Gastbeitrag

Ein Text von Sebastian Schmalz, zuerst erschienen auf Nullius in Verba – Wissenschaft nach Niemandes Worten.

Zum 6. Mal befragt das Umweltministerium gemeinsam mit dem Bundesamt für Naturschutz die Deutschen nach ihrer Einstellung zu Themen rund um Umwelt und Naturschutz.
Wer die allgemeine Stimmung innerhalb der Bevölkerung kennt, den werden die Ergebnisse der Umfrage natürlich nicht wundern – wie zum Beispiel, dass über 90% der Befragten eine Zunahme von Solaranlagen auf Hausdächern befürworten.

Aber hier soll es nicht darum gehen, die Umfrage komplett zu analysieren, oder jede Unstimmigkeit zu kommentieren. Ich möchte mich auf Kapitel 6 beschränken, das sich mit Gentechnik in der Landwirtschaft (auch grüne Gentechnik genannt) befasst.

Wie gesagt, wer die Stimmung in Deutschland kennt, der dürfte auch die Ablehnung der Deutschen zum Thema Gentechnik zu genüge kennen. So zu tun als wäre ich überrascht, wäre also unaufrichtig.
Und doch habe ich mich über einige Fragen, bzw. über einige Antworten aufgeregt, weil ich sie als zu kurzsichtig empfinde, was wohl der verengten Debatte zur Gentechnik geschuldet ist.

Ich möchte also einige Fragen herauspicken, die in der Umfrage gestellt wurden, möchte diese ein wenig analysieren und so meinen Teil dazu beitragen, dass die Ergebnisse der Umfrage in zwei Jahren etwas anders ausfallen:

„Ich finde, der Mensch hat kein Recht, Pflanzen und Tiere gezielt gentechnisch zu verändern.“

 

Dieser Aussage stimmen 55% der Befragten „voll und ganz zu“, weitere 29% „stimmen teilweise zu“.
84% der Befragten erklären hier, dass sie die gezielte Veränderung des Erbguts von Pflanzen ablehnen.

Spielen wir ein kleines Spiel. Wer erkennt dieses Obst?

Quelle: Warut Roonguthai / CC BY-SA (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)

 

Hier sehen wir die ursprüngliche Form einer Banane. Bevor der Mensch damit begonnen hat, sie zu den heutigen, genießbaren Sorten zu züchten, bestand die Banane zum Großteil aus Kernen mit wenig Fruchtfleisch.

In diesem Bild sehen wir oben die Ursprungsform von Mais, auch Teosinte genannt. Wunderbar dargestellt ist der zeitliche Verlauf, in dem der Mensch die Pflanze zu den großen Maiskolben selektiert hat, die wir alle kennen.

Quelle: John Doebley / CC BY (https://creativecommons.org/licenses/by/3.0)

 

Weder die gelben Bananen, noch die dicken, reichhaltigen Maiskolben sind ein Produkt der Natur. Erst Jahrtausende der Züchtung durch den Menschen haben dafür gesorgt, dass sie die Form erhalten, die wir heute im Supermarkt kaufen können.

Nehmen wir noch ein Beispiel, dieses Mal gebe ich 4 Antwortmöglichkeiten vor

Quelle: Kulac / CC BY-SA (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.5)

 

Was hat die Menschheit aus dieser Pflanze gezüchtet?
A) Grünkohl
B) Brokkoli
C) Wirsing
D) Blumenkohl

Richtig sind alle Antworten. Der Mensch züchtete aus dieser kleinen Pflanze, genannt Brassica Oleracea, all diese Arten. Diese, und noch viele mehr. Rotkohl, Rosenkohl, Romanesco, Chinakohl, Kohlrabi, sie alle entstammen aus diesem kleinen, unscheinbaren Gewächs. Nur durch den menschlichen Einfluss, nämlich die gezielte Selektion der Pflanze nach unterschiedlichen Merkmalen, z.B. der Größe der Blätter oder der Dicke der Sprossachse, entstanden die modernen Sorten überhaupt, die wir heute im Supermarkt finden. Es gibt keinen Brokkoli in freier Wildbahn.

