Ich twittere ja gern und viel über meinen beruflichen Alltag im Naturschutz. Viel gibt es mit euch da draußen zu teilen. So auch heute. Ich schlenderte zusammen mit einem Baumkundler und Freund durch die schöne Stadt Halle an der Saale in Sachsen-Anhalt. Dabei bemerkten wir am Botanischen Garten der Stadt eine verhaltensauffällige Platane. Um sie herum lagen viele kleine Borkenstückchen.

Mein Freund und Kollege sah meinen verdutzten Blick und nannte die anhaltende Trockenheit als Grund. Verständlich, denn immerhin hat es in Teilen des Landes seit 15. April nicht mehr geregnet. Also knippste ich flink ein Foto, schrieb ein paar Zeilen dazu und pustete die Meldung ins Netz. Kurz darauf wurde ich aber von einem aufmerksamen Leser auf einen Irrtum hingewiesen. Nicht die Trockenheit ist Schuld daran, dass der Platane der Kragen platzt, sondern das ganz normale Dickenwachstum.

Nun stand Aussage gegen Aussage und ich fühlte mich herausgefordert. Nach einer kurzen Recherche im Internet fand ich einen aufschlussreichen Artikel der Mitteldeutschen Zeitung (MZ), der sich genau mit diesem Problem befasst. Darin wird der Chef des städtischen Botanischen Gartens auf das Phänomen Rindenabwurf angesprochen und gibt eine interessante Antwort, die sich in dem folgenden Abschnitt aus dem Artikel der MZ nachlesen lässt:

Durch die extreme Witterung saugen die Bäume mehr Wasser aus dem Boden. „Dadurch wird der Stamm am Tage ein klein wenig dünner. Nachts, wenn nicht mehr so viel Wasser von den Wurzeln in Äste und Blätter fließt, nehmen sie wieder ihren normalen Umfang an“, erklärt er. „Man muss sich das so vorstellen, als ob ein Mensch an einem Strohhalm saugt – dann werden seine Wangen auch schmaler.“ Da durch die Bäume, die im südlichen Osteuropa und in Amerika beheimatet sind, in diesen Wochen viel Wasser fließe, könne es zu einem stärkeren Abwurf der Borke gekommen sein als sonst. Außerdem trennen sich Platanen in einem Drei-Jahres-Zyklus stärker von ihrer Borke. „Es könnte nun sein, dass dies und der starke Sog bei einigen Exemplaren zugleich auftritt.“ Um den Sog-Effekt nachzuweisen, habe es Experimente gegeben, erklärte Hoffmann weiter. „Dazu wurde einer Platane nachts ein Eisenring umgelegt, der dann tatsächlich am Tage vom Stamm abglitt.“

Also ist es eine Mischung aus Dickenwachstum und Trockenstress, die Platanen so handeln lässt. Habt ihr in eurer Gegend ähnliche Beobachtungen gemacht? Lasst es mich doch bitte wissen.

Durch Trockenstress Rinde abwerfende Platane in Halle/Saale.