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Am vergangenen Wochenende war mal wieder Wanderzeit. Natürlich in Dutschlands nördlichstem Mittelgebirge. Erfolgte der Aufbruch noch unter strahlendem Sonnenschein, so stellte sich bald heraus, die heutige Wandertour wird wohl nass werden. Nichtsdestotrotz wollte ich neue Stempel für die Harzer Wandernadel erwandern und davon konnten mich auch ein paar Regenwolken nicht abhalten. Ziel der heutigen Tour war es, etwas in Kartenblatt 1 und 2 zu wildern. Also im niedersächsichen Teil des Harzes. Hier fehlen mir noch allerhand Stempel. Los ging es in der Nähe von Stapelburg. Hier galt es, den Sonderstempel 9001, welcher zugleich Pflichtstempel für das Abzeichen Harzer Grenzweg ist, zu erwandern. Hinter diesem Sonderstempel verbirgt sich der „Jungborn“, eine ehemalige Kur- und Badeanstalt aus dem 19. und 20. Jahrhundert.

Dieses Gedenkhäuschen erinnert an die ehemalige Kur- und Badeanstalt „Jungborn“ im Harz.

Der „Jungborn“ war die erste Naturheilstätte in Deutschland und wurde von dem Lebensreformer Adolf Just im Juni 1896 eröffnet. Wasser , Erde, Licht und Luft – das sind die Heilmittel der Natur nach ewigen Gesetzen. Diese vier Urelemente, verbunden mit der bewährten fleischlosen Jungborn-Ernährung und einer gesunden, bejahenden Lebenseinstellung standen im Mittelpunkt der Jungborn-Heil- und Lebensweise und wurden ganz individuell angewandt. Während und nach dem 2. Weltkrieg wurde das Gelände unterschiedlich genutzt, ehe die Gebäude im Zuge der innerdeutschen Grenzsicherung abgerissen wurden. Der Förderverein Jungborn Harz e.V. hat sich die Wiederbelebung der Jungborn-Idee zur Aufgabe gemacht. Förderverein Jungborn Harz.

Die Sonderstempelstelle 9001 „Jungborn“ im Harz.

Ein Aufenthaltshäuschen auf dem Gelände der ehemaligen Kur- und Badeanstalt.

Wurde die Anreise in den Harz noch von Sonnenschein und Regenbogen begleitet, so stellte sich von nun an das Wetter um und es sollte den restlichen Tag über regnen und stürmen. Was aber machen, wenn der Ausflug nicht schon nach wenigen Stunden abgebrochen werden soll? Zum Glück befand sich nur wenige Wegstunden entfernt eine Stempelstelle, die genau für solches Wetter gemacht war. Nächstes Ziel war daher das Erzbergwerk Rammelsberg bei Goslar (Stempelstelle 91), welches das erste Weltkulturerbe mit Bezug zur Technik war, das in Deutschland ausgerufen wurde. Bis zur Stilllegung des Betriebes im Jahre 1988 wurde hier, einmalig auf der Welt, nachweislich mehr als 1.000 Jahre lang ununterbrochen Bergbau betrieben. Archäologische Befunde lassen sogar eine dreitausendjährige Nutzung vermuten. In der Kulturlandschaft nahe dem ehemaligen Bergwerksgelände steht das älteste Übertagegebäude des deutschen Bergbaus:  Der wahrscheinlich im 14. Jahrhundert erbaute Maltermeisterturm. Erstmals urkundlich erwähnt wurde der Turm im Jahr 1548. Der Begriff Malter bezeichnet ein Holzmaß, das etwa zwei Raummetern entspricht. Jährlich wurden für die Erzgewinnung im Rammelsberg etwa 6000 Malter verbraucht, d.h. für eine Tonne Erz benötigte man über einen Kubikmeter Holz.

Der Innenhof des ehemaligen Erzbergwerks Rammelsberg.

Das Erzbergwerk Rammelsberg versorgte zu nahe 100% die alte Bundesrepublik mit Kupfer und Gold. Würde man alles Erz, was aus dem Berg geholt wurde, auf einen Güterzug verladen, würde dieser von Goslar bis Neuseeland reichen. Eine ganz schön beeindruckende Dimension oder? Da es sich anbot und das Wetter nichts dagegen hatte, schaute ich mir das Bauwerk in aller Ruhe an und nahm an zwei Führungen teil, welche ich euch in einem extra Beitrag vorstellen möchte.

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