Nun ist die konventionelle Züchtung ein sehr zeitaufwändiger Prozess. Auch wenn zufällige Mutationen im Erbgut eines jeden Lebewesens ständig auftreten, sind die meisten von ihnen absolut bedeutungslos. Bis also eine nützliche Mutation in der Pflanze passiert ist, vergeht viel Zeit.
Manchmal ist das zu viel Zeit. Und genau aus diesem Grund hat der Mensch schon vor Jahrzehnten angefangen, die Entstehung zufälliger Mutationen zu beschleunigen. Zum Beispiel, indem man das Saatgut in mutagenen Chemikalien badet oder es radioaktiver Strahlung aussetzt. Diese Züchtungsform ist – im Gegensatz zur klassischen Kreuzung zweier Pflanzen – als Mutagenese bekannt.

Bald 60 Jahre dauert die Kooperation der Welternährungsorganisation und der internationalen Atomenergiebehörde bereits an, die durch den Einsatz von radioaktiver Strahlung auch heute noch auf der Suche nach verbesserten Nutzpflanzen sind. Aus dieser Kooperation sind seit Beginn über 3000 neue Sorten entstanden, von denen wir die meisten auch täglich im Supermarkt kaufen können. Diese Sorten bekommen ebenfalls problemlos das Bio-Siegel.
(Hier geht’s zur Datenbank, in der alle 3333 Sorten aufgelistet werden)

Die Strahlung steigert zwar die Rate, mit der die Mutationen auftreten, aber der zufällige Charakter bleibt. Früher wurde das bestrahlte Saatgut eingepflanzt und die daraus entstandenen Pflanzen wurden auf neue, sichtbare Merkmale untersucht (mittlerweile nutzt man dafür moderne biotechnologische Methoden). Anschließend müssen diese ausgewählten Pflanzen wieder neu in die bestehenden Linien eingekreuzt werden und zwar so lange, bis sie die gewünschten Eigenschaften vererbt haben.
Eine Untersuchung, ob diese neuen Sorten irgendwelche ungewollten Mutationen mit sich bringen, die für den Konsumenten schädlich sind, hat niemals stattgefunden.

Moderne Gentechnik eliminiert den Zufallsfaktor komplett, da sie die präzise Änderung einzelner Gene ermöglicht, den Rest des Erbguts allerdings in Ruhe lässt. Diese Präzision beschleunigt die Entwicklung neuer Sorten erheblich und das Ergebnis ist von dem der Mutagenese oder der klassischen Züchtung nicht zu unterscheiden.

Gentechnik kann einen wichtigen Beitrag bei der Entwicklung neuer Nutzpflanzen leisten, denn der Bedarf für neue Züchtungen besteht bis heute. So wie sich Krankheitserreger beim Menschen weiterentwickeln, tun sie das auch bei Pflanzen. Pflanzen nur resistent gegen Bedrohungen wie Schädlinge oder den Klimawandel zu machen, genügt dabei aber nicht. Die Sorten müssen ebenfalls an die Standorte angepasst sein, auf denen sie wachsen sollen und gleichzeitig einen sicheren Ertrag liefern. Diese Ergebnisse nur mithilfe der klassischen Züchtung oder der Mutagenese erreichen zu wollen, frisst Zeit, die wir nicht haben.

Wenn ich also lese, dass Menschen auf die Veränderung des pflanzlichen Erbguts eher ablehnend reagieren, kann ich nicht umhin, die Ironie zu erkennen. Erst die gezielte Veränderung des Erbguts hin zu effizienten Nutzpflanzen und die damit verbundene Nahrungsmittelsicherheit haben überhaupt für den Wohlstand gesorgt, der uns die Ablehnung neuer Züchtungen ermöglicht.

Kritiker könnten jetzt einwenden, dass in der Umfrage explizit von gentechnischen Verfahren die Rede war, zu denen die Mutationszüchtung laut Urteil vom europäischen Gerichtshof nicht zählt. Aber diese Unterscheidung ist absolut willkürlich und rein juristisch. Es gibt keinen Grund eine Form der genetischen Veränderung anders zu behandeln als eine andere. Insbesondere dann nicht, wenn neue Methoden der Gentechnik wie CRISPR/CAS9 um einiges effektiver sind, als die klassische Mutagenese. Wo man früher unzählige Mutationen im Erbgut rein zufällig erzeugte, kann moderne Gentechnik präzise bestimmte Genabschnitte verändern und so unerwünschte Mutationen verhindern.
Beim Endprodukt lässt sich nun nicht mehr feststellen, ob die Veränderung der Pflanze auf herkömmlichem Wege entstanden ist, oder mithilfe der modernen Gentechnik.

