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Naturschutz – weil's wichtig ist

Kategorie: Naturschutz (Seite 1 von 81)

Wildnis in Deutschland richtig meistern

Die Bezeichnung Wildnis hat sich im modernen Naturschutz zu einem Schlagwort sondergleichen gemausert. Was vor ein paar Jahren noch die „Biodiversität“ war, ist nun die Wildnis. Gerne denkt man bei dem Wort an die teilweise naturnahen und unberührten Weiten Kanadas oder der USA. Schnell werden romantische Gedanken und Bilder von Lagerfeuern in den Köpfen lebendig. Doch leider vergleicht man dabei Äpfel und Birnen. Die Wildnis in Deutschland stellt uns vor immense Probleme. Damit dies nicht so bleibt, haben 18 Naturschutzorganisationen einen Wegweiser zu mehr Wildnis in Deutschland erarbeitet.

Wildnis in Deutschland – Herausforderung und Chance

Im Rahmen der „Nationalen Strategie zur Biologischen Vielfalt“ wird die Wildnis an mehreren Stellen als Ziel genannt. Hauptanliegen sind die mindestens 2% der Landesfläche, auf denen bis 2020 sogenannte Wildnisgebiete enstehen sollen. An sich ist dies kein schlechter Gedanke, denn ein zentrales Problemfeld aus Naturschutzsicht ist, dass natürliche dynamische Prozesse besonders seit dem Beginn der Industrialisierung und mit einem ganz besonderen Schub seit den 1950er Jahren des letzten Jahrhunderts in Mitteleuropa systematisch aus der Landschaft verdrängt worden sind. Nur darf man sich keine falschen Hoffnungen auf ein hiesiges Kanada machen. Dafür ist Deutschland viel zu dicht besiedelt und der zu erwartende Aufschrei kündigt sich schon an. Um eben diesen zu leise wie möglich zu halten, verrichtet die Initiative  „Wildnis in Deutschland“ ihr Werk. Diese besteht aus 18 Umweltstiftungen und Verbänden. Obendrein wird sie von zahlreichen Experten sowie dem Bundesumweltministerium unterstützt.

Wildnis dient in erster Linie der Natur. Auf diesen Flächen können sich dynamische Prozesse einstellen und entfalten. Wenn die nachfolgenden Generationen noch eine einigermaßen intakte Natur erleben wollen, sollten wir diese Chance beim Schopfe packen und nutzen. Der nun erschienen „Wegweiser Wildnis“ ist ein erster Schritt in die richtige Richtung, zeigt er doch Lösungen für diverse Fragestellungen auf und gibt eine Übersicht über das was dahingehend noch vor uns liegt.

Neues Bundesnaturschutzgesetz rettet keine Artenvielfalt

Das Bundesnaturschutzgesetz ist an sich eine feine Sache, legt es doch den Grundstein für den modernen und durchaus wirkungsvollen Naturschutz in Deutschland. Nachdem viele Male die Arbeiten an einem Umweltgesetzbuch angefangen und aufgegeben wurden, liegt die ganze Hoffnung der grünen Branche in ebendiesem BNatSchG. Leider war das Gesetz in den letzten Jahren nicht mehr zeitgemäß und zeigte an vielen Stellen akuten Bedarf zur Nachbesserung. Diese ist nun erfolgt. Der erhoffte  Retter der Biodiversität ist es aber nicht geworden.

Bundesnaturschutzgesetz novelliert – aber nicht konsequent genug

Letzten Donnerstag, den 22. Juni, konnte sich der Bundestag endlich auf eine Novellierung des Bundesnaturschutzgesetzes einigen und führte damit eine peinlich lange Hängepartie zu ihrem Abschluss. Bereist zu Weihnachten 2016 legte das Bundesumweltministerium einen ersten Vorschlag des neuen Gesetzes vor. Umweltverbände wie der NABU hatten sich damals bereits beschwert, dass der Text in seiner damaligen Form den Naturschutz eher schwächen als stärken würde. In der zweiten Fassung aus dem Februar 2017 konnten ein paar der ursprünglichen Fehler  ausgebessert werden aber es bleiben noch genug andere Schwachstellen enthalten. Ich möchte diese im Detail an dieser Stelle nicht wiedergeben, das haben die Kollegen des NABU bereits auf ihrer Seite getan. Vielmehr möchte ich den Umstand anprangern, dass die „gute fachliche Praxis“ der Landwirtschaft  enthalten bleibt. Diese paar Zeilen geben der Landwirtschaft nahezu alle Rechte die Artenvielfalt der Äcker nach Gutdünken zu vernichten. Besonders die “ laut Hersteller empfohlene“ Art der Nutzung von Pflanzenschutzmittel ist ein Frevel für die Biodiversität und alle die sich mit deren Erhalt beschäftigen. Die „Landwirtschaftsklausel“, wie sie auch genannt wird, ist für den heutigen Naturschutz untragbar und zeigt einmal mehr, dass die Bauernzunft den Naturschutz an der kurzen Leine führt.

