Viele von uns denken wahrscheinlich mit Unbehagen an Gottesäcker. Symbolisieren sie doch die letzte Ruhestätte, deren Bezug wir so lange wie möglich hinauszögern möchten. Ich selber streife immer mal wieder über Friedhöfe. Dies mache ich aber keineswegs aus morbiden Gründen heraus, sondern wegen der Botanik. Nicht wenige dieser Ruhestätte sind Refugien für seltene und gefährdete Pflanzen (und Tiere).

Genau diesen Umstand beschreibt Stefan Buczacki in seinem Buch „Earth to Earth: A Natural History of Churchyards“. Er beginnt bei den Ursprüngen der englischen Friedhöfe (und bezieht sich dabei nur auf solche, die direkt an einer Kirche angegliedert sind), schlägt den Bogen über die Rolle von Grabfeldern in der Landschaft und landes schließlich bei deren Rolle für den Naturschutz. Das kleine Büchlein beschreibt auf rund 160 Seiten ganz eindrucksvoll die Bedeutung von diesen oftmals insolierten Orten für Flora und Fauna. Gerade durch die isolierte Lage der Friedhöfe konnten sich Tier- und Pflanzenarten behaupten, die in der heutigen Umwelt keine oder nur wenig Chancen hätten, sich einen Lebensraum zu sichern.

Garniert wird der Text einerseits von stimmungsvollen Fotos sowie andererseits mit herausragenden Zeichnungen von Pflanzen und Tieren. Solche liebevollen Grafiken habe ich bisher nur in wenigen Büchern gesehen. Klar, der Autor bezieht sich auf die Friedhöfe seiner Heimat England und Wales, aber das Geschriebene gilt für Deutschland mindestens genauso. Leider werden hierzulande allerhand Kirchen und Kirchhöfe saniert. Damit verschwinden nicht nur Mauerritzen und tropfende Dachrinnen, sondern auch Mauerraute und Streifenfarn.

Das Büchlein kann ich euch aber uneingeschränkt empfehlen, wenn ihr der englischen Sprache mächtig seid, denn hin und wieder tauchen nicht ganz gebräuchliche Worte im Text auf, welcher sich aber ansonsten sehr gut lesen lässt.

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