Wir sind noch nicht in der Lage, die langfristigen Folgen der neuen gentechnischen Verfahren abzusehen.“

Dieser Punkt wundert mich immer wieder am meisten. Bisher gibt es keine Idee, welche ominösen Folgen durch Gentechnik entstehen könnten, die man nicht ebenfalls mittels gängiger Züchtungsverfahren auslösen könnte.

Gelegentlich wird vor Monokulturen gewarnt, die es allerdings weltweit zu genüge gibt, ganz ohne Gentechnik. Befürchtet wird vielfach auch, dass Landwirte dann darauf angewiesen sind, jährlich neues Saatgut zu kaufen. Aber auch das passiert bereits beim Hybridsaatgut. Es gibt quasi keine Landwirte mehr, die ihr eigenes Saatgut noch selbst züchten.

Manchmal höre ich von Menschen, die glauben, GMOs würden vielleicht in 50 Jahren bei Leuten zu Krebs führen, was eine völlig abstruse Befürchtung ist. Abgesehen davon, dass weltweit Milliarden Mahlzeiten mit gentechnisch modifizierten Pflanzen von Menschen und Tieren verzehrt wurden und in all den Jahren keine negativen Effekte beobachtet werden konnten, sind es nach wie vor völlig normale Pflanzen. Es gibt keinen denkbaren Mechanismus, der erklärt, wie Gentechnik in Pflanzen Krebs beim Menschen auslösen kann. Diese Angst rangiert auf demselben Niveau, wie die Angst, von Impfstoffen Autismus zu bekommen.

Wenn Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bestätigen, dass die neuen gentechnischen Verfahren sicher sind, vertraue ich ihnen

61% der Befragten stimmen dieser Aussage nicht zu. Es ist ein alter Hut, dass Menschen ihre Meinung nicht ändern, auch wenn sie mit Fakten konfrontiert werden. Trotzdem verwirrt mich diese doch recht hohe Zahl, da es sich bei der Wissenschaft, die die Sicherheit von GMOs bestätigt und der Wissenschaft, die uns vor dem Klimawandel warnt, um ein und dieselbe Wissenschaft handelt, denn die Art und Weise, auf die Erkenntnisse zum Klimawandel gewonnen werden, ist für Gentechnik genau die gleiche.

Vielleicht liegt ein Teil der Schuld am Wissenschaftsjournalismus. Wenn Laien mit Wissenschaft konfrontiert werden, dann meist durch die Aussage einer Einzelperson, meistens eines Professors. Im schlimmsten Fall kommt danach ein anderer Professor dran, der das genaue Gegenteil predigt.
Im Falle von COVID-19 führt das dann dazu, dass Menschen die Aussagen von Christian Drosten ablehnen, weil Wolfgang Wodarg was anderes sagt.
Dabei sind die Aussagen einer (vermeintlichen) Autorität genau das Gegenteil von Wissenschaft. Wissenschaft basiert nicht auf einem Haufen Experten, die sich zusammentun und über ein Thema debattieren, bis sie sich einig sind. Es ist keine Talkshow, bei der unterschiedliche Argumente das gleiche Gewicht haben und man sich am Ende für die Seite entscheiden kann, die einem besser gefällt. Der wissenschaftliche Erkenntnisgewinn bildet die Grundlage unserer modernen Gesellschaft. Dabei versuchen Wissenschaftler, spezifische Fragestellungen durch Experimente zu beantworten und die Ergebnisse wiederholt zu falsifizieren. Das Wissen, das daraus entsteht, bildet den wissenschaftlichen Konsens. Und der ist bei Gentechnik klar. GMOs sorgen für mehr Ertrag, verringern den Pestizideinsatz und sichern das Einkommen der Landwirte.
Bei der Auswertung ihrer zwischen 2000 und 2010 geförderten GMO-Forschungsprojekte kam die EU-Kommission zu ähnlichen Schlüssen. Gentechnik wurde wieder und wieder als sinnvolle Ergänzung zur modernen, umweltschonenden Landwirtschaft erklärt.
Selbst der Weltklimarat, das IPCC, erklärt, dass Biotechnologie und Gentechnik das Potenzial besitzen, den Folgen des Klimawandels zu begegnen.
Aber egal wie viele Studienergebnisse ich aufzähle, das Gefühl, GMOs seien etwas unnatürliches, das Menschen nicht konsumieren sollten, kann ich dadurch nicht auflösen.

