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In den letzten Tagen fiel mir auf, dass ich in der Rubrik „Feldbotanik“ immer wieder Fachbegriffe verwende, die in der Botanik durchaus gebräuchlich, für den Laien mitunter aber unverständlich sind. Daher plane ich in nächster Zeit eine Beitragsreihe, in der ich mal auf ausgewählte Begriffe dieser Art eingehe. Den Anfang machen die verschiedenen Blattstellungen von Pflanzen. Das Fachwirt dafür ist Phyllotaxis und beschreibt die regelhafte Anordnung der Blätter um die Sprossachse der Pflanze. Auch wenn es in der Natur manchmal wild aussieht und zugeht, hat doch alles seine Ordnung und hilft somit bei der Bestimmung der Pflanzenarten.

Bevor wir aber in das Thema einsteigen, möchte ich noch zwei Worte zu den Blättern insgesamt verlieren. Für gewöhnlich wird zwischen zwei Typen von Laubblättern unterschieden. Nämlich den Mikrophyllen und Megaphyllen. Mikrophylle sind kleine, oft nadelförmige Blätter, welche nur ein Leitbündel (in etwa  Leitungsbahnen für den Ferntransport von Wasser, gelösten Stoffen und organischen Substanzen) aufweisen. Heutige Vertreter mit sind bspw. Bärlappgewächse und Schachtelhalme.

Der andere Typus, die Megaphylle, tritt bei den Farnen auf und wird auch als Wedel bezeichnet. Für Farne gilt die im Folgenden beschriebene Phyllotaxis nicht.

Laubblätter von Pflanzen können verschiedene Anordnungen haben. Diese sind a)zweizeilig, b) wechselständig, c) gegenständig und d) quirlig. Die Phyllotaxis von Pflanzen ist ein verlässliches Bestimmungsmerkmal (Bild: Agnieszka Kwiecień).

Blätter sind an der Sprossachse in gesetzmäßiger, artspezifischer Weise angeordnet. Dadurch dient die Phyllotaxis auch als sehr gutes Bestimmungsmerkmal, welches bereits zu Beginn der Artbestimmung abgefragt wird. An jedem Knoten (Nodium) der Sprossachse können ein oder mehrere Blätter sitzen, dabei gibt es vier Grundarten der Blattstellung.

Bei der zweizeiligen oder distichen Blattstellung steht an jedem Knoten nur ein Blatt, Blätter aufeinander folgender Knoten sind um 180° verschoben, sodass sich an der Sprossachse zwei Längszeilen von Blättern ergeben. Vertreter sind bspw. Schmetterlingsblütler. Die wechselständige Blattstellung weist ebenfalls nur ein Blatt pro Knoten auf, deren Anordnung weicht aber von einem Halbkreis (sprich 180 °) ab. Vielmehr sind sie entlang einer Spirallinie angeordnet. Diese Anordnung ist für dikotyle (zweikeimblättrige) Pflanzen charakteristisch.

Die dritte Anordnung im Bunde ist die gegenständige Blattstellung. Bei ihr sind zwei Blätter pro Nodium vorhanden. Innerhalb dieser Blattanordnung gibt es die kreuzgegenständige Blattstellung. Diese Form weist einen Versatz um 90° zwischen den aufeinanderfolgenden Blattpaaren auf. Diese stehen also in einem rechten Winkel übereinander. Blickt man von oben auf die Blätter, so verdecken sie die Sicht auf den Untergrund. Vertreter sind Lippenblütler, Nelkengewächse und Ölbaumgewächse.

Zu guter Letzt bleibt noch die aufregendste Anordnung, die quirlige Blattstellung. Dabei stehen an jedem Knoten drei oder mehr Blätter, wobei die Blätter des nächstjüngeren Knotens auf Lücke stehen und ein etwas unruhiges Bild verursachen. Bekannte Vertreter sind u.a. Waldmeister und Labkrautgewächse.

 

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