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Naturschutz – weil's wichtig ist

Kategorie: Naturschutz (Seite 2 von 81)

Naturschutz kennenlernen und hautnah erleben

Naturschutz ist wichtig, fliegt aber aktuell noch etwas unter dem Radar der meisten Bürger. Viele wissen gar nicht so recht, was wir im Berufsnaturschutz machen oder haben ein falsches Bild unserer Arbeit. Manche denken, dass wir hauptsächlich Schlauchboot fahren, uns an Bäume oder Gleise ketten. In den wenigsten Fällen trifft so etwas zu. Nun haben alle Interessierte Gelegenheit, den modernen Naturschutz hautnah zu erleben. Der Tag des Nationalen Naturerbes macht es möglich.

Dem Naturschutz über die Schulter schauen

Unter dem Motto „Naturschätze erleben“ haben Bürgerinnen und Bürger am 10. und 11. Juni die Chance, in einer großen bundesweiten Gemeinschaftsaktion das Nationale Naturerbe zu erleben. An 29 Standorten quer durch Deutschland öffnen Träger von Naturerbeflächen ihre Tore und laden zum Besuchen ein. Der Tag des Nationalen Naturerbes soll neugierig machen auf eine faszinierende Tier- und Pflanzenwelt und einzigartige Landschaften des Nationalen Naturerbes.

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks findet dafür folgende Worte:
„Das Nationale Naturerbe war und ist eine herausragende Initiative des Bundes. Nach nunmehr drei Legislaturperioden blicken wir auf eine unglaubliche Erfolgsgeschichte für die Natur zurück. Allein die Größe vieler Naturerbeflächen ist in unserem dicht besiedelten Land von unschätzbarem Wert für Natur und Landschaft. Wir bewahren damit nachfolgenden Generationen einzigartige Lebensräume und ein Stück Naturschutzgeschichte.“

Flächen für den Naturschutz

Im Rahmen des Nationalen Naturerbes verzichtet der Bund auf den Verkauf von naturschutzfachlich wertvollen Bundesflächen und überträgt sie in die Hände des Naturschutzes, um Wildnis und schutzwürdige Offenland-Lebensräume zu sichern.

Mittlerweile sind die  „Nationale Naturerbe“-Flächen auf 156.000 Hektar angewachsen. Die Flächen werden von den Ländern, der Deutschen Bundesstiftung Umwelt, den Naturschutzverbänden und -stiftungen sowie dem Bundesforst im Zusammenwirken mit dem Bundesamt für Naturschutz auf höchstem naturschutzfachlichem Niveau betreut.

Rote Liste der gefährdeten Biotoptypen Deutschlands erschienen

International befindet sich die Artenvielfalt in einem starken Abwärtstrend. Der Mensch greift mit seinem Handeln drastisch in die Natur ein und zerstört mehr oder weniger unbewusst täglich mehrere Leben. Um sich davon ein Bild zu machen, hat man mit der Führung von Roten Listen begonnen. Diese gibt es nicht nur für Pflanzen und Tiere, sondern auch für gefährdete Biotoptypen. Dafür ist nun aktuell eine aktuelle Version erschienen.

Rote Liste zeigt gemischtes Bild vom Zustand der deutschen Natur

Die neue Rote Liste gefährdeter Biotoptypen zeigt ein durchwachsenes Bild vom Zustand der Natur in Deutschland: Für knapp zwei Drittel der 863 in Deutschland vorkommenden Biotoptypen besteht demnach eine angespannte Gefährdungslage. Besonders dramatisch ist die Entwicklung beim Offenland, vor allem den Wiesen und Weiden. Positive Entwicklungen gab es dagegen bei Küsten-Biotopen sowie an vielen Flüssen und Bächen. Zu den größten Gefährdern der Biotoptypen zählt nach wie vor die intensiv betriebene Landwirtschaft. Die Rote Liste wurde heute vom Bundesumweltministerium und dem Bundesamt für Naturschutz vorgestellt.

An dieser Stelle der Hinweis, die Roten Listen gewähren keinen Schutzstatus. Sie weisen lediglich auf einen bestimmten Grad der Gefährdung hin. Nur selten werden Arten oder Lebensräume aus den Roten Listen gestrichen, für gewöhnlich kommen immer neue hinzu.

Aktuelle Entwicklungstendenzen der Grünlandbiotope 2006 und 2017 – Überblick über die Gesamtheit der Grünland-Biotoptypen, zugeordnet zu den aktuellen Entwicklungstendenzen (QUelle: BfN).

