Nachdem es in den letzten beiden Artportraits etwas kleiner zuging, kommt heute wieder mal ein richtig großes Kaliber. Die heute vorgestellte Art sticht nicht nur durch ihre Größe aus der Flur hervor, sondern auch durch ihr markantes Erscheinen. Seht ihr dieser Tage ein silbrig glänzendes Ungetüm von knapp 3 m Höhe, welches auch noch mit Dornen bewehrt ist, so handelt es sich sehr wahrscheinlich um Onopordum acanthium, die Gewöhnliche Eselsdistel.

Onopordum acanthium ist ein zweijähriger Hemikryptophyt und bildet im ersten Jahr eine Blattrosette mit tiefreichendem Wurzelwerk aus. Die oberirdischen Pflanzenteile erscheinen durch Totalreflexion des Lichts silbrig- bis weißfilzig.

Onopordum acanthium

Die Blattflügel der Stängel von Onopordum acanthium dienen der Stabilisierung der großen Pflanze im Sturm und auch der Wasserableitung direkt in den Wurzelbereich. Die Dornen halten Fressfeinde (vorrangig Paarhufer) von der Pflanze fern. Alle diese Merkmale können als xerophytische Anpassungen an trockene Standorte gedeutet werden.

Die Blütezeit reicht von Onopordum acanthium erstreckt sich von Juli bis August. In Sachen Bestäubung hat sich dieser Korbblütler (Asteracee) etwas spezielles einfallen lassen. Wegen der bis 12 mm langen Kronröhre können nur langrüsselige Besucher an den Nektar gelangen. Die bis 5 mm langen Griffeläste spreizen nicht, sondern wenden zur Reife allein ihre mit Papillen besetzten Außenränder. Dieses abweichende Verhalten einer Asteracee führt zu geringerer Verdunstung im Narbenbereich. Blütenbesucher sind neben Bienen-Verwandten, Wespen und Schmetterlingen auch Schwebfliegen, die den Pollen von den aus der Blütenkrone ragenden Staubbeuteln sammeln.

Onopordum acanthium

Die Früchte sind ölreiche Achänen, sie tragen einen wenigreihigen, gefiederten und hygroskopischen (nur bei Trockenheit spreizenden) Pappus und verbreiten sich deshalb als Schirmchenflieger. Dazu findet Adhäsionsausbreitung bei feuchtem Wetter statt, sowie Ausbreitung durch Ameisen und Ausbreitung als Kulturflüchter durch den Menschen. Die Samen sind langlebig, weisen also eine vieljährige Keimfähigkeitsdauer auf.

Die Gewöhnliche Eselsdistel stammt aus submediterranen, kontinentalen Gebieten in Europa und Kleinasien (Mittelmeerländern, asiatischen Regionen Russlands) und kommt neben ihren Ursprungsländern vereinzelt in ganz Europa vor und bevorzugt trockene Sommer auf sandigen Lehm- und Kalkböden. So kommt sie in Deutschland und angrenzenden Ländern als Ruderalpflanze z. B. am Wegrand (daher „Wegdistel“ im Niederländischen), auf Verkehrsinseln, Trockenwiesen und Feldern vor. In Teilen ihres Lebensraumes ist sie eine gefährdete Pflanze.

 

 

 

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