Stefanie Weigelmeier
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von Stefanie Weigelmeier. –

Jenseits der Möglichkeiten, die mensch hat, das private Umfeld naturfreundlich zu gestalten, sind öffentliche Flächen ein Raum, in dem per se (oder qua § 2 (4) BNatSchG) Naturschutz Vorrang haben sollte.

Eine Art der öffentlichen Flächen, um die es in diesem Beitrag gehen soll, ist der Friedhof.

Gesetz über Naturschutz und Landschaftspflege (Bundesnaturschutzgesetz – BNatSchG)
§ 2 Verwirklichung der Ziele
(1) Jeder soll nach seinen Möglichkeiten zur Verwirklichung der Ziele des Naturschutzes und der Landschaftspflege beitragen und sich so verhalten, dass Natur und Landschaft nicht mehr als nach den Umständen unvermeidbar beeinträchtigt werden.
(…)
(4) Bei der Bewirtschaftung von Grundflächen im Eigentum oder Besitz der öffentlichen Hand sollen die Ziele des Naturschutzes und der Landschaftspflege in besonderer Weise berücksichtigt werden.

Anfang 2020 hatte ich die Gelegenheit, für den wunderbaren Jakob Grabow-Klucken und sein BUND-Projekt „Ökologische Nische Friedhof“ auf dem Friedhof Stocken in Hannover einen kleinen Workshop zum Thema Totholz zu gestalten.

Ziel war es betriebsinegrierte Möglichkeiten aufzuzeigen, wie ohne viel Mehraufwand naturschutzfachliche wertvolle Strukturen geschaffen werden können. So entstanden eine Totholzpyramide in der Nähe einer besonnten, Wildkräuter-reichen Offenfläche und das Gerüst einer Benjeshecke, die nach und nach mit anfallendem Strauchschnitt gefüllt und von Vögeln, Insekten, Igeln & Co genutzt werden kann.

In der Broschüre des BUND finden sich viele Beispiele, wie Friedhöfe insbesondere im Hinblick auf Wildbienen gut gestaltet werden können.

Möchte man hier noch weiterdenken, dann stößt man unweigerlich auf das Thema „fair gehandelter Grabstein“ oder den Mähroboter.

Hier und hier finden sich Möglichkeiten, das private Umfeld naturfreundlich zu gestalten.

Nicht nur Friedhöfe können wertvolle ökologische Trittsteine sein, auch Kirchtürme sind gern genutzte Rückzugsorte unterschiedlichster Tierarten. Turmfalken, Schleiereulen oder Dohlen, um nur ein paar Vogelarten zu nennen, Fledermäuse und natürlich zahlreiche andere unscheinbare Organismen nutzen im ländlichen Umfeld v.a. Kirchtürme, und andere ähnlich hohe Steinbauten auch im urbanen Bereich, als Rückzugsort. Die ähneln in vielen Eigenschaften den Habitaten, welche die Tiere in der Natur aufsuchen würden: Felsen, Felsspalten, Höhlen – exponiert und gut geschützt.

André Lecke, Pfarrer einer beschaulichen nordhessischen Gemeinde hat nicht nur Turmfalken und eine an die 1.000 Tiere zählende Mausohr-Wochenstube, sondern in diesem Jahr auch Nilgänse.
Letztes Jahr hatten die Turmfalken in der ersten Brut neun Nestlinge. Eines davon schwächelte bald und der Pfarrer entdeckte eine neue Leidenschaft: er zerteile Hühnerküken und Mäuse und fütterte das Turmfalken-Junge (Zitat: „Unter meinem Dach stirbt niemand“).

Im Jahr 2021 gibt es einen Live-Stream ins Turmfalken-Nest: LIVE

 

In diesem Sinne – aufräumen mit Fehldeutungen und Übersetzungsfehlern:
Macht euch der Erde Untertan.

weiterführendes Material:
BUND-Proschüre Ökologische Nische Friedhof

ANL – Friedhöfe – Oasen für Pflanzen und Tiere

Udo Jürgens – Die Krone der Schöpfung

 

aus: NABU – Lebensraum Kirchturm