Wer sich ob des Buchtitels verwundert die Augen reibt und verdutzt auf die URL in der Adressleiste des Browser schaut, der kann beruhigt sein. Es ist immer noch das altbekannte Blog mit den Schwerpunkten Naturschutz und Botanik. Aber einmal ist immer das erste Mal und daher wird mit dem Buch „Boten des Wandels – den Störchen auf der Spur“ von Holger Schulz das erste Buch mit faunistischem Bezug im Blog vorgestellt. Das Thema Storch kommt nicht von ungefähr. Seit gut zwei Jahren brüten in meiner unmittelbaren Nähe Störche. Jedes Jahr finden sich zwei Alttiere ein und ziehen eine neue Generation dieser vermeintlich edlen Segler auf. Wieso vermeintlich? Das wird im Laufe des Textes noch zu klären sein.

Seit dem ersten Eintreffen der Störche in meiner direkten Nachbarschaft war es um mich geschehen. Klar, Weißstörche kannte ich bereits vorher und habe mich auch stets gefreut, wenn sie über mir vorbeizogen. Das richtige und tiefergehende Interesse kam aber erst in den letzen beiden Jahren auf. Also war es nur eine Frage der Zeit, bis ich dem Wissensdurst nachgab und damit begann, mich näher in die Welt von Meister Adebar einzulesen. Das Buch von Holger Schulz ist dafür überaus gut geeignet. Der Autor ist so etwas wie der Storchenpapa aus Norddeutschland und vermittelt Grund- und Fachwissen mit einer deutlich erkennbaren Kompetenz.

Die Weißstörche in meiner Nachbarschaft.

Aufgrund seiner Jarzehntelangen Arbeit mit den Störchen verfügt Holger Schulz über einen ungeheuer großen Sachverstand zur Thematik, welchen er eingängig und mit angenehmen Schreibstil an den Leser bringt. Einen Großteil seiner Laufbahn hat der Storchenflüsterer mit Feldarbeit verbracht und ist den Störchen in ihren unterschiedlichen Lebensräumen sehr nahe gekommen. Diese Zeit im Gelände macht den Hauptteil des Buches aus und ist zugleich dessen dominierende Stärke. Anstatt wie ein staubiges Fachbuch liest sich das Geschrieben wie ein Abenteuerroman. Reisetipps inklusive.

So wird zwar ein etwas stereotypisches Bild der Arbeit mit den Störchen vermittelt, mindert abder den Lesespaß keineswegs. Gerade die Passagen zu den Störchenzügen in die Winterquartiere sind eine absolute Freude. Schulz ist den eleganten Vögeln stets auf den Fersen. Mit seinem Team verfolgt er sie auf der westlichen und östlichen Zugroute bis nach Südafrika. Einfach nur klasse.

Während dieser Zeit beschreibt er ein Bild der Tiere, welches so gar nicht zu dem passt, was wir im teilweise verklärten Mitteleuropa von ihnen haben. So bevorzugen sie in Spanien lieber die organischen Abfälle von Müllkippen anstelle von Wiesen und Flussauen. Daher auch das „vermeintlich“ am Anfang des Beitrages. Was auf den ersten Blick durch aus befremdlich wirken kann, zeigt aber nur, dass die Weißstörche überaus effiziente Nahrungsopportunisten sind und es in der Natur keinen Unterschied macht, woher die Nahrung kommt, so lange sie vorhanden ist.

Holger Schulz beschreibt in seinem Buch das Leben der Störche auf eindrucksvolle Art und Weise.

Manche im Buch beschriebenen Situationen wirken stellenweise etwas aufgehübscht um noch etwas mehr Dramatik zu erzeugen. Dennoch gibt das Buch einen sehr guten Einblick in den praktischen Natur- bzw. Artenschutz. Der Autor wird dabei nicht müde, die Leistungen der Störche auf ihren langen Reisen zu erwähnen. So finden diese Tiere zielsicher die flugnotwendigen Thermiken, nutzen diese zur Kommunikation und finden auf diese Weise inmitten einer lebensfeindlichen Wüste die interessanten Flecken, an denen soch bspw. Heuschrecken tummeln und so das Überleben der weißen Segler sichern. Aber auch Besonderheiten hinsichtlich der Anpassungen an die extremen Temperaturen der Wüste werden erwähnt und beschrieben. Für mich wahres Neuland oder kennt ihr die bei Störchen gängige Praxis des „Beinkotens“?

Unter dem Strich ist ein überaus lesenswertes BUch herausgekommen, welches besonders Einsteigern in die Thematik (also Lesern wie mich) die Welt der Weißstörche näherbringt und zu den ein oder anderen Gedanken anregt.

Weißstörche früh am Morgen.

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