Der Anbau ökologischer Weihnachtsbäume ist bislang eine Nische. Weniger als ein Prozent der etwa 21 Millionen in Deutschland verkauften Weihnachtsbäume wird nach ökologischen Richtlinien erzeugt. Das Angebot steigt jedoch: Laut dem Umweltverband Robin Wood hat sich die Anzahl der Verkaufsstellen für Ökoweihnachtsbäume von weniger als 100 im Jahr 2012 auf über 500 im Jahr 2018 erhöht

„Die starke Angebotszunahme ist vor allem auf das steigende Umweltbewusstsein der Verbraucher zurückzuführen“, sagt Franziska Blind Fachberaterin für den Anbau ökologischer Weihnachtsbäume. Laut Blind wollen außerdem auch immer mehr Anbauunternehmen weg vom hohen Pflanzenschutzmitteleinsatz.

Einige Ökoweihnachtsbaumanbauerinnen und -anbauer setzen auf Schafe zur Unkrautregulierung. Quelle: Weihnachtsbaumhof Schulte-Göbel

Damit ein Baum als „öko“ oder „bio“ vermarktet werden darf, muss er zuvor auf einer ökologisch zertifizierten landwirtschaftlichen Anbaufläche gewachsen sein. Weihnachtsbäume aus dem Wald können dagegen nicht ökozertifiziert werden, da der Wald in den EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau nicht berücksichtigt wird.

Mit dem ökologischen Anbauverband Naturland und dem Verband FSC (Forest Stewardship Council) gibt es zwar auch Organisationen, die eine Zertifizierung von Wald nach ökologischen Richtlinien anbieten. Nichtsdestotrotz dürfen Weihnachtsbäume, auch wenn sie aus solchen Wäldern stammen, nur als „Weihnachtsbaum aus nachhaltiger Erzeugung“ und nicht als „öko“ oder „bio“ vermarktet werden.

Ökoweihnachtsbäume fallen unter die Dauerkulturen, für die laut EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau eine Umstellungszeit von 36 Monaten gilt. Die Umstellung beginnt mit dem Tag der Anmeldung bei der Ökokontrollstelle. Ab diesem Zeitpunkt müssen die EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau eingehalten werden. Zusätzlich können sich Anbauerinnen und Anbauer (bspw. Fair Trees) von Weihnachtsbäumen auch noch einem ökologischen Anbauverband anschließen, dessen Richtlinien sie dann zusätzlich einhalten müssen.

Achtung: Eine Ökoförderung, wie sie Ökobetriebe im Allgemeinen für ihre ökologisch bewirtschafteten Flächen erhalten, gibt es für den Ökoweihnachtsbaumanbau nicht!

Etwa 80 Prozent aller in Deutschland verkauften Bäume sind Nordmanntannen. Die Nordmanntanne ist damit der mit Abstand beliebteste Weihnachtsbaum der Deutschen. Sie hat eine gleichmäßige Wuchsform, weiche, sattgrüne Nadeln und einen angenehmen Duft. Außerdem nadelt sie wenig. Neben der Nordmanntanne hat nur noch die Blaufichte mit 15 Prozent eine größere Bedeutung.

Das Saatgut der Nordmanntanne stammt fast ausschließlich aus Georgien. Es wird aus den Zapfen gewonnen, die georgische Arbeiterinnen und Arbeiter aus der Spitze der rund 30 Meter hohen Bäume pflücken. Die Herkünfte – bei Nordmanntannen spricht man nicht von Sorten – unterscheiden sich meist in der Wuchsform (breit oder schlank), dem Zeitpunkt des Austriebs (spätfrostgefährdet, oder nicht), der Nadellänge und der Nadelfarbe. Ausgesät werden die aus Georgien importierten Samen vorwiegend in Forstbaumschulen in Deutschland und Dänemark. Von dort werden sie dann als wurzelnackte Setzlinge verschiedener Altersklassen an die Erzeugerinnen und Erzeuger verkauft.

Um einen Wachstumsvorsprung gegenüber Unkräutern zu haben, empfiehlt es sich für ökologisch wirtschaftende Betriebe Setzlinge zu verwenden, die vier Jahre alt sind. Sie sind 15 bis 35 Zentimeter hoch und haben ein ausreichend starkes Wurzelwerk.

Ob ökologisches Pflanzgut verfügbar ist, kann über die Datenbank OrganicXseeds.de abgefragt werden. Bei Nichtverfügbarkeit dürfen in der Regel auch konventionelle Setzlinge verwendet werden. Dies ist allerdings von Bundesland zu Bundesland verschieden geregelt und sollte daher vorher mit der zuständigen Kontrollstelle abgesprochen werden.

Gepflanzt wird am besten im Herbst. Im Frühjahr kann zwar auch gepflanzt werden, aufgrund der zunehmenden Frühjahrstrockenheit, kommt es bei solchen Bäumen nicht selten zu Ausfällen.

Bewährt hat sich ein Pflanzabstand von 1,20 Meter mal 1,20 Meter. Anbauer die sich für eine mechanische Unkrautregulierung entscheiden, sollten den Pflanzabstand aber in erster Linie an die verfügbare Technik anpassen.

Die meisten Ökobetriebe regulieren das Unkraut mechanisch mit solchen Tastmulchern. Quelle: Franziska Blind

Der Unkrautregulierung kommt im Weihnachtsbaumanbau eine besondere Rolle zu. Denn die Unkräuter, meist Gräser, konkurrieren mit den Bäumen um Wasser, Licht und Nährstoffe. Zwischen den Bäumen wachsendes Unkraut muss daher regelmäßig beseitigt werden.

