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Naturschutz – weil's wichtig ist

Kategorie: The Greenman says (Seite 2 von 60)

Willkommen im Club Baden-Württemberg

Eine Meldung geistert heute besonders durch meine Filterblase. Baden-Württemberg ist nun offiziell Wolfsland. Ende Juni wurde ein totes Tier an der Bundesautobahn 5 bei Lahr im Ortenaukreis tot aufgefunden. Der von der Senckenberg-Gesellschaft durchgeführte Gentest brachte nun Klarheit. Hierbei handelte es sich um einen Wolf. Damit wurde BW von „Wolfs-Erwartungsland“ auf „Wolfsland“ gestuft und somit fangen jetzt ähnliche Mühlen an zu mahlen wie im Osten der Republik. Wir hier in Sachsen und Sachsen-Anhalt haben da schon ein paar Jahre Erfahrung, sind aber immer noch nicht so richtig weiter. Nach wie vor streiten  wir uns über Schadensfälle, Formulierungen und Managementfragen im Allgemeinen. Zwar helfen die vielen Infoveranstaltungen und Thementage die Vorurteile langsam abzubauen, nur geht das eben sehr langsam voran. Positiv ist das Verhalten der jungen bzw. nachwachsenden Generation, diese ist weitaus aufgeschlossener und offener für das Thema. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass die Älteren in diesem Sinne größtenteils verloren sind.  Wie dem auch sei, in Baden-Württemberg wird sich die Bevölkerung auf eine neue Situation einstellen müssen aber auch die Entscheider auf Landesebene müssen bereit sein Gespräche zu suchen und ein Miteinander zu erzielen. Der Wolf ist nicht generell böse, er muss genauso wie wir ein erneutes Zusammenleben zu lernen. Leichter geht es aber Hand in Hand.

Schweizer Lobby gegen den Wolf

Dass es der Wolf nicht leicht hat ist sicherlich nichts Neues. Aber das er auf so viel und energischen Widerstand trifft, darf dann doch verwundern. Nun hat die Schweizerische Arbeitsgemeinschaft für Berggebiete (SAB) einen weiteren Schritt in Richtung Contra-Wolf getan. Vor rund vier Wochen wurde der Verein “Lebensraum Wallis ohne Grossraubtiere” und der Name ist Programm. Laut Naturschutz.ch waren um die 300 Schäfer und Jäger sowie ausreichend Politprominenz bei der Gründung anwesend. Hauptakteur dürfte der Lobbyist und Direktor der SAB Thomas Egger gewesen sein. Ein Interview aus dem Herbst 2013 zeigt seinen Standpunkt auf eine sehr deutliche Art und Weise. Leider scheint er nicht mit übermäßigem Sachverstand gesegnet zu sein, anders kann ich mir die Aussage im Interview nicht erklären.

Q: Also wird es allen Wölfen wie jenem kürzlich im Goms ergehen: Sie werden über kurz oder lang erschossen?
A: Ich begreife nicht, warum ein Wolf mehr Wert sein soll als 15 Schafe. Der Wolf hat bei uns nichts verloren. Er trägt nichts zur Biodiversität bei.

Ein Wolf ist in der Schweiz ebenso heimisch wie Reh, Hirsch oder Wilhelm Tell und anders als der Mensch trägt er sehr wohl zu einem funktionierenden Ökosystem und damit zu Biodiversität bei. In einem Positionspapier fordert die SAB „wolfsfreie Zonen“ und zieht damit klare Linie und zementiert ihren Standpunkt. Laut aktuellen Zahlen von WWF und ProNatura sterben 90% der Schafe im Laufe des Alpsommers bei Unfällen oder an den Folgen von Krankheiten, nicht aber durch die Risse von Großraubtieren. Aber wie es nun mal so mit der Lobby ist: Wessen Brot ich ess‘, dessen Lied ich sing“. Wenn die Schweiz jetzt bei ihren paar wenigen Wölfen schon so reagiert, wie wäre es dann, wenn man die Anzahl Wölfe wie in Deutschland hätte?

