Naturgebloggt

Naturschutz – weil's wichtig ist

Kategorie: The Greenman says (Seite 2 von 60)

Hitzschlag bei Fledermäusen

Die zurückliegenden Tage waren für uns alle nicht einfach. Der Wechsel von warm und heiß hin zu regnerisch und kühl haute so manchen Kempen aus den Socken und lies uns in die Kühle flüchten. Uns Zweibeinern geht es aber nicht alleine so. In unzähligen Flyern, Aufrufen und Infosendungen sehen wir Hunde und Kleinkinder die im Auto zurückgelassen oder vergessen wurden. Nebenbei gesagt, ist das eine riesen Sauerei. Logischerweise sind bei solchen Temperaturen Dachwohnungen effektiver als der Schicksalsberg und jede finnische Sauna. Und damit kommen wir zum Problem. Mit den heißen Tagen kommt auch die Leidenszeit für Fledermäuse. Viele meiner Kollegen sind dieser Tage auf Achse und suchen die bekannten Wohnquartiere auf um den Schaden in Grenzen zu halten. Fledermäuse finden in der freien Natur leider immer weniger natürliche Höhlen und ziehen sich daher in Dachgeschosse von Wohnhäusern zurück. Wenn sich dann dort die Hitze staut, kann es schon mal zu viel für die kleinen Tierchen werden. Entweder fallen sie von der Decke oder, was für viele Bewohner sicherlich schlimmer ist, sie verkriechen sich in die Wohnungen unterhalb. Ich selbst habe in Chemnitz regelmäßigen Kontakt mit ein paar Kirchen bzw. deren Vorstehern und schaue auch hin und wieder mal vorbei. Als die Temperaturen vor zwei Wochen so besonders nach oben schossen, konnten wir unter einem Kirchendach 45 Grad feststellen. Das ist mal eine Ansage. Rudolf Leitl, vom bayerischen NABU und Partner des LBV, hat ein paar Tipps für eine eventuelle Begegnung mit entkräfteten Tieren. So sollen diese in kühlere und vor allem katzensichere Bereiche gebracht werden. Tropft man ihnen dann per Pipette oder Löffel etwas Wasser in den Mund wird dies bereitwillig angenommen und man sieht förmlich den kleinen Körper erstarken. Aber es gilt auch etwas zu beachten: Fledermäuse bitte nur mit behandschuhten Händen anfassen und daran denken, dass verängstigte Tiere auch zur Abwehr beißen können (Quelle: NABU).

Willkommen im Club Baden-Württemberg

Eine Meldung geistert heute besonders durch meine Filterblase. Baden-Württemberg ist nun offiziell Wolfsland. Ende Juni wurde ein totes Tier an der Bundesautobahn 5 bei Lahr im Ortenaukreis tot aufgefunden. Der von der Senckenberg-Gesellschaft durchgeführte Gentest brachte nun Klarheit. Hierbei handelte es sich um einen Wolf. Damit wurde BW von „Wolfs-Erwartungsland“ auf „Wolfsland“ gestuft und somit fangen jetzt ähnliche Mühlen an zu mahlen wie im Osten der Republik. Wir hier in Sachsen und Sachsen-Anhalt haben da schon ein paar Jahre Erfahrung, sind aber immer noch nicht so richtig weiter. Nach wie vor streiten  wir uns über Schadensfälle, Formulierungen und Managementfragen im Allgemeinen. Zwar helfen die vielen Infoveranstaltungen und Thementage die Vorurteile langsam abzubauen, nur geht das eben sehr langsam voran. Positiv ist das Verhalten der jungen bzw. nachwachsenden Generation, diese ist weitaus aufgeschlossener und offener für das Thema. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass die Älteren in diesem Sinne größtenteils verloren sind.  Wie dem auch sei, in Baden-Württemberg wird sich die Bevölkerung auf eine neue Situation einstellen müssen aber auch die Entscheider auf Landesebene müssen bereit sein Gespräche zu suchen und ein Miteinander zu erzielen. Der Wolf ist nicht generell böse, er muss genauso wie wir ein erneutes Zusammenleben zu lernen. Leichter geht es aber Hand in Hand.

Schweizer Lobby gegen den Wolf

Dass es der Wolf nicht leicht hat ist sicherlich nichts Neues. Aber das er auf so viel und energischen Widerstand trifft, darf dann doch verwundern. Nun hat die Schweizerische Arbeitsgemeinschaft für Berggebiete (SAB) einen weiteren Schritt in Richtung Contra-Wolf getan. Vor rund vier Wochen wurde der Verein “Lebensraum Wallis ohne Grossraubtiere” und der Name ist Programm. Laut Naturschutz.ch waren um die 300 Schäfer und Jäger sowie ausreichend Politprominenz bei der Gründung anwesend. Hauptakteur dürfte der Lobbyist und Direktor der SAB Thomas Egger gewesen sein. Ein Interview aus dem Herbst 2013 zeigt seinen Standpunkt auf eine sehr deutliche Art und Weise. Leider scheint er nicht mit übermäßigem Sachverstand gesegnet zu sein, anders kann ich mir die Aussage im Interview nicht erklären.

Q: Also wird es allen Wölfen wie jenem kürzlich im Goms ergehen: Sie werden über kurz oder lang erschossen?
A: Ich begreife nicht, warum ein Wolf mehr Wert sein soll als 15 Schafe. Der Wolf hat bei uns nichts verloren. Er trägt nichts zur Biodiversität bei.

Ein Wolf ist in der Schweiz ebenso heimisch wie Reh, Hirsch oder Wilhelm Tell und anders als der Mensch trägt er sehr wohl zu einem funktionierenden Ökosystem und damit zu Biodiversität bei. In einem Positionspapier fordert die SAB „wolfsfreie Zonen“ und zieht damit klare Linie und zementiert ihren Standpunkt. Laut aktuellen Zahlen von WWF und ProNatura sterben 90% der Schafe im Laufe des Alpsommers bei Unfällen oder an den Folgen von Krankheiten, nicht aber durch die Risse von Großraubtieren. Aber wie es nun mal so mit der Lobby ist: Wessen Brot ich ess‘, dessen Lied ich sing“. Wenn die Schweiz jetzt bei ihren paar wenigen Wölfen schon so reagiert, wie wäre es dann, wenn man die Anzahl Wölfe wie in Deutschland hätte?

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