EU-Agrarpolitik am Pranger

Silhouette. Getreide. Ähre, Weizen, LandwirtschaftDas mit der intensiven Landwirtschaft sowie der EU-Agrarpolitik etwas nicht stimmt ist kein Geheimnis. Streift man durch die Flur, so wird einem die überall vorherrschende Monotonie auf den Äckern bewusst. Wenn man Gespür dafür hat, bemerkt man obendrein das Fehlen der einstmals charakteristischen Flora und Fauna. Genau diesen Zustand greift der aktuelle Agrar-Report des Bundesamtes für Naturschutz auf und bescheinigt der EU-Agrarpolitik ein Versagen auf ganzer Linie.

Schlechtes Zeugnis für EU-Agrar-Politik

Der aktuelle Agar-Report des BfN zeigt deutlich, wo es Nachholbedarf in der modernen Landwirtschaft gibt.  Die Artenvielfalt in der Agrarlandschaft befindet sich im rasanten Sinkflug. Pestizid-Einsatz und monotone Kulturen sorgen dafür, dass Insekten weniger werden, Vögeln Nahrung und Lebensraum fehlt. Oder wann habt ihr das letzte Mal Feldlerchen singen hören?

Aber damit nicht genug, zudem sind viele arten- und blütenreiche Grünland-Lebensräume bedroht. Diese wertvollen Biotope fallen scharenweise den Pflügen zum Opfer. Dem Bauer ist es letztlich egal, ob er Biodiversität zu Gunsten von Raps, Mais oder Soja vernichtet. Hauptsache es klingelt im Geldbeutel. Die Folge sind übernutzte, ausgelaugte Flächen und ein viel zu hoher Eintrag von Stickstoff ins Ökosystem Acker. So hat auch der Anteil der Ackerkräuter massiv abgenommen. Besonders im Inneren der Felder liegt der Rückgang bei bis zu 99 Prozent. Schaut man sich die Felder dieser Zeit an, brüllt einen die gähnende Leere nahezu an. Es fehlen typische Ackerarten wie Kornblume, Feld-Rittersporn oder leuchtend roter Mohn.

EU-Agrarpolitik steuert in die völlig falsche Richtung

Der aktuelle Zustandsbericht legt den Finger auf den wunden Punkt und benennt benennt als Ursache des desaströsen Zustandes der Artenvielfalt in der Agrarlandschaft die immensen Fehlsteuerungen der EU-Förderpolitik.

Der NABU findet auf seiner Seite dazu drastische Worte:

„Das mit der letzten Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) auf EU-Ebene eingeführte Greening hat versagt. Es war der Versuch, auch die Ausgaben der ersten Säule für die landwirtschaftliche Produktion an ökologische Mindeststandards zu koppeln. Laut Report wurde lediglich erreicht, dass sich der Anteil an für den Naturschutz wertvollen Flächen um nur ein Prozent der Ackerfläche erhöht hat. Demgegenüber stehen immense Ausgaben von 1,5 Milliarden Euro alleine in Deutschland pro Jahr für dieses so genannte Greening.“

Ebenso mahnt der Report die Finanzierungslücke für den Naturschutz in Agrarlandschaften an. Die derzeitigen Fördermöglichkeiten und Finanzmittel reichen nicht einmal ansatzweise für effektiven Flächenschutz aus. Dies ist aber dringend notwendig, um eine Trendwende einzuleiten. Trotz des dramatischen Zustandes der biologischen Vielfalt in der Agrarlandschaft, sowie das durch die intensive Tierhaltung beförderte massive Gülle-Problem mit schädlichen Folgen für Grundwasser und Böden fließen weiterhin EU-weit jedes Jahr 60 Milliarden Euro an Agrarzahlungen an die Landwirte. Die pauschalen Zahlungen haben die Probleme für die Natur nur verschärft.

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