Wie im letzten Beitrag angekündigt, kommt hier das zweite Artportraits über eine Orchidee. Erneut handelt es sich um eine Art aus der Gattung der Stendelwurze. Genauer gesagt um den Braunroten Stendelwurz (Epipactis atrorubens). Die Braunrote Stendelwurz ist eine ausdauernde, krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 20 bis 80 Zentimetern erreicht. Sie bildet ein kurzes, oft mehrtriebiges Rhizom mit zahlreichen fleischigen Wurzeln. Mitunter können an die einhundert Blühtriebe aus einem Rhizom wachsen und somit eine Fläche von 1m² abdecken.

Epipactis atrorubens

Die Blütezeit reicht von Juni bis August. Der aufrechte Blütenstand ist meist purpurfarben überlaufen und im oberen Teil dicht behaart. Die zygomorphen Blüten können bisweilen in ihrer Farbe variieren, sind in der Regel aber braunrot oder auberginefarben gefärbt und werden durch Insekten, oft durch Bienen, bestäubt oder sind selbstbestäubend. Sie verströmen besonders bei warmem Wetter intensiven Vanilleduft, weshalb die Pflanze auch als „Strandvanille“ bezeichnet wird. Meine Nase verweigert an dieser Stelle ihre Arbeit und lässt mich diesen charakteristischen Duft nicht vernehmen.

Die Vorkommen Epipactis atrorubens sind verstreut und reichen im Norden bis an die boreale, im Süden an die meridionale Zone und in Richtung Osten bis Zentralsibirien und zum Kaukasusraum. In Mitteleuropa fehlt sie im Tiefland mit Ausnahme an den sandigen Küsten. Insgesamt ist sie selten, kommt aber an ihren Standorten meist in kleineren Trupps oder in sehr lockeren, individuenarmen Beständen vor. Die Braunrote Stendelwurz ist auch in Gebirgslagen anzutreffen, in den südlichen Alpen etwa bis auf Höhenlagen von 2400 Metern.

Epipactis atrorubens

Epipactis atrorubens ist in hellen Wäldern, Säumen und an trocken-warmen Standorten zu finden und gedeiht am besten auf basisch bis neutralen, nährstoffarmen, durchlässigen Sand- und Steinböden. Die Art aber auch als Pionierart, die gern Brachland, Bahndämme und Halden besiedelt, die sich in einem frühen bis mittleren Sukzessionsstadium mit Gras- und Staudengesellschaften und lichtem Birkenbestand befinden. Die Braunrote Stendelwurz besiedelt auch extrem trockene Standorte und kommt selbst auf Sanddünen vor. Die Braunrote Stendelwurz gedeiht am besten auf kalkreichen, aber ausgesprochen stickstoffarmen, trockenen Böden. Sie gedeiht in Mitteleuropa meist in lichten Gebüschen oder Trockenwäldern.

Epipactis atrorubens

In Mitteleuropa ist die Braunrote Stendelwurz – wie alle Orchideen – seit Jahrzehnten im Rückgang begriffen, gehört jedoch nicht zu den stark bedrohten Orchideenarten. Wie alle einheimischen Orchideenarten steht die Braunrote Stendelwurz unter Naturschutz.

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