Im ökologischen Weihnachtsbaumanbau wird das Unkraut vorwiegend mechanisch beseitigt. Meist kommen dafür sogenannte Tastmulcher zum Einsatz. Da solche Mulcher die kleinen Bäumchen aber zu Beginn nicht immer sicher genug erkennen, muss in der Reihe häufig noch händisch nachgemäht werden.

Immer mehr Betriebe verwenden heute auch Schafe der Rasse Shropshire, um das Unkraut kurzzuhalten. Schafe dieser Rasse eignen sich sehr gut zur Beweidung von Weihnachtsbaumflächen, da sie bei gutem Herdenmanagement nur das Unkraut und nicht die Bäume anfressen. Das Unkrautmanagement per Schafhaltung ist jedoch anspruchsvoller als die mechanische Unkrautregulierung: Denn die Fläche muss meist trotzdem nachgemäht werden und die Schafe bedürfen auch einer kontinuierlichen Pflege. Im Winter müssen sie darüber hinaus im Stall untergebracht und gefüttert werden.

Während der Kulturdauer von zehn bis zwölf Jahren müssen die Bäume jährlich geschnitten werden. Ob einfache Korrekturmaßnahme oder aufwändiger Formschnitt, hängt in der Regel von den Ansprüchen der Kundschaft und der Anbauerinnen und Anbauer ab.

Windrädchen werden an der Tannenspitze befestigt, um Vögel fernzuhalten. Quelle: Franziska Blind

Um das Verhältnis der Spitze zum Rest des Baumes zu regulieren, wird mit einer so genannten Top-Stopp Zange die Rinde des Haupttriebs eingeritzt, um den Saftstrom zu unterbrechen. Einige Anbauerinnen und Anbauer bringen außerdem Sitzstangen für Vögel an. Setzt sich nämlich ein Vogel auf eine frisch ausgetriebene Spitze, kann diese abbrechen.

In den ersten drei Standjahren hat der Weihnachtsbaum nur einen geringen Nährstoffbedarf. Dieser kann gut über die Grunddüngung vor der Pflanzung abgedeckt werden. Je nach Betriebsart – viehhaltend oder viehlos – kommen hier Mist oder Kompost zum Einsatz. Manche Betriebe bauen Kleegras als Vorfrucht an.

Ab dem vierten Jahr steigt der Nährstoffbedarf jedoch an. Bei der dann durchzuführenden Düngung ist Fingerspitzengefühl gefragt: Bekommt der Baum zu wenig Stickstoff, verfärben sich die Nadeln gelb, bekommt er zu viel, kann es passieren, dass die Spitze des Baums zu lang wird, was auf Kosten der Qualität geht.

Zum Düngen im bereits etablierten Bestand eignen sich organische Handelsdünger wie Haarmehlpellets oder Diaglutin® N pellet, dazu noch Kalimagnesia (Patentkali) oder Kalisulfat. Wird mit einer Boden- oder Nadeluntersuchung ein Mangel nachgewiesen, dürfen auch Spurenelemente gedüngt werden.

Die Tannentrieblaus ist der Hauptschädling in der Weihnachtsbaumkultur. Die Läuse überwintern unter Wachsausscheidungen am Stamm und saugen ab Mitte Mai an den jungen Nadeln. Bei Befall krümmen sich die Nadeln abwärts und können absterben.

Wichtig ist es, den Befall frühzeitig zu erkennen. Befallene Triebe müssen konsequent abgeschnitten und aus dem Bestand beseitigt werden. Es gibt auch einige im Ökolandbau zugelassene natürliche Pflanzenschutzmittel, wie Kaliseife oder Rapsölpräparate. Ihre Wirksamkeit ist aber meist begrenzt, da sie nur wirken, wenn die Laus direkt vom Mittel getroffen wird.

Tannentriebläuse zählen zu den Hauptschädlingen der Nordmanntanne. Quelle: Franziska Blind

Die meisten Nordmanntannen werden nach zehn bis zwölf Standjahren geerntet. Dann haben sie die ideale Größe von 1,50 bis zwei Metern erreicht.

Viele Anbauerinnen und Anbauer vermarkten ihre Bäume direkt ab Hof – häufig auch zum Selberschlagen – oder auf Wochenmärkten. Darüber hinaus verkaufen einige ihre Bäume auch an Großhändler und Wiederverkäufer, welche sie dann an wiederum Gartencenter oder Baumärkte absetzen. Auch die Onlinevermarktung ist eine Option, die manche Betriebe nutzen.

Die Preise für ökologische Weihnachtsbäume liegen, wenn überhaupt, nur geringfügig über denen von konventionellen Bäumen. Die Nachfrage nach Ökoweihnachtsbäumen ist dafür aber sehr hoch, sodass Ökoanbieter derzeit wenig Probleme haben, ihre Bäume loszuwerden.

Der Umweltverband Robin Wood sowie die Initiative Bioweihnachtsbaum bieten jährlich aktualisierte Listen mit Verkaufsstellen für Ökoweihnachtsbäume, die nach Postleitzahlen sortiert sind. Hier sollten sich Ökoanbieter in jedem Fall listen lassen. Beraterinnen und Berater für den Anbau von Öko-Weihnachtsbäumen sind rar. In Bayern und angrenzenden Ländern berät Franziska Blind von Naturland interessierte Betriebe. Sie führt gemeinsam mit der Ökoakademie Bamberg auch Seminare durch. Das nächste ist für den 18. Februar 2020 geplant – zum Thema Düngung und Pflanzenschutz. Neben den Seminaren bietet sie auch Exkursionen an (Quelle: Newsletter Ökolandbau.de).

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