In der Botanik gibt es allerhand Schätze, denen ich gerne von Angesicht zu Angesicht begegnen möchte. Jedes Jahr nehme ich mir ein solches Kleinod vor, recherchiere Fundorte, Habitatansprüche und Blühzeiträume. Ist die Zeit reif, suche ich alle mir bekannten Standorte ab und hoffe auf einen (Wieder)Fund. In diesem Jahr habe ich gleich zwei solcher Wunschkandidaten für mein Fotoherbarium. Die Schachbrettblume (Fritillaria meleagris) ist ein solcher Schatz in diesem Jahr gewesen. Diese Art der feuchten und nassen Wiesen ist in Sachsen-Anhalt nahezu ausgestorben und kommt in ihrer Wildform lediglich auf wenigen Stellen im Norden des Landes vor. Leider sind dort ihre Individuenzahlen sehr gering und im Schwinden begriffen.

Die Schachbrettblume (Frittillaria meleagris) in ihrem natürlichen Lebensraum in Sachsen-Anhalt.

Durch den kalten und nassen April lässt die Natur sich in diesem Jahr Zeit und hängt ihrer „normalen“ Entwicklung ca.. zwei Wochen hinterher. Dies war auch der Grund warum ich den recherchierten Standort zweimal vergeblich aufsuchte. Für gewöhnlich erreicht die Schachbrettblume ihre Vollblüte um den 17. April herum. In diesem Jahr war davon noch nichts zu sehen. Erst gut vierzehn Zage später wurde meine Hartnäckigkeit belohnt. Schon aus einiger Entfernung sah ich die Wiese in einem dunkellila Farbton erstrahlen. Eine Wonne für meine Augen.

Wie es sich gehört, hielt ich mich am Rande der Population auf und machte machte meine Bilder vom Rand der Fläche. Kein Bild der Welt ist es wert, dafür die Natur zu zertrampeln. Nachdem die Bilder im Kasten waren, ließ ich meinen Gedanken freien Lauf und genoss die Einsamkeit der Altmark. Sachsen-Anhalts Norden besticht durch Einsamkeit und Weite. Für die Menschen da oben nicht immer das Gelbe vom Ei, für mich eine Wohltat. Den gesamten Tag über traf ich keine andere Menschenseele. So kann es häufiger sein. Natur- und Kulturlandschaft, mehr brauche ich nicht.

 

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