Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) beginnt auf einer ihrer Naturerbefläche ein Experiment des Naturschutzes. Die Rüthnicker Heide im Landkreis Ostprignitz-Ruppin in Brandeburg soll dafür als Modellfläche für einen Versuch dienen, der durchaus vielversprechend klingt. Zusammen mit der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt sowie der Georg-August-Universität Göttingen möchte man herausfinden, ob und unter welchen Bedingungen aus einem Wirtschaftswald ein naturnaher Laubmischwald wird. Wer die Sandbüchse Brandenburg kennt, der weiß, dass das ein ambitionierten Unterfangen wird. Ebenfalls soll im Rahmen des Projektes geklärt werden, welche Rolle Totholz in besagtem Laubmischwald spielt. Bundesforstmitarbeiter sollen außerdem gezielt Jungbäume anpflanzen und der Einfluss dessen auf die Geschwindigkeit der Waldentwicklung untersucht werden.

Im Rahmen des Forschungsprojektes „Wildnis Naturerbe“ startet die DBU-Tochter im Dezember ein Experiment in der DBU-Naturerbefläche Rüthnicker Heide. ©DBU

Um einen günstigen Ausgangszustand auf der Fläche zu bekommen, fällen Waldarbeiter in einem ersten Schritt rund 20 % der Kiefern auf ca. 55 der insgesamt 3.850 ha großen DBU-Naturerbefläche. Wenn dem Naturschutz eine so geräumige Fläche zur Verfügung steht, probiert er allerhand darauf aus. So sollen in einer Versuchsvariante kleinflächige Sturmschäden simuliert und untersucht werden. Dazu werden zwei Drittel der gefällten Kiefern nicht aus dem Gebiet entfernt, sondern lediglich umgekippt. Diese werden dann im Laufe der Zeit zu Totholz. Obwohl ich mir als xylobionter Käfer nettere Plätze als totes Nadelholz vorstellen könnte, bin ich gespannt auf erste Ergebnisse. Bei diesem Vorgehen schadet es nicht, wenn die Waldarbeiter das Goldschmiedehandwerk als Zweitberuf gelernt haben, man braucht schon etwas Fingerspitzengefühl um die Erntemaschinen dementsprechend zu navigieren.

Auf der DBU-Naturerbefläche Rüthnicker Heide wurden auf den Versuchsflächen rund 20 Prozent der Kiefern ausgezeichnet. ©DBU

An anderer Stelle sollen ab kommenden Herbst in die geschaffenen Lücken 10.000 junge Eichen, Buchen und Linden gepflanzt werden. Ob es sich dabei um die klassischen Traubeneichen, Winterlinden und Hainbuchen handelt, konnte man mir bisher noch nicht sagen. Als dritten Versuch legt man freie Entwicklungsflächen an. Hier kann sich der Wald nach der Holzentnahme ohne menschliches Zutun entwickeln. Hier stellt sich mir die Frage, wie man mit potentiell auftretenden invasiven Arten wie spätblühende Traubenkirsche (Prunus serotina) sowie Schwarzkiefer (Pinus sylvestris) umgehen möchte. Eine Anfrage an betreffende Stelle läuft bereits.