Manche Pflanzenarten stechen aus ihrem Lebensraum hervor und sind schon aus einiger Entfernung sichtbar. Ein solches Beispiel ist der Dolden-Milchstern. Die auch als Stern von Bethlehem bezeichnete Pflanze trägt ihre Trivialnahmen zu Recht und ist eine wahre Augenweide.

Ornithogalum umbellatum wächst als ausdauernde krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen zwischen 10 und 30 cm. Diese Geophyten bilden Zwiebeln als Überdauerungsorgane aus, die von vier bis fünf relativ großen, spitzen, schon im ersten Jahr austreibenden und Laubblätter tragenden Brutzwiebeln umgeben sind. Die vorjährigen Zwiebelblätter sind miteinander verwachsen. Bereits im Februar erscheinenden die meist vier bis sechs grundständigen Laubblätter. Diese sind etwa 2 bis 6 Millimeter breit, einfach parallelnervig und besitzen einen weißen Mittelstreif.

Der Dolden-Milchstern ist ein Zwiebel-Geophyt; seine Zwiebeln liegen in 2 bis 4 cm Tiefe.

Während die Blätter vor der Blütezeit meist kräftig grün gefärbt sind und aufrecht stehen, werden sie zur Blüte länger und weicher, so dass sie beginnen herabzuhängen. Nach der Blütezeit vergilben die Blätter bald und sterben oberirdisch ab: Die Pflanze „zieht ein“. So handhaben das nahezu alle Geophyten, daher ist es wichtig, die oberständigen Blätter nicht zu zeitig zu mähen.

Die Blüten sind vorweibliche, bei Sonnenschein geöffnete „Nektar führende Scheibenblumen“. Der Nektar wird am Rand der Fruchtblätter abgeschieden (Septalnektarien) und läuft an deren Außenfurchen herab.

Bei O. umbellatum sind fünf bis zwölf Blüten in einer kurzen Schirmtraube zusammengefasst. Die zwittrigen, radiärsymmetrischen Blüten sind dreizählig. Die sechs gleichgestalteten Blütenhüllblätter (Tepalen) sind weiß, unterseits grünlich oder mit grünem Mittelstreif. Es sind zwei Kreise mit je drei Staubblättern vorhanden, von denen die äußeren eine Länge von 5 bis 7 mm und die inneren eine Länge von 6 bis 8 mm aufweisen. Die einfachen bis zu 3 mm breiten Staubfäden sind abgeflacht. Drei Fruchtblätter sind zu einem 5 bis 6 mm langen Fruchtknoten verwachsen, der sechs deutliche, abgerundete Längsleisten aufweist und an der Spitze eine gelbe Färbung aufweist. Der Griffel ist 3 bis 4 mm lang. Die Blütezeit reicht von April bis Juni.

Von den Staubbeuteln öffnen sich zuerst die 3 äußeren, dann die 3 inneren. Neben zwittrigen Pflanzen kommen auch solche mit sich nicht öffnenden Staubbeuteln vor. Die Blüten werden durch Insekten bestäubt oder es erfolgt Selbstbestäubung.

Als Standort bevorzugt der Dolden-Milchstern Wegränder, Weinberge und trockene bis frische Wiesen. Er wächst gerne auf lehmigen Böden. Er ist relativ selten, jedoch kommt er dort, wo er wächst, meist gehäuft vor.

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