Einige Pflanzen besitzen eine markante Erscheinung und stechen durch ihre farbenfrohe Blütenpracht aus der Masse hervor, was sie bereits aus einiger Entfernung erkennbar macht. Der Gewöhnliche Erdrauch (Fumaria officinalis) ist nur dem Namen nach eine ordinäre Pflanze. Sein Äußeres straft den deutschen Trivialnamen Lügen und auch sonst hat diese einjährige und krautige Art jede Menge zu bieten. Zu Vorderst ihre ausgeprägte Giftigkeit. Fumaria officinalis ist nämlich in allen Teilen giftig.

Die Laubblätter von Fumaria officinalis sind fiedrig zusammengesetzt mit stumpf lanzettlichen Fiedern, die schmaler als bei den meisten anderen Erdraucharten sind. Wie der Stängel sind auch die Blätter kahl und blaugrün gefärbt. Je nach Standort und Wasserverfügbarkeit kann dieses Merkmal aber unterschiedlich ausgeprägt sein.  Dadurch wirkt ein Bestand von weitem „rauchähnlich“  und damit haben wir die Erklärung für den deutschen Gattungsnamen.

Der traubige Blütenstand ist 20- bis 40-blütig und einschließlich des Blütenstandschaftes 3 bis 7 cm lang. Die zwittrigen Blüten sind zygomorph. Die zwei Kelchblätter sind 1,5 bis 3,5 mm lang und 1 bis 1,5 mm breit, aber fallen leicht ab. Vier Kronblätter bilden die Krone, die rosa bis purpurn, an der Spitze oft dunkelrot bis schwarz gekrönt und in der Regel 8 bis 9 mm lang ist. Der Sporn weist eine Länge von etwa 2,5 mm auf. Die einsamigen Nussfrüchte sind 2 (bis 3) mm lang und sitzen auf einem aufrechten Stiel.

Fumaria officinalis

Fumaria officinalis zeichnet sich durch Thigmonastie aus, d. h. die Blattstiele sind bei Berührung reizbar. Dadurch können sie sich auf eine Unterlage stützen oder diese sogar umwinden. Ein Wachsüberzug über Teile der Pflanze wirkt wasserabstoßend. Wasserüberschüsse werden aber auch durch nächtliche Wasserabgabe d. h. durch Guttation abgeführt. Ähnlich wie bei der Gattung Frauenmantel (Alchemilla) erkennt man dies anhand einzelner Wassertropfen an der Pflanze. Die Pflanze wurzelt 20–60 cm tief. Die zwittrigen Blüten werden in der Regel durch Insekten bestäubt, aber auch eine Selbstbestäubung ist möglich. Die Nussfrüchte unterliegen zunächst der Schwerkraftausbreitung und können dann als Regenschwemmlinge weiter fortgetragen werden. Die Samen werden durch Ameisen verbreitet (Myrmechorie). Die Blütezeit reicht von Mai bis November.

Ursprünglich war Fumaria officinalis lediglich in der gemäßigten und mediterranen Zone Eurasiens beheimatet. Heute ist sie fast weltweit verschleppt, tritt in den Tropen und Subtropen aber nur selten auf. Diese Art gilt als Nährstoffanzeiger. Sie wächst auf bearbeitetem Boden wie in Gärten, auf Äckern oder Weinbergen oder an Ruderalstellen, wo sie überall häufig ist. Dabei tritt sie in kleinen Gruppen oder als Einzelexemplar auf. Sie gedeiht auf frischen, basenreichen, milden bis mäßig sauren, humosen lockeren Lehmböden.

0