In den vergangenen Wochen nahm eine Bewegung Fahrt auf, die mit ungewöhnlichen Mitteln auf sich aufmerksam machte. Die Aktion „Grüne Kreuze“ kommt aus der Ecke der Landwirtschaft und soll ein Zeichen gegen das Höfesterben und den immer drastischeren Forderungen von Seiten des Umwelt- und Naturschutzes setzen bzw. auf diese Themen aufmerksam machen. Als Mahnzeichen gegenüber Politik und Gesellschaft unterstützen inzwischen auch Bauernverbände die Aktion „Grüne Kreuze“. Dahinter steht eine Bewegung aus der Landwirtschaft, auf Feldern und Wiesen grüne Kreuze aufzustellen. Die Aktion ist ein Aufruf der Bäuerinnen und Bauern, der die Verbraucher zum Nachdenken anregen soll. Wie es sich nun einmal so gehört, braucht jede Aktion einen Sprecher. Im Falle der Grünen Kreuze ist das Bauer Willi, auf dessen Initiative die Aktion auch gründet.

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Die Aktion ist eine Reaktion auf das Agrarumweltpaket, welches die Bundesregierung Anfang September verabschiedet hat und welches seitdem von diversen Bauernverbänden kritisiert wird. „Seitdem geht in vielen landwirtschaftlichen Betrieben die Angst um, dass damit jegliche Produktion auf dem Acker und im Stall erschwert und in Einzelfällen nahezu unmöglich gemacht wird“, sagt Bauer Willi. Er will erreichen, dass die Beschlüsse im Bundestag und -rat geändert werden. Es ist fast schon Tradition, dass eine Person, welche neu auf dem Parkett des öffentlichen Interesses tritt, erst einmal durchleuchtet und einer Hintergrundprüfung unterzogen wird. Im Falle von Bauer Willi oder Wilhelm Kremer-Schillings, wie der Landwirt vom Niederrhein mit bürgerlichem Namen heißt, sorgen die bisherigen Recherchen für erste Risse in der Fassade des Bildes vom bodenständigen und unabhängigen Bauer Willis. Immer mehr Artikel befassen sich mit dessen offensichtlicher Verbindung zur Agrarchemieindustrie.

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Wie die „Tageszeitung“ aus Berlin jetzt über Kremer-Schillings herausgefunden hat, lässt leise Zweifel an seiner Unabhängigkeit aufkommen. Demzufolge habe Kremer-Schillings bis 1990 als Projektmanager beim Schering-Konzern gearbeitet, welcher verantwortlich für den unter Krebsverdacht stehenden Unkrautvernichter Betanal ist. Später wechselte er zum Zuckerhersteller Pfeifer & Langen und habe auch dort Landwirten zu Pestiziden geraten. Heute firmiere der Vorruheständler als Vizevorsitzender der Buir-Bliesheimer Agrargenossenschaft. Deren Jahresumsatz von 120 Millionen Euro stammt unter anderem aus dem Handel mit Pestiziden wie Glyphosat, wie man auf der Internetseite nachlesen kann.

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Die Zunft der Agrarflächendesigner steht derweil hinter ihrem aktuellen Hoffnungsträger. Aller berechtigten Kritik zum Trotz bleiben die grünen Kreuze im Boden und tragen die Protestbewegung weiter. Aus meiner Sicht ist es es aber auch eine verzwickte Situation. Aus Sicht der großen Agrarbetriebe, welche mit ihrer intensiven Bewirtschaftung der Landschaft durchaus ein Massengrab der Biodiversität und damit verantwortlich für das anhaltende Artensterben sind, ist die „grüne Kreuz“-Aktion ein Beissreflex gegen das Agrarumweltpaket. Steht dieses doch gegen ihre bisherigen Methoden. Viele kleinere Landwirte, die eventuell auf eine extensive Bewirtschaftung ihrer Flächen setzen, ist es das Agrarumweltpaket durchaus ein dicker Knüppel zwischen den Beinen.

Nimmt man sich aber etwas mehr Zeit für die Recherche und geht etwas in der Zeit zurück, so wird schnell klar, dass die vermeintliche aktuellen Enthüllungen gar keine sind. In einem 2012 erschienenen Artikel auf der RP Online macht Bauer Willi aus seinen Verbindungen zur Wirtschaft nämlich gar kein Geheimnis.

Was ist eure Meinung zu dem Thema? Habt ihr grüne Kreuze in eurer Gegend oder seid ihr selbst von dem verabschiedeten Agrarumweltpaket betroffen?

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