Bei meinem Sonntagsspaziergang heute morgen kam mir die Idee, als ich die Stadtvegetation sah, mal etwas über dieselbige zu schreiben.  Jeder weiß, dass es in Städten ebenfalls Vegetation gibt, ob sie nun besonders schön oder reichhaltig ist, sei erst einmal dahingestellt. Wir wollen heute einen Blick auf die verschiedenen Strategien zur Anpassung  der Pflanzen werfen. Also im Klartext, welche Varianten in Sachen Wuchs, Stoffwechsel oder Ökologie gibt es und wie sind sie ausgeprägt?

In der Ökologie sowie in der Vegetationskunde werden drei Arten von Pflanzenstrategen unterschieden.
R-/C(K)-/S-Strategen.  In diese Kategorien lassen sich alle Pflanzen einteilen. Sollte jemand noch eine kennen, dann ist diese mir neu und ich würde darum bitten, sie mir mitzuteilen.

Die R-Strategen:

Das „R“ steht für ruderal“ und bedeutet soviel wie „Trittfest“. Diese Vertreter sind perfekt an das vom Menschen überprägte Siedlungsgebiet angepasst. Aufgrund ihre Wuchsform, flach und an den Boden gedrückt, sind sie äußerst resistent gegen Störungen und Tritt. Als Rosettenpflanzen haben sie ein schnelles Wuchsvermögen und eine sehr hohe Blühfrequenz, welches es ihnen ermöglicht, sich nach einer Störung oder anthropogenen Beeinträchtigung wieder schnell zu erholen. Desweiteren gibt die Schnelligkeit ihnen einen ausreichenden Zeitvorteil bei der Besiedlung von geeigneten Flächen. Desweiteren trifft man sie auf städtischen Brachflächen an. Auf verlassenen Parkplätzen ehemaliger Discounter stehen zu fast 100% Vertreter dieser Pflanzentypen. Aber die Schnelligkeit im Wuchs hat auch ihren Preis, ruderale Arten sind äußerst kurzlebig.  Den Großteil ihrer Stoffproduktion setzen sie in das Reproduktionsvermögen.  Ein besonders ungeliebter Bursche ist (hier gelb im Bild) die Kanadische-Goldrute, Solidago canadensis, eine ehemalige Gartenpflanze die uns jetzt vor ganz schöne Probleme stellt.
©Thomas Engst

Dieses Bild zeigt schön wie sich die R-Strategen anpassen und jede noch so kleine geeignete Stelle in Beschlag nehmen. Ebenfalls sieht man bei dem Löwenzahn, Taraxacum sect. ruderalia,  auch schön die Ausprägung der Rosette.

©Thomas Engst

Hier kann man erkennen was ich mit „Trittpflanzen“ meinte. Durch ihren kleinen und flachen Wuchs, sowie der relativen Anspruchslosigkeit an Nährstoffen sind sie in der Lage in zwischen Pflastersteinen zu leben. Die eine oder andere Schuhsohle macht ihnen dabei nicht das Geringste aus.

©Thomas Engst

©Thomas Engst

Die C-Strategen:


C- oder im deutschen K-Strategen habe ihren Namen durch ihre hohe Konkurrenzkraft erhalten. Sie weisen ein hohes, laterales Blattwerk auf und haben robuste Blätter. Wie seine Kollegen von den R-Strategen haben sie einen schnellen Wuchs, jedoch eine hohe Lebensdauer. Dadurch, dass sie auf Boden wachsen, der gut mit Nährstoffen versorgt ist, spielt die Stoffspeicherung eine eher untergeordnete Rolle. Wie bei so vielem in der Natur, sind auch hier keine klaren Grenzen möglich. Der Kompasslattich, Lactuca serriola,beispielsweise ist ein C/R-Stratege.

Die S-Strategen:

Das S im Namen steht für „Stress“. Diese Pflanzen sind ebenfalls an Tritt oder andere Störungen gewöhnt und kommen damit klar. Im Gegensatz zu den R-Strategen sind sie meistens immergrün und haben schmale, ledrige, oft nadelförmige Blätter. Sie wachsen auf sehr nährstoffreichen Böden und haben daher alle zeit zum Wachsen. Sie sind daher sehr langlebig und langsam wachsend.  Denn nur was lange währt wird gut.
So, das waren meine Gedanken zu dem Thema. Vielleicht habt ihr ähnliche Beispiele vor eurer Haustür. Lasst es mich wissen.
In diesem Sinne…