Gestern wollte ich mir die Orchideenblüte auf dem Wipperdurchbruch nahe des thüringischen Ortes Günserode ansehen. Bisher war der Mai immer ein Garant für eine farbenprächtige Ansammlung von Orchis pupurea, Orchis ustulata und Orchis militaris. Die Knabenkräuter sind das wohl bekannteste Highlight der Region.

Die Muschelkalkhochfläche der Hainleite stellt die nördliche Begrenzung der Ackerlandschaft des Thüringer Beckens dar. Charakteristisch ist die nach Norden abfallende, teils felsige Steilstufe und eine nach Süden sanft hügelig verlaufende, nahezu geschlossene Buchen- und Eichen-Hainbuchenwalddecke. Der überwiegende Teil des Gebietes besteht aus ausgedehnten Laubwäldern.

Die Trockenrasenlebensräume treten eher kleinräumig, in besonders steilen Hanglagen, z. B. im Wipperdurchbruch bei Günserode oder am Eichenberg bei Sondershausen auf. Dort findet man vor allem submediterrane Kalk-Trockenrasen. Die offenen Steilhänge an der Wipper, wo der Fluss die Muschelkalkplatte der Hainleite canyonartig durchbricht, zählen dabei wohl zu den arten- und strukturreichsten Lebensräumen der Randlagen des Thüringer Beckens.

Sie sind besonders durch ihre herausragenden Orchideen-Vorkommen bekannt. Subpannonische Steppenrasen treten nur vereinzelt auf. Weitere Standorte mit kontinentalen Trocken- und Halbtrockenrasen sind am Wächterberg bei Sachsenburg sowie am Filsberg und am „Großen Loh“ zwischen Hachelbich und Berka zu finden. Letztere sind zwei durch Erosion abgelöste und der Muschelkalkschichtstufe vorgelagerte Kalkberge im Wippertal.

Schon nach wenigen Metern im Gebiet wurde aber deutlich, dass es hier keine Orchideen mehr gibt. Die Trockenheit der letzen Tage und Wochen hatte ihren Tribut gefordert und die Flora ca. zwei Wochen früher als gedacht erblühen und vergehen lassen. Aber es grünten noch mehr bemerkenswerte Arten.

Gestaunt habe ich über Exemplare des Arznei-Haarstrangs (Peucedanum officinale). Bisher kannte ich diese Art nur aus den Auwiesen der Region Dessau-Roßlau. Ihn inmitten eines trockenen Kalkhanges zu sehen verblüffte mich. Ebenfalls ein ungewohnter weil unbekannter Anblick war ein Exemplar des schmalblättrigen Lein (Linum tenuifolium). Mit dieser Art habe ich mein selbst gestecktes Ziel, pro Exkursion eine mir unbekannte Pflanzenart zu entdecken, erfüllt.

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