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Den ganzen Sommer über bin ich in den verschiedensten Naturräumen unterwegs und arbeite in und mit der heimischen Flora. Aus dieser Position heraus bekomme ich den Jahresverlauf praktisch aus erster Hand mit und erlebe ihn in all seinen Facetten. Unweigerlich macht man das Voranschreiten des Jahres an den blühenden Pflanzen fest und teilt es so in zeitlich aufeinanderfolgende Abschnitte. Die Natur aber kennt keine solcher Zeiträume. Sie macht ihr eigenes Ding und hält hin und wieder eine Überraschung parat.

Frühjahrspflanzen im Spätsommer

Als ich letzte Woche eines meiner Gebiete im Harz durchstreifte, staunte ich nicht schlecht. Da blieben meine Augen doch an zwei vertrauten Farbtupfern hängen und brachten mich ins Grübeln. Schnell die Botanikerhaltung eingenommen und auf Knien herangerutscht. Tatsache, vor mir standen mehrere Vertreter von Veronica spicata (Ähriger Ehrenpreis) und Pulsatilla vulgaris (Gewöhnliche Kuhschelle).  An sich blühen diese Arten im April bis Juni und haben maximal im Juli ihre Blütezeit überschritten. Wie konnte das also sein? Die Antwort ist ganz einfach. Naturschutz. Auf den Flächen wird seit Neuestem eine historische Nutzungsweise imitiert und die über das Jahr gewachsene Biomasse im Spätsommer abgemäht. Dadurch wird die Fläche lichter und der Konkurrenzdruck innerhalb der Arten wird gemindert. So können es manche Exemplare noch zu einer zweiten Blüte im Jahr schaffen und bilden einen farbenfrohen Abschluss. Schön oder?

Pulsatilla vulgaris

Veronica spicata

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