Das Wetter lockte heute mit stahlblauem Himmel und Sonnenschein von früh bis spät. Damit waren die idealen Voraussetzungen geschaffen um etwas Wandern zu gehen. Als gebürtiger Chemnitzer, der jetzt in Sachsen-Anhalt lebt, zieht es mich schon noch hin und wieder in das Gebirge. Nun ist meine Gegend hier nicht so mit Bergen gesegnet wie die Heimat, also was nun? Rauf auf den Brocken. Weil es sich ja bekanntlich besser zu zweit wandern lässt, schnappte ich mir meinen Bruder und los ging es. Vielen Dank nochmal an dieser Stelle.

Der Brocken ist mit seinen 1141 m  über Normal Null der höchste Berg im Norden Deutschlands und frühere Grenze zwischen den beiden deutschen Staaten. Das „Basislager“ war in Schierke, auf einem Parkplatz, einer kleinen malerischen Stadt in der ich mich irgendwie immer fühle wie im Allgäu, keine Ahnung warum aber irgendwie ist es halt so.

Laut Wanderkarte gibt es zwei unterschiedliche Wege, eine schonende Variante mit 8 km und der direkte Weg. Dank 13-15% Steigung sind es da nur 5 km. Natürlich entschieden wir uns für den kürzeren Weg. Aus Erfahrung wusste ich, er hat die schönere Landschaft. Der Weg startete direkt in den Wald und belohnte  uns schon auf den ersten Metern mit schönen Anblicken.

©Thomas Engst

©Thomas Engst

Da es sich vorwiegend um einen Nadelwald handelt, ist die Bodenvegetation auch dementsprechend „marginal“ aber dennoch sehr schön. Mit Moos überzogene Felsen und Baumstümpfe geben dem Wald etwas verwunschenes.

Nach ca. 2 Stunden standen wir dann auf dem Gipfel und wurden mit einer hervorragenden Aussicht belohnt. Man kann schon von Glück reden, so einen Tag wie diesen erwischt zu haben.

Es ist bekannt, dass der Brocken bereits in der Bronzezeit eine wichtige Rolle gespielt hat. Ähnlich wie Stonehenge in Großbritannien, war auch der Brocken eine markante Landmarke und diente den damaligen Menschen als eine Art „Kalender“. Vom 85 km entfernten Observatorium auf dem Mittelberg aus gesehen, geht die Sonne zur Sommersonnenwende direkt hinter dem Brocken unter. Der Mittelberg ist deshalb so bekannt, weil dort die Himmelsscheibe von Nebra gefunden wurde. Diese Sichtachse zum Brocken macht es möglich, dass sich die, auf der Scheibe angebrachten, Horizontbögen exakt in dessen Richtung ausrichten ließen. Als zweites Beispiel kann man die Wall-Graben-Anlage auf dem Gehrdener Berg, Region Hannover, anführen. Von ihr aus sieht man die Sonne zwischen Brocken und Wurmberg  aufgehen.

Aber auch in Literatur und Folklore hat der Brocken seine Spuren hinterlassen. So hat Goethes Faust eine Nacht auf dem Berg verbracht und den Hexen beim Tanze zugesehen. Die alljährliche Walpurgisnacht ist ja hinlänglich bekannt.
©Thomas Engst

Meine anfängliche Hoffnung vom Gipfel das Völkerschlachtdenkmal  in Leipzig oder gar das heimische Erzgebirge sehen zu können, stellte sich dann doch als etwas zu ambitioniert heraus, betrug die Sichtweite doch „nur“ 82 km. Doch immerhin sah man das Kyffhäuserdenkmal.

Der Brocken blickt, wie bereits angedeutet, auf eine bewegte Vergangenheit zurück, ein paar Fakten aus neuerer Zeit habe ich mal im Folgenden aufgestellt.
  • 1961 Der Brocken wird militärisches Speergebiet
  • 1973/76 Bau des freistehenden Antennenträgers für den Funkturm
  • 1989 Freigabe des Brockenplateaus am 3. Dezember
  • 1990 Beginn der Renaturierungsarbeiten
  • 1994 Abzug der sowjetischen Streitkräfte
  • 1997 Abschluss der Gipfelgestaltung
©Thomas Engst
Stichwort Renaturierung, am Brocken findet man einzigartige Hochmoore mitsamt ihrer typischen Vegetation und Fauna. Ebenfalls wurde vor ein paar Jahren ein Programm zur Wiederansiedlung von Luxen gestartet und läuft, meines Wissens nach, auch sehr erfolgreich. Wegen diesen wertvollen Flächen stehen überall Schilder die darauf hinweisen, die Wege nicht zu verlassen.

©Thomas Engst
Aufgrund seiner Höhe eignet sich der Brocken auch bestens für die Forschung und, natürlich, für die Funktechnik. Darum gibt es auch zwei Türme auf dem Gipfel, von denen man einen als Aussichtsplattform nutzen kann. Von dort oben hat man, schönes Wetter vorausgesetzt, einen klasse Fernblick.
©Thomas Engst

Nach ca. 4 Stunden Aufenthalt war dann die Zeit des Abstiegs gekommen. Auf einer leicht abgeänderten Route gelangten wir wieder zu unserem Ausgangsort. Unterwegs bot sich noch ein schöner Blick auf die umliegenden Berge im Sonnenuntergang, welcher die Bäume in Gold zu hüllen schien. 

Ich habe, wie immer, einen Track aufgezeichnet, dessen Verlauf und Höhendiagramm ich mal für euch auf den folgenden Bildern festgehalten habe.
©Thomas Engst

©Thomas Engst
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Insgesamt hat die Tour 8 Stunden gedauert, wobei wir 2 Stunden jeweils für Auf- und Abstieg gebraucht haben. Auf dem Heimweg hatten wir noch das Glück eine wunderbare Abendstimmung erleben zu können. Mit dem Bild des abendlichen Harzes möchte ich auch diesen, etwas längeren Artikel, beenden und mich bei allen Bedanken, die bis zum Ende durchgehalten haben.

In diesem Sinne…
©Thomas Engst