewisser Weise auch so, allerdings ist es doch anders. Wurden im Vorgänger noch „wildlebende“ Pflanzen aus eher ländlichen und naturnahen Gebieten und Lebensräumen vorgestellt, so liegt im aktuellen Buch der Fokus ganz klar auf Stadtpflanzen. Und da kommen wir zum ersten kleinen Kritikpunkt. Jürgen Feder (wer kennt ihn nicht?) hat sich dafür zehn deutsche Städte vorgeknöpft und so um die zehn Arten pro Stadt vorgestellt. Leider sind mit Dresden und Leipzig nur zwei ostdeutsche Städte vertreten aber das sei durch die Tatsache entschuldigt, dass der Autor im Raum Bremen lebt. Von da aus ist der Osten doch ein Stückchen entfernt.

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An seinem Schreibstil hat sich im Vergleich zum Vorgänger nichts oder nur sehr wenig geändert. Das finde ich klasse. So schreibt er wie ihm der Schnabel gewachsen ist und nimmt kein Blatt vor den Mund. Einzig die Übergänge und Sprünge zu und zwischen den einzelnen Arten sind stellenweise etwas holprig und abrupt. Muss man mögen. Nach all dem Gemecker nun aber zum größten Pluspunkt des Buches. Wie auch der erste Band ist auch dieser für die Zielgruppe, welche hauptsächlich aus interessierten Neu-Botanikern besteht, gerichtet. Durch seine Art durchbricht Feder sehr oft die vierte Wand und spricht den Leser direkt an und sichert sich durch Fragen und Anekdoten dessen Aufmerksamkeit. Dank seiner plastischen Schilderungen kann man sich den guten Jürgen regelrecht vorstellen, wie er im strömenden Regen seinen Fotoapparat sucht oder ihn beinahe im Fluss versenkt hätte. Auch ist das Konzept hinter den Pflanzenvorstellungen sehr gelungen. Diese werden dem Leser via Stadtrundgang näher gebracht. Die „Reiseroute“ ist anschaulich beschrieben und zumindest in Leipzig, Dresden und Berlin konnte ich ihm folgen. Mit knapp 250 Seiten ist das aktuelle Buch zwar merklich dünner als sein Vorgänger aber wer Angst hat, dass die Pflanzen zu kurz kommen, der darf beruhigt sein. Mehr als 200 Arten haben hier Platz gefunden und können dank Bebilderung auch im Gelände angesprochen werden. Für mich ist das hier eine klare Empfehlung.

Anmerkung: Dies ist ein objektiver und unentgeldlicher Meinungsbericht. Er steht in keiner Verbindung zum erwähnten Autor oder dem publizierendem Verlag. Ich bekomme dafür weder Geld- noch Sachleistungen oder Vergütungen in irgendeiner anderen Form. Weiter ist mit Herr Feder persönlich noch nicht begenet und stand auch während der Vorbereitung zu diesem Artikel nicht mit mir in Kontakt.

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