Um das zu tun, müssen wir die Art und Weise verändern, auf die über Wissenschaft geschrieben wird. Statt fertige Ergebnisse zu publizieren, müssen wir den Menschen auch Grundlagen vermitteln.
Es ist wie in der Kfz-Werkstatt. Wer dem Meister erklären will, wie er das Auto zu reparieren hat, der sollte zumindest wissen, wie das Auto überhaupt funktioniert. Und wer nichts von seinem Auto versteht, der wird auch nicht wissen, wann er an einen schlechten Mechaniker geraten ist.

Wer den Einfluss des Menschen auf den Klimawandel leugnet, der findet heute auch keinen Platz mehr in der öffentlichen Debatte. Erst recht nicht, wenn diese Person den Treibhauseffekt nicht mal erklären kann.
Eine ähnliche Form von mangelndem Faktenwissen sehe ich auch in den Ergebnissen der Umfrage. Wer nicht weiß, was ein Gen ist und wie die Umwandlung von DNA in Proteine funktioniert, wer nicht weiß, was in der Pflanzenzucht passiert und wie häufig Mutationen auftreten (auf einem ein Hektar großen Weizenfeld finden sich z.B. immer rund 20 Milliarden Mutationen, die einfach so entstehen), der kann auch nicht drauf pochen, dass seine Meinung auf Augenhöhe mit den wissenschaftlichen Fakten geführt wird.

Ein ähnliches Ergebnis, nämlich die scheinbar willkürliche Ablehnung von Pflanzenzüchtung zeigt der Technikreport 2020. Hier wurde nämlich auch nach Gentechnik gefragt.

Und wer hätte das gedacht? Am kritischsten sehen die Befragten die Mutationszüchtung, die Ablehnung der Gentechnik kommt erst an zweiter Stelle. Dass ausschließlich die konventionelle Züchtung so umfassend akzeptiert wird, dürfte wohl dafürsprechen, dass die Menschen noch ein romantisiertes Bild der Landwirtschaft vor Augen haben. Welche Methoden zur Pflanzenzüchtung in den letzten Jahrzehnten etabliert wurden und warum diese Methoden angewendet werden mussten, muss dringend mehr in den Vordergrund der Diskussion rücken.

Und genau diese Erklärungen muss die Wissenschaftskommunikation liefern. Nicht jeder muss was von Gentechnik und Landwirtschaft verstehen. Aber wer wirklich in der Lage sein will, Argumente nachzuvollziehen und nicht nur zu glauben, der kommt ohne Verständnis der Grundlagen nicht weit.
Natürlich kann man die Leute nicht dazu zwingen, sich umfassend zu informieren, aber im schlimmsten Fall haben wir interessierten Laien ein paar Grundlagen an die Hand gegeben, auf denen sie aufbauen können. Und wenn es uns dadurch gelingt, die Diskussion über Gentechnik von den üblichen Plattitüden über Monsanto und Genmais weg zu bewegen und eine nuancierte Debatte zu forcieren, dann ist schon viel erreicht.

Kommen wir zum großen Finale.

„Ich bin der Meinung, dass Gentechnik in der Landwirtschaft ein wichtiger Baustein bei der Bekämpfung des Welthungers ist.“

Bei aller Liebe und bei allem Verständnis für die Verfehlungen bei der Kommunikation zu gentechnisch modifizierten Pflanzen ist das für mich der Punkt der Umfrage, bei dem ich nicht weiß, was ich dazu noch sagen soll. 58% der Befragten stimmen dieser Aussage nicht zu.