#NatureAlert oder wie die EU dem Naturschutz schaden will

Schwarzer See im Böhmerwald (CZ)

Schwarzer See im Böhmerwald (CZ)

*Update 21. Juli 2015* Die öffentliche EU-weite Umfrage zum Schutz von Natur und Naturschutzgebieten geht in die finale Runde. Nur noch bis 24. Juli kann für die Natura 2000-Richtlinien gestimmt werden. Die EU unterzieht aktuell die Naturschutzrichtlinien einem Fitnesscheck und möchte diese „unbürokratischer“ und „moderner“ gestalten. Mit anderen Worten heißt das, es der Lobby einfacher machen den Naturschutz auszuhebeln. Zusammen mit dem kommenden TTIP eine drohende und ernste Gefahr. Viele Naturschutzorganisationen befürchten ein Aufweichen der Gesetze. Solltet ihr also bisher noch nicht eure Stimme abgegeben haben, so holt dies bitte nach.

*Originalbeitrag* Schaue ich die Tage in meine Twitter-Timeline so wird diese von einem einzigen Schlagwort dominiert: Nature Alert.  Auch in Newslettern mit naturschutzfachlichem Inhalt stolpert man über diesen Ausdruck. Was es damit auf sich hat? Nun ja, um es mit den Worten einer meiner Lieblingsbands zu sagen: “ I see a bad moon rising….“.

Unsere Natur ist dankenswerter Weise  durch eine Vielzahl von Gesetzen geschützt. Auf oberster Ebene gilt das Gesetz der Europäischen Union, dann kommt das Bundesgesetz der BRD und diesem folgen die jeweiligen Gesetz der Bundesländer, welche dann konkret und individuell den Naturschutz gestalten (Bundesrecht gleich Rahmenrecht). Da aber der Naturschutz manch anderer Lobby im Wege steht, prüft die EU-Kommission aktuell die entsprechenden Naturschutzgesetze auszuhöhlen bzw. zu schwächen. Damit könnten jahrelange Fortschritte zerstört werden, was überaus negative Ausmaße für den Erhalt und Schutz der ohnehin schon sehr angeschlagenen Biodiversität zur Folge haben könnte. In einer Umfrage ist die EU-Kommission nun an eurer Meinung zur Natur interessiert und somit habt ihr da draußen ein nicht unerhebliches Mitspracherecht. Um euch an der Umfrage beteiligen zu können, habt ihr zwei alternative Möglichkeiten:

a) dauert 2 Minuten:geht bitte auf naturealert.eu, tragt Namen, Land und E-Mail-Adresse ein und klickt auf „Los geht’s“. Damit habt Ihr die 31 EU-Fragen im Sinne der Naturschutzverbände ausgefüllt. Diese könnt Ihr auf dieser website auch einsehen.

b) dauert 15 Minuten und ist vor allem für Naturschutzexperten und Praktiker ratsam: ihr füllt den Fragebogen der EU direkt aus und gebt am Ende noch ein persönliches Statement ab. Hierfür könnt Ihr diese Vorlage benutzen (DOWNLOAD PDF Anhang I). Wichtig ist dabei, Euch in Frage 2 mindestens als „ziemlich vertraut“ mit allen drei Aspekten anzugeben – sonst erscheint die zweite Hälfte der Fragen nicht!

 In jedem Fall eine große Bitte:

Wenn Ihr mehr wissen wollt: auf der Seite http://www.eu-koordination.de/meine-eu-rechte/2-klick-aktion gibt es unten zum Download die politischen Standpunkte und ein Hintergrundpapier der Naturschutzverbände.

Also liebe Leser, ihr kennt eure Aufgabe. Hier noch einmal die Links zur Kampagnen-Website zu Nature Alert sowie zur Umfrage der Europäischen Kommission.

Soldanella alpina; aufgenommen im Böhmerwald.

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