Thomas Engst
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Unerwartet setzt sich der weltgrößte Eisberg wieder in Bewegung, wie Forscher berichten – dies ist das erste Mal seit drei Jahrzehnten. Aktuelle Satellitenbilder zeigen, dass der fast eine Billion Tonnen schwere Eisberg namens A23a relativ zügig an der Nordspitze der Antarktischen Halbinsel vorbeigleitet, unterstützt durch starke Winde und Strömungen. Die eindrucksvolle Eismasse, die eine Fläche von rund 4000 Quadratkilometern abdeckt (etwas weniger als das Doppelte des Saarlandes), hatte sich in den vergangenen Jahrzehnten größtenteils nicht bewegt, nachdem sie auf dem Meeresboden aufgesessen war. Die genauen Gründe für diese plötzliche Bewegung in der Antarktis bleiben laut Forschern unklar.

Experten, darunter Oliver Marsh vom British Antarctic Survey, spekulieren, dass der Eisberg im Laufe der Zeit möglicherweise etwas abgenommen und zusätzlichen Auftrieb erhalten hat, was es ihm ermöglicht, sich vom Meeresboden zu lösen und von den Meeresströmungen in Bewegung gesetzt zu werden. Es besteht die Möglichkeit, dass A23a vor den Südgeorgischen Inseln im Südatlantik erneut auf Grund laufen könnte. Diese Inseln sind ein bedeutender Lebensraum für verschiedene Robbenarten, Seeelefanten und Seebären, die dort ihre Jungen zur Welt bringen. Millionen von Pinguinen und Seevögeln brüten ebenfalls auf den Inseln und suchen in den umliegenden Gewässern nach Nahrung. A23a könnte ihnen den Zugang verwehren. Es besteht jedoch auch die Möglichkeit, dass der Eisberg weiter in Richtung Südafrika treibt und dort den Schiffsverkehr stört, so Marsh.

Obwohl A23a vorübergehend der zweitgrößte Eisberg auf den Weltmeeren war, nachdem A76 im Mai 2021 vom Filchner-Ronne-Schelfeis abgebrochen war und eine etwas größere Fläche von etwa 4320 Quadratkilometern hatte, übertraf A23a diesen Rekord bald wieder. Fachleute schätzen jedoch, dass ihm bald dasselbe Schicksal bevorstehen könnte wie dem Eisberg A76, der im Juni 2021 in drei Teile zerbrach: A76A, A76B und A76C (Quelle: Spiegel).