Die Problematik des Artensterbens ist nicht neu. Die amtierende  Bundesumweltministerin Barbara Hendricks findet dazu folgende Worte:
„Diese Rote Liste ist ein Alarmsignal. Der Zustand von Wiesen und Weiden wird immer schlechter. Das liegt vor allem an der Intensivierung der Landwirtschaft. Die Rote Liste zeigt aber auch, dass sich die Anstrengungen für Natur und Umwelt lohnen. Mit besseren Kläranlagen und Renaturierungsprojekten haben wir es zum Beispiel geschafft, dass es vielen Flüssen und Bächen wieder besser geht. Wir dürfen beim Naturschutz nicht nachlassen. Mit der Naturschutz-Offensive 2020 haben wir schon viel erreicht. Jetzt kommt es darauf an, dass auch die Agrarpolitik endlich ihre Verantwortung für den Naturschutz wahrnimmt.“

Schaut man sich aber den aktuellenZustand bzw. die Bemühungen um den Naturschutz der einzelnen Länder an, so kommen einem die Tränen. Gerade Sachsen-Anhalt glänzt hier mit deutlichem Desintresse und grandioser Planlosigkeit. Dabei ist höchste Eile geboten. Nach wie vor sind knapp zwei Drittel der in Deutschland vorkommenden Biotope gefährdet – wenn auch in unterschiedlichem Maße. Besonders dramatisch ist die Situation beim Grünland. Hier hat sich die Situation seit der letzten Fassung der Roten Liste von 2006 noch einmal deutlich verschlechtert. Aber auch bei vielen anderen Biotoptypen der Kulturlandschaft, wie etwa Streuobstwiesen, hat sich die Lage verschlechtert.

Eine gekürzte Fassung der aktuellen Roten Liste der gefährdeten Biotoptypen Deutschlands habe ich euch hier im Beitrag eingebunden, die ungekürzte (kostenpflichtige) Variante findet ihr hier verlinkt.

„BienABest“ – Projekt zum Schutz von Wildbienen

Der aktuelle Bestandstrend von Bienen und anderen Pflanzenbestäubern ist in diesen Zeiten nicht besonders positiv. Die intensive Landwirtschaft und eine von der Natur entkoppelte Vorstellung von Gärten haben Bienen und CO arg zugesetzt. Mehr als die Hälfte der in Deutschland 561 vorkommenden Wildbienenarten stehen bereits auf der entsprechenden Roten Liste und sind damit in ihrem Bestand gefährdet. Ein vom BfN angestoßenes Projekt mit dem Namen „BienABest“ soll sich dieser Problematik annehmen und den Bienen wieder zu etwas Aufschwung verhelfen.

Bienen schützen  mit „BienABest“

Die amtierende Umweltministerin Hendricks findet dazu deutliche Worte:
„Unser Umgang mit der Natur hat massive Auswirkungen auf die Wildbienen: Es wird viel zu viel gemäht, gedüngt und gespritzt, ganze Lebensräume verschwinden. Mit dem Blütenangebot nimmt auch die Nahrungsgrundlage für die kleinen Natur-Dienstleister ab. Wir brauchen darum dringend Projekte wie dieses, die den Wildbienen neuen Lebensraum geben. Denn Natur und Menschen sind dringend auf die Bestäuber angewiesen.“

Diese Mahnung kann nicht oft genug ausgesprochen werden. Wildbienen haben wichtige Funktionen in den Ökosystemen inne. Bspw. übernehmen sie die Bestäubung von Wild- und Kulturpflanzen und sichern damit nicht nur unsere Nahrung. Auf ihren Leistungen fußen ganze Nahrungsketten. Ihre Arbeit bildet einen ganz erheblichen Teil im Bereich der Ökosystemdienstleistungen. Dieses geflügelte Wort schickt sich gerade an, dass neue Schlagwort im modernen Naturschutz zu werden und den Tag „Biodiversität“ zu überholen.

Eine Biene sammelt den Pollen einer Sonnenblume.

„BienABest“ für die Zukunft der Bienen

Der Projektname „BienABest“ steht deshalb für „Standardisierte Erfassung von Wildbienen zur Evaluierung des Bestäuberpotenzials in der Agrarlandschaft“. Ein Kernstück von BienABest ist die Entwicklung eines Bestimmungsschlüssels. Dieser ermöglicht die Artbestimmung der Mehrzahl der Wildbienenarten direkt im Gelände. Das Besondere: Die Wildbienen können lebend bestimmt und anschließend wieder freigelassen werden. So sollen in Zukunft Aussagen über die Bestandsentwicklung getroffen werden können, ohne durch Entnahme in die Populationen einzugreifen.

Das Projekt wird auch Sachverständige ausbilden, die entlang der zu entwickelnden Methoden und Standards beraten und prüfen können. Die Ergebnisse dienen dann als wichtige Grundlage für den Schutz der Wildbienen. Betreut wird das Vorhaben vom Verein Deutscher Ingenieure und der Universität zu Ulm.

Handelt es sich dabei nur um „ein weiteres“ Projekt zu Bienenschutz handelt, oder gelingt damit die Kehrtwende? Das bleibt abzuwarten (Quelle: BMUB).

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