Nachdem sich der letzte Beitrag aus der Rubrik [Botanik] mit einer kleinen und unscheinbaren Art beschäftigt hat, werden nun größere Geschütze aufgefahren. Die Rede ist vom Gelben Enzian (Gentiana lutea), diese beeindruckende Art aus der Familie der Enziangewächse ist anders als all die anderen Enziane und das nicht nur aufgrund ihres imposanten Erscheinungsbildes.

Der Gelbe Enzian ist eine graugrüne, kräftige, ausdauernde krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 50 bis 150 Zentimetern erreicht. Dieser Rhizomgeophyt blüht erstmals mit zehn Jahren, kann aber 40 bis 60 Jahre alt werden. Als Überdauerungsorgan wird ein kräftiges, bis armdickes Rhizom gebildet. Die Hauptwurzel besitzt an älteren Pflanzen Längen bis zu 1 Meter und Durchmesser von 3 bis 5 Zentimeter. Die oberirdischen Pflanzenteile sind durch Haare (Trichome) etwas glänzend.  Das hohe Alter ist schon eine bemerkenswerte Leistung.

Anfangs wird eine grundständige Blattrosette gebildet. Die kreuzgegenständig angeordneten Laubblätter sind einfach, bis zu 30 Zentimeter lang, bis 15 Zentimeter breit, im oberen Bereich ungestielt und im unteren Bereich kurz gestielt. Die Blattspreiten sind eiförmig bis elliptisch mit fünf bis sieben kräftigen, bogenförmigen Nerven.

Gentiana lutea

G. lutea ist in den Alpen und anderen Gebirgen Mittel- und Südeuropas verbreitet. Es gibt Fundortangaben für Portugal, Spanien, Frankreich, Deutschland, Österreich, die Schweiz, Italien, Slowenien, Serbien, Kroatien, Bulgarien, Rumänien, Albanien, Griechenland, die Türkei, die Republik Moldau und die Ukraine. In Deutschland kommt er beispielsweise im Schwarzwald auf dem Feldberg und dem Hohen Randen vor.

Der Gelbe Enzian ist kalkliebend, wächst aber auch auf kristallinem Gestein (Schwarzwald) und bevorzugt Weiden-, Block- und Karflure von der Tallage bis in Höhenlagen von 2500 Metern, die wenigstens zeitweise feucht und locker sind. Er kommt in Mitteleuropa in größeren Höhenlagen vor in Gesellschaften des Verbandes Nardion, des Calamagrostion arundinaceae-Verbands, auch im Verband Erico-Pinion und in der Ordnung der Seslerietalia albicantis. In niedrigen Höhenlagen findet man ihn in Gesellschaften des Mesobromion- und des Verbandes Geranion sanguinei. In den Allgäuer Alpen steigt er in Höhenlagen von bis zu 2100 Meter auf.

Gentiana lutea ist derzeit noch geschützt durch die Bundesartenschutzverordnung, Anlage 1. Geschützt sind ‚Wildvorkommen. Allerdings kann er sich aufgrund seiner reichlichen Produktion leicht verwehbarer Samen auf Weideflächen auch zur Plage entwickeln, denn das Nutzvieh meidet ihn. In Deutschland gilt der Enzian als stark gefährdet, in Portugal ist er laut World Wide Fund For Nature (WWF) ausgerottet. In weiten Teilen Süd- und Südosteuropas ist er vom Aussterben bedroht. Der Grund: Jährlich werden etwa 6000 Tonnen Enzianwurzel zu medizinischen Zwecken und die Schnapsbrennerei verbraucht. Der weitaus größte Teil stammt nach wie vor aus wild wachsenden Pflanzen. Der Anbau in Kulturen steckt noch im Experimentalstadium.

Gentiana lutea