sphagnumWeitgehend unbeachtet wird in Deutschland (und Europa) an einer sehr begrenzten Ressource Raubbau betrieben. Dieses Rohrstoff braucht Jahrmillionen um wieder mit dem Wachstum zu beginnen und dann noch einmal eine kleine Ewigkeit bis er wierder auf einem stabilen Niveau angekommen ist. Die Rede ist vom Torf. Gärtner und Naturschützer lieben ihn gleichermaßen. Jedoch aus völlig anderen Gründen. Während der eine die Vorteile für seinen Garten schätzt, bewundert der andere eher die ökologischen Funktionen welche die Grundlagen für einen sehr sehr sensiblen Lebensraum stellen. Leider haben die Buddelflinks in ihren Domizilen auch hier ordentlich Mist gebaut. Nämlich die Nachfrage nach Torfmoosen befeuert. Dies rief die WIrtschaft auf den Plan und deren Tun kann am besten mit den Worten von Gandalf beschreiben: „Sie haben zu tief und zu gierig gegraben“. Auch wenn heutzutage fast alle natürlichen Moorstandorte nahezu vernichtet wurden, baut man weiter Torf ab. Zehn Millionen Kubikmeter davon werden pro Jahr in Deutschland vebraucht und landet bspw. in Blumenkübeln oder in den erwähnten Gartenbeeten. Im emsländischen Geeste gründete sich vor mehr als 100 Jahren die Firma KLasmann-Deilmann und entwickelte sich zum Weltmarktführer. Hier hat man erkannt, dass die Ressource Torf endlich ist und sucht nun nach neuen Wegen. Geschäftsführer Moritz Böcking sagt dazu:

„Die Verfügbarkeit von Torfabbauflächen ist limitiert in Deutschland.“ Nach jüngsten Erhebungen sei die Reichweite der verfügbaren Torfmengen ungefähr 10 bis 15 Jahre. „Und da unsere Branche sehr langfristig plant, ist das seit Langem ein Thema, das uns Sorge macht“.

Man mische zwar die Produkte mit derzeit ca. 7 % Kultursubstrate und möchte dies bis zum Jahre 2020 auf 15 % steigern, aber so richtig auf Torf verzichten kann und will man nicht. Dazu sind dessen Eingenschaften zu wertvoll. Torfe speichern Wasser und sind frei von Wildkrautsamen. Man versuche daher Torfsubstrate zu züchten. Im Zeitraffer. Auf dem Gelände einer einstigen Abbaufläche bei Twist stehen nun junge Pflanzen in den Startlöchern. Ausgestattet und versorgt mit Beschattungstunneln und Vliesmatten sollen sie hier alles vorfinden, was sie für das Wachstum brauchen. Man versucht hier der Natur mit einem speziellen Wassermanagement sowie einer besonderen Artenauswahl auf die Sprünge zu helfen. In drei bis fünf Jahren erhofft man sich erntereife Torfmoose.

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Es bleibt abzuwarten wie das Projekt gelingt. Im besten Falle bringt es eine Entlastung für die natürlichen Restbestände. Mich würde interessieren, welche Arten angebaut werden. Achtet man hier auf heimische Arten oder greift man gar zu schnellwachsenden neophytischen Torfmoosen? Den 1000 Beschäftigten der Firmal Klasmann-Deilmann wäre ein Gelingen der Aktion zu wünschen (Quelle: NDR.de).