Die Gattung der Königskerzen (Verbascum) ist eine oftmals vernachlässigte Gattung in der Botanik. Viele Betrachter stören sich an den etwas groben Blättern und Botaniker scheuen davor, sich dahingehend einzuarbeiten, dass auch die Artebene verlässlich bestimmt werden kann. Auf meinen botanischen Wanderungen reicht es den Teilnehmern oftmals zu wissen, dass sie vor einer Königskerze stehen, dabei ist die Gattung Verbascum außerordentlich vielfältig und überaus wichtig für Bestäuber.

Die Windblumen-Königskerze ist stellt für einige Falter aus der Familie der Eulen eine Futterpflanze dar.

Verbascum phlomoides zählt zu den hapaxanthen Pflanzen und blüht nur einmal in ihrem Pflanzenleben. Wie die meisten Arten aus der Gattung Verbascum kann sie überaus stattlich werden und Wuchshöhen zwischen 50 bis 200 Zentimetern erreichen. Ihre Laubblätter sind auf beiden Seiten mit dichtem Filz besetzt und auffallend behaart. Ein nicht minder geeignetes Erkennungsmerkmal sind die gestielten Grundblätter. Die Stängelblätter von Verbascum phlomoides sind nur wenig am Stängel herablaufend, deutlich abstehend und undeutlich gekerbt. Die weiter oben stehenden Stängelblätter sind kürzer und wirken dadurch dreieckig.

Die Blüten der Windblumen-Königskerze halten zwar keinen Nektar aber jede Menge Pollen für Insekten bereit.

Die Windblumen-Königskerze kommt fast in ganz Europa vor, erreicht nordwärts aber nur Dänemark. In Deutschland gilt sie als Archäophyt (Altbürger) und tritt zerstreut in den meisten Bundesländern auf. Sie gedeiht am besten auf mäßig frischen bis mäßig trockenen, basen- und nährstoffreichen Lehmböden. Eine Besonderheit weist diese Art in ihrer Ökologie auf. Bei Verbascum phlomoides werden weibliche, männliche und zwittrige Blüten gebildet. Soweit so normal. Aber in diesem Falle verteilen sich die unterschiedlichen Geschlechter auf einzelne Pflanzenexemplare. Für gewöhnlich kommen die unterschiedlichen Blüten zugleich auf einem Individuum vor.

Die Grundblätter von Verbascum phlomoides sind behaart und gestielt.

Verbascum phlomoides  wird von Insekten bestäubt. Sie bietet keinen Nektar an, hält aber ein reichliches Pollenangebot für die Bestäuber bereit. Daher wird sie gemäß der Blumenklassen nach Müller als Pollenblume bezeichnet. Als Hauptbestäuber treten kurzrüsselige Bienen, Syrphiden, Käfer, und Fliegen in Erscheinung. Als Frucht wird eine septi­zide Kapsel gebildet. Typisches Erkennungsmerkmal für die Art ist, dass sie sich die Frucht längs der Ver­wach­sungs­näh­te der ehe­ma­ligen Fruchtblätter öffnet. Die Ausbreitung der Samen erfolgt über Stoßausbreitung (Semachorie), dies bedeutet, dass die Samen der nach oben sich öffnenden Kapsel durch Windböen oder vorbeistreifende Tiere herausgeschüttelt werden.

Den meisten von uns wird die Art womöglich als Garten- oder Zierpflanzen bekannt sein. Aufgrund ihrer Größe und dem damit einhergehenden Erscheinungsbild ist Verbascum phlomoides als Einzelpflanze durchaus beeindruckend.

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