Geht man dieser Tage durch den Wald so bietet sich einem ein eher trübes Bild. Vorbei sind die Zeiten der knalligen bunten Farben. Jetzt wird die Landschaft von Grau- und Brauntönen bestimmt. Fragt man die Menschen nach dem Grund dafür, so hört man nicht selten die langläufige Meinung, dass die Natur jetzt schlafe und sich auf den Frühling vorbereitet. Das ist aber nur die halbe Wahrheit. So etwas wie schlafen kennt Mutter Natur nicht. Die scheinbare Ruhe ist nur oberflächlich. Schaut man sich die Bäume und ihre Knospen an, so erkennt man, dass es mächtig rappelt im Wald.
In den kalten Wintermonaten, wenn der Stoffwechsel der hölzernen Kameraden umgestellt ist und sich alle Nährstoffe und Pflanzensäfte in den Stamm bzw. der Wurzel zurückgezogen haben, legt der Baum neue Knospen an. Hingegen der weitverbreiteten Meinung, macht er das nicht im Frühling. Wenn die Sonne wieder wärmer scheint, muss es längst erledigt sein und die Knospen in den Startlöchern stehen. Ich habe mal stellvertretend für all die vielen Arten die markantesten Knospen zusammengestellt. Den Anfang macht die Gemeine Esche, ein bei den Naturvölkern sehr wichtiger Baum. Mit ihren tiefschwarzen matten Knospen ist sie nicht zu verkennen. In Europa ist diese Färbung meines Wissens nach einzigartig.

Knospe der Gemeinen Esche (Fraxinus excelsior)

In der Botanik unterscheidet man bei Knospen generell zwei Arten. „Nackte“ und „bedeckte“ Knospen. Nackte Knospen haben z.B. der Blutrote Hartriegel und der Faulbaum. Bei ihnen sind keine Knospendecken vorhanden. Äußere obenauf liegende Laubblätter schützen die jungen Knospen vor Umwelteinflüssen. Bedeckte Knospen sieht man bspw. bei den Ahörnern oder der Eber-Esche sehr gut.  Um durch den Frost zu kommen, sind die Knospen meist mit einem Harz oder harzartigem Gummi-Gemisch überzogen (Gemma glutinosa). Diese klebrige Masse wirkt wie eine Wachsschicht und sorgt dafür, dass der Frost nicht seinen Tribut fordert. Aber auch mittels Haaren oder Härchen weiß sich ein Baum zu schützen (Gemma pubescens).

Knospe der Gemeinen Eberesche (Sorbus aucuparia)
Die Gemeine Eberesche oder Vogelbeerbaum zeigt uns wundervoll was man unter „bedeckten“ Knospen versteht. Ihre behaarten Knospendecken sehen mit etwas Fantasie aus wie ein Wildschweinrücken, womöglich daher auch der Name. Einst in den Gebirgen Mitteleuropas mit sehr hohem Bestand heimisch (immerhin gibt es im Erzgebirge eigens ein Lied für sie) ist sie durch die Luftveränderung seltener geworden.
Knospe des Berg-Ahorn (Acer pseudoplatanus)

Auch schon kugelrund und voller Vorfreude sind die Knospen der Ahorn-Arten. Beim Berg-Ahorn ist die Knospe in knalligem Grün gehalten, während der Spitz-Ahorn eine tiefrote Farbe besitzt. Später werden die grünen Knospen des Berg-Ahorn etwas bräunlich und das ungeübte Auge meint es sei ein Spitz-Ahorn. In diesem Falle hilft das Blattwerk. Richtig spannend wird es bei Buchen oder Kastanien, ihre Knospen sind schon jetzt kugelrund . In den nächsten Monaten reifen die Triebe für die kommende Saison heran und bereiten sich auf den Wettlauf des Wachstums vor. Ihr seht also, der Wald und die Natur stecken auch jetzt voller Leben.