Das vergangene Wochenende war keineswegs mehr so sonnig und frühlingshaft wie das vorangegangene. Die Temperaturen lagen im mittleren einstelligen Bereich und es wehte ein kühler Wind durch den Harz. Alles in allem aber kein Grund, nicht zu wandern. So ging es diesmal in die Umgebung der heimlichen Harzhauptstadt Thale. Thale zu finden ist nicht gerade schwer, die Scharen an Touristen zeigen zuverlässig den Weg. Auch bei so tristem Wetter wie am Wochenende. Besonders die Ausflugsziele nahe der Roßtrappe sind überlaufen. Gefällt mir nicht. Also schnell in den Wald und weg von den Massen.

Das erste Ziel des Tages war die La Viershöhe (Stempelstelle 72). Von der La Viershöhe hat man einen herausragenden Blick auf das Bodetal und die dahinter aufragenden Felsen. Am besten erkennt man die bizarren Felsformationen im zeitigen Frühjahr, wenn einem der grüne Bewuchs noch nicht die Sicht nimmt. Sieht man dann noch ein paar Greifvögel Futter suchend über der Schlucht kreisen, versteht man warum das Bodetal bereits im März 1937 unter Naturschutz gestellt wurde. Der Name der Höhe erinnert an den Oberförster La Viers, welcher im 19. Jahrhundert der ranghöchste Forstbeamte für den Bereich der Harzer Forstgebiete war. La Viers, entstammt möglicherweise einer hugenottischen Familie. Da er öfters im Bodetal zur Jagd war, erkannte er schon früh die Schönheit dieser Landschaft und regte an für die Touristen Wanderweg zu schaffen. Gefühlt bekommt so ziemlich jeder Oberförster im hat sein Denkmal oder Aussichtspunkt. An sich eine nette Geste. Ob das heute immer noch so ist?

La Viershöhe bei Thale (Stempelstelle 72 der HWN).

Nicht weit von dieser Stempelstelle entfernt, befindet sich mit der Prinzensicht die Stempelstelle #70. Dieser schöne Lug ins Land sorgte für den zweiten Stempel des Tages. Von der Prinzensicht mit seinen zwei Aussichtspunkten hat man einen wundervollen Blick auf das 200 m tiefer liegende Bodetal. Auf der gegenüberliegenden Talseite erblickt man ein Kreuz, welches zu Ehren des im Ersten Weltkrieg gefallenen Freiherrn Hellmuth zu Bibra errichtet wurde. Ohne das sommerliche Laub bieten die umliegenden Wälder einen direkten Blick auf die schroffen Felsen. Dadurch wirkt die Landschaft deutlich karger und unwirtlicher als im Sommer. Ein Anblick, der mir durchaus zu gefallen weiß.

Die Prinzensicht bei Thale (Stempelstelle 70 der HWN).

Blick über das Bodetal.

Der dritte Stempel der heutigen Tour wanderte bei Stempelstelle 68 in mein Wanderheft. Hinter dieser Nummer verbirgt sich das „Pfeil“-Denkmal und erinnert an Wilhelm-Pfeil, ein, wie kann es anders sein, weiterer verdienstvoller Forstmann des Harzes. Wilhelm Pfeil war ein forstlicher Praktiker, Forstwissenschaftler und Schriftsteller. Er leitete       ab 1830 die Höhere Forstlehranstalt in Eberswalde und gab 24 Bücher und 700 forstliche Abhandlungen heraus. Trotz seiner zahlreichen Veröffentlichungen und seiner Kenntnis der gesamten damaligen forstlichen Fachliteratur stellte Pfeil das scharfe „Beobachten der Natur“ und das Sehen lernen über alles theoretische Wissen: „Der Mangel an Beobachtung kann durch bloße Spekulation nie ersetzt werden.“ Das führte ihn zu seiner berühmten Maxime: „Fragt die Bäume wie sie erzogen sein wollen, sie werden Euch besser darüber belehren als es die Bücher thun.“ Ganz in der Nähe steht das Dammbachhaus, die ehemalige Jagdresidenz des Kronprinzen Wilhelm von Preußen. Zu sozialistischen Zeiten nutzte es auch Staatschef Erich Honecker als Jagddomizil. Mittlerweile ist das Dammbachhaus grundlegend saniert worden und dient als Gästehaus im Grünen mit einem grandiosem Blick zum Brocken.

Das „Pfeil“-Denkmal bei Thale (Stempelstelle 68 der HWN).