Stefanie Weigelmeier

Wieder ein neues Buch von Dave Goulson!, und doch ganz anders als die ersten vier, die ich so lieb gewonnen habe. Dieses sechste Buch ist als Nachfolge zu dem vorhergehenden Buch (Wildlife Gardening: Die Kunst im eigenen Garten die Welt zu retten.) zu verstehen. Während man in den ersten vier Büchern verfolgt, wie Goulson sein französisches Gehöft bei Chez Nauche Hummel- und Bestäuber-freundlich entwickelt und durch rege eingestreute Anekdoten aus seinem Forscherleben auch viel Wissenswertes über andere Organismen erfährt, also eher einen wissens-vermittelnden Roman in Händen hält, liest man hier eher ein spannendes Sachbuch. Der Grundtenor ist geblieben: biologische Grundlagen werden kurzweilig vermittelt. Neu hier: den Leser:innen werden praktische Anwendungsmöglichkeiten vermittelt, wie der eigene Garten zum Paradies für bestäubende Insekten werden kann.

…weitere Bücher von Goulson, die Thomas hier bereits vorgestellt hat: Bee Quest, A Buzz in the Meadows und Und sie fliegt doch.

Goulson steckt somit weder den Kopf in den Sand fokussiert auf sein eigenes Forschungsgebiet, noch resigniert er, sondern vermittelt eine Zuversicht, dass es eben doch etwas ausmacht, wie wir uns verhalten und – um beim Buch zu bleiben – wie wir unseren Garten/Balkonkasten/Friedhofsbeet gestalten!

Wie gewohnt, spannt Goulson den großen Bogen und erläutert zunächst alle bestäubenden Insektengruppen: Solitärbienen, Wespen, Schwebfliegen und andere Vertreter der Diptera, Käfer sowie Tag- und Nachtfalter werden je mit einigen Arten vorgestellt. Die Angaben zu Häufigkeit und Vorkommen stimmen nicht mit dem deutschsprachigen Raum überein, aber das mag an der Übersetzung liegen.

Gut die Hälfte des Buches ist aber botanisch orientiert und beschreibt, wie wir bestäubenden Insekten ein Festmahl bescheren können. Hervorzuheben ist Goulson’s Sternchen-Wertung, mit der er die Attraktivität der Pflanzen für Insekten wiedergibt, von *=gut bis ****=grandios. Dies resultiert aus seiner eignen Beobachtungen aber genauso aus biologischen Hintergründen, wie beispielsweise der Rüssellänge: Garten-Hummeln haben mit etwa 15mm den Längsten, wohingegen die Wiesen-Hummel mit nur 7mm einen eher kurzen Rüssel hat.

Borretsch-Jungpflanzen – von Goulson mit **** bewertet, also grandios! Borretsch, Borago officinalis, eine einjährige krautige Pflanze, die von Nektar trieft und über die Monate hinweg schier endlos blüht

Der Autor nennt die Pflanzen nicht nur (ein Kapitel über holzige, ein weiteres über krautige Pflanzen), sondern gibt auch Tipps zu Kultivierung und Vermehrung.
In zwei weiteren Kapiteln schreibt Goulson über Nisthilfen, ausführlich, korrekt und anwendungsorientiert.
Der rote Faden ist klar: Bestäuber-freundliche Bepflanzung geht überall, sei es die Pflanztaschen-Wiese auf dem Balkon, oder die voll-funktionale Wiese, die sich, wie der Autor beschreibt, auch gestalterisch und im Kleinformat in alle Gartengestaltungen optisch ansprechend einbinden ließe.

Gestalterisch ist das Buch aufgelockert und mit vielen gut illustrierenden Photos versehen, schönen Makroaufnahmen und übersichtlich gesetzten Tabellen.

Kritikpunkte: Die Übersetzung dieses Buches ins Deutsche beinhaltet nicht nur die Herausforderung für englische Trivialnamen das deutsche Pendant zu finden, sondern auch, die fachlich-wissenschaftlichen Inhalte z.B. zu Verbreitung genannter Tier- und Pflanzenarten zu überprüfen und auf die kontinentalen Bedingungen zu übertragen. Man sollte beim Lesen daher im Hinterkopf behalten, dass dieses Buch auf und für die Britischen Inseln geschrieben wurde und sich daher nicht wundern, wenn eine Pflanze oder ein Tier als häufig bezeichnet wird, das „bei uns“ eher als atlantische Besonderheit gilt. Dies fällt auch bei den Bezugsadressen oder den weiteren Leseempfehlungen auf. Aber über diese Übersetzungsunschärfe lässt sich angesichts der überwiegenden positiven und anwendungsorientierten Aspekte leicht hinwegsehen.

 

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