Auf dieses Buch bin ich rein zufällig gestoßen. Während der Lektüre eines anderen Blogs kam mir eine Empfehlung für das Werk „Die Vermessung der Welt“ von Daniel Kehlmann unter und so habe ich mir diesen Roman aus dem Rowohlt-Verlag einmal angesehen. Gelesen habe ich das e-Book und kann daher keine Aussagen zur Qualität der Printausgabe machen.

„Die Vermessung der Welt“ wird seitens der Kritiker als Meisterwerk gefeiert und konnte zum Zeitpunkt des Erscheinens durchaus ein paar Preise abgreifen. Gleich vorneweg, als Meisterwerk würde ich es ganz und gar nicht bezeichnen. Im Gegenteil, ich hatte öfters mit mir zu kämpfen und wollte es mehrfach aus der Hand legen. Grund für den aus meiner Sicht schweren Einstieg ist der Schreibstil. Der Autor verzichtet gänzlich auf wörtliche Rede und schreibt die Geschichte im Stile einer Erzählung mit indirekter Rede. Muss man mögen. Ich mag es nicht. Mir ist natürlich bewusst, dass eine Rezension mit etwas Positivem beginnen sollte, daher möchte ich die schönen Seiten des Buches nicht länger verschweigen, denn davon gibt es mehr als genug.

Die Geschichte dreht sich um die wohl klügsten Köpfe des 18. und 19. Jahrhunderts. Alexander von Humboldt und Carl Friedrich Gauß werden auf ihren Lebenswegen beschrieben und in humorvoller Weise zueinander in Beziehung gestellt. Genau in diesen Passagen kulminiert das Buch auf hervorragende Art und Weise. Die jeweiligen Handlungsstränge der Personen Gauß und Humboldt sind subtil und elegant miteinander verflochten und der Wechsel zwischen ihnen geradezu fließend. Ebenfalls erzeugt das bewusste Weglassen von Erklärungen oder Hintergründen eine überaus stimmige Atmosphäre und ich fühlte mich geradezu an den Geschehnissen beteiligt.

Besonders zum Ende hin trumpft der Autor nochmal auf und lässt aktuelle Umweltprobleme und die Geschicke der Menschheit nicht unkommentiert. Dies fügt sich wundervoll in den Verlauf der Geschichte ein und stimmt nachdenklich. Dennoch muss ich überlegen, ob ich das Buch uneingeschränkt empfehlen kann. Die meisten meiner Vorbehalten resultieren sicherlich daher, dass ich die Humboldt- Biografie von Andrea Wulf bereits gelesen habe und daher ein überaus hohes Vergleichsmaß habe. So viel ist sicher, mit Andrea Wulfs Werk kann das hier beschriebene Buch keinesfalls mithalten. Dafür ist es an vielen Stellen zu unsachlich und spart zu sehr mit Quellenangaben, so ist nie genau klar, was ist real belegt und was entstammt der Phantasie des Autors.

Unter dem Strich handelt es sich bei „Die Vermessung der Welt“ von Daniel Kehlmann um ein kurzweiliges Buch, welches (zum Glück) nur 200 Seiten umfasst und durch aus seine Momente aufweist, die, wenn einem „Alexander von Humboldt und die Erfindung der Natur“ von Andrea Wulf unbekannt ist, durchaus begeistern kann.