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Es gibt Pflanzen, denen stelle ich bereits seit Jahren nach. Ich recherchiere alte und aktuelle Fundorte, suche diese auf und im besten Falle werde ich den gesuchten Blumen ansichtig. Wenn dies der Fall ist, zähle ich die Individuen und bewerte die Vitalität der Population. So verhielt es sich auch mit dem Sommer-Adonisröschen (Adonis aestivalis). Dieses Ackerwildkraut ist in Sachsen-Anhalt überaus selten und so dauerte es zwei Jahre, bis ich an einem anvisierten Fundort erfolgreich war.

Das Sommer-Adonisröschen wächst als einjährige krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von 20 bis 50 (bis 100) Zentimetern. Es wird eine Pfahlwurzel gebildet. Die an der Basis spärlich flaumig behaarten Stängel sind verzweigt oder unverzweigt. Die wechselständig am Stängel angeordneten, oft in seinem oberen Bereich konzentrierten Laubblätter sind lang gestielt bis mehr oder weniger ungestielt. Die Blattspreite besitzt eine Länge von etwa 3,5 Zentimetern bei den untersten Laubblättern, bis zu 6 Zentimetern bei den obersten Laubblättern und ist zwei- bis dreifach fiederschnittig. Die Blattoberfläche ist auf beiden Seiten kahl oder auf der Blattunterseite spärlich flaumig behaart. Bei den obersten Laubblättern sind die Blattspreiten einfach und linealisch bis lanzettlich-linealisch mit einer Breite von 0,4 bis 0,8 Millimeter.

Habitus von Adonis aestivalis.

Die Blütezeit von A. aestivalis erstreckt sich von Mai bis Juni. Die Blüten, welche eine rote und eine gelbe Färbung aufweisen können, stehen endständig und einzeln. Die zwittrigen Blüten sind bei einem Durchmesser von 1,5 bis 3,5 Zentimetern radiärsymmetrisch. Die an die Kronblätter angedrückt stehenden fünf Kelchblätter sind häutig, schmal rhombisch bis schmal eiförmig oder breit verkehrt-eiförmig und besitzen zwei Drittel der Länge der Kronblätter. Die sechs bis acht mehr oder weniger aufrechten, mehr oder weniger flachen Kronblätter besitzen eine Länge von 10 bis 17 Millimeter. Die Farbe der Kronblätter ist sehr variabel: von leuchtend purpurrot bis zinnoberrot oder selten orangefarben bis auch blassgelb, an ihrer Basis oft mit dunklem bis schwarzem Fleck. Es sind etwa 30 Staubblätter mit anfangs purpurfarben-schwarzen, später olivgrünen Staubbeuteln, vorhanden. Die 30 bis 40 freien Fruchtblätter sind schmal eiförmig.

Adonis aestivalis ist für seine roten Blüten bekannt.

Das Sommer-Adonisröschen ist von West-, über Mittel- sowie Süd- bis Osteuropa, in Nordafrika, von Kleinasien bis Mittelasien und im nordwestlichen Himalaja weitverbreitet. Es ist ein gemäßigt-kontinentales bis ost-submediterranes Florenelement.

Durch Herbizidanwendung und intensive Bearbeitung der Äcker ist es in Mitteleuropa stark zurückgegangen und sehr selten geworden; es tritt dort kaum noch in größeren Beständen auf, sondern meist einzeln und unbeständig. In Gebieten mit Kalkgestein kommt es noch zerstreut vor. In Deutschland tritt das Sommer-Adonisröschen seit der mittleren Bronzezeit als Getreide„unkraut“ auf und war früher häufig. In Deutschland kommt Adonis aestivalis nur noch im mittleren Gebiet zerstreut bis verbreitet vor, darüber hinaus ist es sehr selten oder fehlt ganz. Meist siedelt diese kalkliebende Art an Ackerrändern. Es besiedelt Getreidefelder, seltener Hackfruchtkulturen und Ödland.

Das gelbe Sommer-Adonisröschen (Adonis aestivalis var. citrinus) ist seltener als das orangerote Pendant und gilt in Deutschland als gefährdet.

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