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Meine Heimatstadt Chemnitz ist zur Kulturhauptstadt Europas gewählt worden. 2025 ist es dann soweit und die Ernennung soll gebührend gefeiert werden.

Bis dahin haben sich die Stadt und diverse Akteure eine Menge vorgenommen. Projekte mit Nachhall sollen bis dahin umgesetzt werden. Unter anderem sollen im Stadtgebiet bis zu 2.000 Apfelbäume gepflanzt und diverse Blühwiesen angelegt werden.

Das Schild verkündet Großes aber es fehlte den Akteuren an Wissen und langfristigem Interesse.

Diese Wiesen sollen für die Vielfalt stehen, welche in Chemnitz (auf dem Papier) großgeschrieben wird und einen Beitrag zum Schutz der Artenvielfalt leisten. So zumindest hatte es im letzten Jahr den Anschein.

Die Chemnitzer Wirtschaftsförderungs- und Entwicklungsgesellschaft mbH (CWE) sollte sich um die Umsetzung der Pläne und Vorhaben machen. In Gesprächen im letzten Jahr, glänzten die Verantwortlichen aber mit jeder Menge Nichtwissen und Naivität.

So war die Auswahl des Saatgutes alles andere als artenfreundlich, sondern sollte „in erster Linie optisch auffallen“. Auch hatte sich die CWE keinerlei Gedanken um die Wiesenpflege gemacht. Einmal ausgesät, war die Wiese aus dem Sinn.

Inzwischen ist die CWE zu großen Teilen aufgelöst worden und kümmert sich um andere Dinge in der Stadt. Die Wiesen dümpeln nun vor sich hin. Auf dem Papier haben sie einen Haken und im öffentlichen Interesse keinen Eindruck hinterlassen. Nun, ein Jahr später, frage ich mich, was aus den großen Plänen der vermeintlichen Kulturhauptstadt geworden ist? Also besuchte ich die einst blühenden Flächen und was soll ich sagen, das Ergebnis ist (wieder einmal) typisch für eine Stadt, welche sich seit über 15 Jahren zwischen Identitätskrise und Stillstand bewegt.

Von der Blütenpracht und Farbfülle des letzten Jahres ist nichts mehr übrig geblieben. Die Schöngeister hatten ihren Moment mit der Presse und sind weitergezogen. Ähnlich spurlos wird auch das Jahr 2025 an Chemnitz vorübergehen und nach kurzer Zeit suhlt sich die Stadt wieder in ihrem eigenen Saft und kehrt zurück ins Mittelmaß.