Rosalind Franklin vor dem Mikroskop im Jahr 1955.

Die nun vorgestellte Dame bildet insofern eine Ausnahme, dass sie nich tin „grauer Vorzeit“ gelebt und gewirkt hat, sondern deutlich näher dran am Heute ihre Fußabdrücke in der Geschichte hinterlassen hat. Fußabdrücke die, obwohl von stattlicher Größe, vom Sand der Zeit fast vollständig zugeweht wurden. Ich finde, vollkommen zu Unrecht und damit ist Rosalind Franklin bestens geeignet für diese Kategorie.

Rosalind Elsie Franklin, wie die namenhafte Biochemikerin mit vollem Namen heißt, wuchs im London der 1920er und 1930er auf. Die Tochter eines geschätzten Bankiers und einer an den Naturwissenschaften interessierten Mutter, machte sich schnell einen Namen als „interessiertes“ und „lebhaftes“ Mädchen. Eigenschaften einer jungen Dame, die zu damaligen Zeit nicht uneigeschränlt befürwortet wurden. Glücklicherweise sahen das ihre Eltern anders und legten bereits früh in der Erziehung Wert auf eine sorgfältige und umfassende Schulbildung Rosalinds. Ihre meiste Freizeit verbrachte sie mit Arithmetik.

Die Schulen, die Ellis und Muriel Franklin für ihre Tochter aussuchten, unterstützten diese Neigung. Zwei Jahre verbrachte Rosalind in einem Mädcheninternat an der Kanalküste und begeisterte sich vor allem für den naturwissenschaftlichen Unterricht. Ab Januar 1932 besuchte sie die St.-Paul’s-Mädchenschule, deren Philosophie es war, jedes Mädchen auf einen beruflichen Werdegang vorzubereiten, und die Wert darauf legte, dass die Mädchen sich Ziele jenseits der Ehe setzten. Eine Philosphie, die der Schule damals heftige Kritik einbrachte.

Im Frühjahr 1938 bestand die noch Siebzehnjährige die Zulassungsprüfungen an der Universität Cambridge. In der Chemieprüfung schnitt sie als Beste ab und wurde deshalb mit einem Stipendium ausgezeichnet, das einen großen Teil der Universitätsgebühren abdeckte. Während ihres Studiums spezialisierte sie sich zunehmend auf die Kristallographie und die physikalische Chemie, die sich mit Struktureigenschaften und dem Verhalten von Atomen und Molekülen befasst. In physikalischer Chemie schloss sie als Beste ab, worauf man ihr mit einem College-Stipendium ermöglichte, in einem vierten Jahr in Cambridge zu forschen.

Der Grundstein allen Lebens: die DNA mit ihrer markanten Doppelhelix.

Ihr beruflicher Werdgeang wurde in den Folgejahren etwas turbulent. Durch die Wirren der Zeit bedingt, nahm sie eine Stelle am Pariser „Laboratoire Central des Services Chimiques de L’Etat“ an und stieg dort zur Spezialistin für Kristallstrukturanalyse auf .1950 kehrte sie nach London zurück, um unter Leitung von John Turton Randall am Londoner King’s College weiterzuforschen und ließ die wohl glücklichste Zeit ihres Lebens hinter sich. So in etwa liest es sich aus ihren Briefen, die sie während iherer Zeit in Frankreich an ihre Familie schrieb.

Am King’s College war Rosalind Franklin aus vielerlei Gründen nicht glücklich. An diesem traditionellen College waren Wissenschaftlerinnen nicht als ebenbürtige Kollegen akzeptiert. So waren Frauen zum Beispiel von einem der Speisesäle ausgeschlossen. Darüber hinaus wusste der überwiegende Teil ihrer Kollegen die von ihr bisher geleistete Forschungsarbeit nicht zu würdigen. Ebenfalls nagte an ihr, dass am King’s College nicht gerade die hellsten Kerzen auf Torte arbeiteten und Rosalind Franklin hob sich in der Art, wie sie sich gab und bezogen auf ihre Interessengebiete deutlich von ihren Kollegen ab. Ein Umstand, der sie ziemlich schnell zur Außenseiterin erklärte.