Ja, dass die Diskussion über Gentechnik quasi ausschließlich über Genmais geführt wird, ist zu einem nicht unwesentlichen Teil die Schuld des Journalismus. Aber jeder, der sich auch nur ein bisschen für Gentechnik interessiert, findet kinderleicht Informationen darüber, wie Gentechnik das Leben von genau den Menschen verbessern kann, die am dringendsten auf zuverlässiges Saatgut angewiesen sind.

Jedes Jahr erblindet weltweit eine halbe Millionen Kinder, weil sie nicht genügend Vitamin A zu sich nehmen können. Auf den Philippinen wurde deshalb eine neue Reis-Variante mittels Gentechnik gezüchtet, die Beta-Carotin, produziert, das im Körper zu Vitamin A umgewandelt wird. Und seit die Pläne für diesen Reis öffentlich wurden, haben ihn Gruppen wie Greenpeace aufs äußerste bekämpft, egal wie überwältigend die wissenschaftlichen Ergebnisse zum Golden Rice sind. Aber auch der offene Brief, in dem 121 Nobelpreisträger Greenpeace auffordern, ihre Opposition zum Golden Rice zu beenden, führte bei Greenpeace nicht zu einem umdenken.

Trotz dieser Opposition, die die Markteinführung des Golden Rice um Jahre verzögert hat, kam nun endlich die Zulassung als Nahrungsmittel. Und wenn den Landwirten die Freigabe zum Anbau erteilt wird, bekommen sie das Saatgut kostenlos, dürfen es frei anbauen, das Saatgut vermehren, und beides frei verkaufen. Lediglich der Export in andere Länder ist verboten.

In Bangladesch ist man einen Schritt weiter und will den Reis auch für den Anbau in der Landwirtschaft zulassen.
Bangladesch erlaubt zudem schon seit Jahren den Anbau von BT-Auberginen. Diese Auberginen enthalten Gene eines Bakteriums, das ganz natürlich in allen möglichen Böden vorkommt und Toxine produziert, um die Wurzeln der Pflanzen, auf denen es lebt, vor Insekten zu schützen. Dieses Bakterium darf sogar im Bio-Landbau als Pflanzenschutzmittel versprüht werden. Der Vorteil liegt darin, dass die Toxine sehr spezifisch wirken. Einzelne Toxine wirken nur auf einzelne Insektenarten und lassen andere in Ruhe. Auf den Menschen haben diese Toxine absolut keine Wirkung, da unser Körperbau sich zu sehr von dem der Insekten unterscheidet. BT-Auberginen produzieren dieses Toxin und setzen es gezielt gegen die Schädlinge frei, die an ihm knabbern. Dadurch muss der Landwirt weniger Pflanzenschutzmittel ausbringen. Das spart Geld und schont die Gesundheit der Bauern.

Ähnlich sieht es auch in Nigeria aus. Hier wurden BT-Kuhbohnen zum Anbau zugelassen, die gegen den Bohnenzünsler resistent sind, der jährlich für bis zu 80% der Ernteausfälle bei Kuhbohnen verantwortlich ist.

In Uganda haben rund 30% der Kinder unter 5 Jahren ein Vitamin-A-Defizit. Die meisten im Westen des Landes, wo Bananen angebaut werden. Um sicher zu stellen, dass die Menschen, die von den Bananen leben, auch genügend Nährstoffe bekommen, wird 2021 in Uganda eine Bananensorte zum Anbau zugelassen, die Vitamin A produziert. Die Gene zur Produktion von Vitamin A wurden dabei von einer anderen Bananenpflanze entnommen, die zum Verzehr durch den Menschen nicht geeignet ist.

Wenn wir den Blick von Europa und der westlichen Welt abwenden, sehen wir recht schnell, wo Gentechnik seinen Beitrag leisten kann. Dabei lösen diese Pflanzen sicherlich nicht alle Probleme, das war nie das Ziel. Aber sie lösen das dringendste. Das Problem, hinter dem alle anderen Probleme anstehen müssen. Sie helfen dabei, die Ernährung der Menschen zu sichern.

Am Ende ist moderne Gentechnik eine Züchtungsmethode wie jede andere. Die Sonderbehandlung, die sie erfährt, basiert nicht auf faktischen Gründen, sondern auf einem romantischen Blick auf eine vergangene Landwirtschaft, die es so nie gab, gepaart mit diffusen Ängsten, denen man mit gründlicher Aufklärung begegnen muss.

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