Thomas Engst

 

Heute lud der Botanische Verein Sachsen-Anhalt e.V.  zu einer Vortragsreihe über diverse Themen in den Botanischen Garten nach Halle. Ich habe es mir nicht nehmen lassen und habe mich mal in das Auditorium gesetzt. Alle Vorträge waren, nicht nur für Botaniker, sehr spannend und boten viele neue Erkenntnisse. Ein Vortrag ist mir besonders in Erinnerung geblieben, da ich damit auch beruflich zu tun habe. Die Aufwertung von artenarmen Grünland.

Wie der Name schon sagt, wertet man Grünland, welches artenarm ist, auf, in dem man die Biodiversität (Artenvielfalt) erhöht. Dies geschieht durch folgende Methoden:

  • Einsaat
  • Mahdgutübertrag
  • Wiesendrusch oder
  • Mahd.

Um jetzt nicht zu sehr ins wissenschaftliche abzuschweifen möchte ich im Folgenden nur die drei Methoden etwas näher beschreiben und erklären. Wer zu dem Thema Fragen hat kann mich natürlich direkt anschreiben oder per Hangout seine Fragen loswerden.

Aber bevor wir uns den Methoden widmen stellt sich die Frage nach dem Warum. Warum müssen oder sollen Grünlandbestände aufgewertet werden? Das wird anhand eines Beispiels von Sachsen-Anhalt deutlich. Nur ca. 15 % der Halbtrocken- und Magerrasen sind in einem guten Zustand. Das heißt 85% sind auf Hilfe angewiesen. Diese Flächen sind zudem noch Lebensrumtypen der FFH-Richtlinie (ihr seht an der FFH-RL führt im Naturschutz kein Weg vorbei) und müssen in ihrer Form erhalten werden und haben ein Verschlechterungsverbot.

Nun aber zu den Verfahren. Einsaat erklärt sich fast von selbst. Es werden auf einer artenarmen Flächen Samen von sogenannten Spenderflächen gesät. Bei der Auswahl des Saatgutes ist zu beachten, dass es sich um geeignete Pflanzensamen handelt. Man erstellt bei allen Verfahren einen Plan über günstige Zielarten. Man sät also nicht auf gut Glück drauf los.

Bei dem Verfahren der Mahd werden die Flächen in regelmäßigen Intervallen gemäht. Die Anzahl und Zeitpunkt der Schnitte ist abhängig von der Art des Grünlandes, dem Nährstoffgehalt und dem zu erreichenden Ziel. Dazu kommen noch eine Vielzahl weiterer Faktoren. Durch die Mahd werden die konkurrenzstarken Arten auf Null gesetzt und die schwächeren Arten bekommen eine Chance, ebenso wird die Beschattung minimiert, was ebenfalls begünstigend auf manche Arten wirkt. Die wohl größte Eigenschaft einer Mahd ist die Erhöhung des Konkurrenzdruckes. Auf diese Weise kann man die Pflanzen quasi zum Wachsen “anstacheln”. 

Das komplexeste Verfahren ist der Wiesendrusch. Man kann sich anhand des Namens schon die Bedeutung herleiten. Eine Spenderfläche mit großer Artenvielfalt wird gemäht und das Mahdgut verbleibt auf der Fläche. Im Anschluss an die Mahd werden die Samen aus dem geschnittenen Gras gedroschen und auf die Empfängerfläche gebracht.

Als letzte Methode um ein artenarmes Grünland aufzuwerten ist der Mahdgutübertrag. Bei diesem Vorgehen wird die Spenderfläche ebenfalls gemäht, auch wieder in Abhängigkeit von diversen Faktoren, aber hierbei werden die Samen nicht aus dem Mahdgut extrahiert sondern das gesamte Schnittgut wird auf die Empfängerfläche gebracht. Man hat den Vorteil, dass man auf diesem Wege gleichzeitig noch den Anteil an Biomasse erhöht.

Man verwendet üblicherweise Spenderflächen die maximal 20 km von der Empfängerfläche entfernt sind. Alles was weiter entfernt ist geht schon arg zu Lasten der Wirtschaftlichkeit. Spenderflächen sollten sich natürlich im selben Naturraum wie die Empfängerfläche befinden.

Es gibt hinsichtlich der Resultate fast keine Unterschiede in der Erfolgsquote oder des Endergebnisses der drei Verfahren. Man kann also nicht sagen welches Verfahren nun das Beste ist. Aber es sei ausdrücklich darauf hingewiesen, dass der Erhalt und die Pflege von bestehendem Grünland oberste Priorität hat. Im besten Falle lässt man es gar nicht erst zu einer Aufwertung kommen.

 

In diesem Sinne…