Diese Art der Isolation hielt Franklin jedoch nicht davon ab, sich weiterhin in der Wissenschaft zu beweisen. Notfalls eben alleine. Ihr bearbeitetes Feld war zu dem Zeitpunkt die Erforschung der DNA (deoxyribonucleic acid). Die Entschlüsselung der DNA oder auf Deutsch DNS (Desoxyribonukleinsäure)  und die Entdeckung der Doppelhelix befanden sich in den 1950er Jahre noch in den Kinderschuhen. Erst Ende der 1940er Jahre war nachgewiesen worden, dass die DNA aus langen unverzweigten Kettenmolekülen bestand. Im Laufe der Jahre kristallisierten sich, salopp gesagt, zwei vielversprechende Personen heraus, denen es zugetraut wurde, der DNA ihre Geheimnisse zu entlocken. Zwei zu dem Zeitpunkt noch unbekannte junge Wissenschaftler an der Universität Cambridge, James Watson und Francis Crick – letzterer hatte zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal seine Promotion abgeschlossen –, sahen in diesem Gebiet eine Möglichkeit, sich wissenschaftlichen Ruhm zu erwerben. Ihnen war jedoch klar, dass sie sehr rasch zu Ergebnissen kommen mussten und eine schnelle Veröffentlichung notwendig sein würde, wollten sie den Ruhm des ersten Platzes für sich beanspruchen.

Rosalind Franklin (Bildquelle: Ask a biologist).

Während Franklin eine empirische Herangehensweise bevorzugte, lag die Stärke von Crick und Watson in der Entwicklung von Theorien. Unter Einbezug der Informationen, die sie aus einem Vortrag von Franklin am King’s College gewonnen hatten, hatten Crick und Watson im Jahre 1952 ein Modell entwickelt, das aus drei Spiralketten bestand. Sie luden deshalb Franklin und Wilkins Ende 1952 nach Cambridge ein, um ihnen ihr Modell der DNA vorzustellen. Für Franklin war der Ausflug Zeitverschwendung; sie wies ihren Kollegen nach, dass ihr Modell völlig unzulänglich war, und reiste verärgert wieder aus Cambridge ab. Sie verweigerte sich außerdem einer Zusammenarbeit mit diesen Kollegen, weil sie eine Modellaufstellung noch für verfrüht hielt.

Nun ereignete sich ein unschöner Vorfall, der schon damals nicht schön aber in der Wissenschaft bis heute auftritt. Die Herren Watson und Crick erhielten durch Wilkins unerlaubt EInblicke auf die von Rosalind Franklin angefertige und wegweisende Beugungsaufnahme Nr. 51. Diese Aufnahme von einer B-Konfiguration einer DNA war der optische Beweis, dass DNA-Stränge in Form einer Doppelhelix aufgebaut sind. Besonders James Watson profitierte sehr von diesem Wissen und bezog sich in seinem später erschienenen Buch „Die Doppelhelix“ immer wieder darauf. Er sackte den Ruhm ein, Rosalind Franklin ging zunächst leer aus. Erst in späteren Veröffentlichungen wurden ihre Verdienste und Leistungen von Watson und Crick erwähnt und gewürdigt.

Es gilt heute als akzeptiert, dass Franklins Arbeit eine wesentliche Grundlage für die Bestimmung der DNA-Struktur lieferte und es ohne ihre Röntgenbeugungsdiagramme und ihre diesbezüglichen Analysen wesentlich länger bis zur Entdeckung gedauert hätte. Unbestritten ist auch, dass es die Leistung von Watson und Crick war, aus ihrer Arbeit die richtigen Schlüsse zu ziehen. Ihr langjähriger Mitarbeiter, der spätere Nobelpreisträger Aaron Klug, konnte anhand ihrer Notizbücher zeigen, dass sie am 23. Februar den Beweis erbracht hatte, dass sowohl die A- wie auch die B-Form der DNA zweikettige Helices waren. Ihr fehlte lediglich noch die Erkenntnis, dass die Basenpaare der DNA den genetischen Code trugen.

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