Charles Bonnet ist ein Name, der heutzutage nicht mehr so geläufig sein dürfte (gewisse Kreise natürlich ausgenommen). Dabei hatte der 1720 in Genf (Schweiz) geborene Charles eine bedeutende Rolle in der Pflanzen- bzw. Naturforschung inne. Zur Botanik kam Bonnet aber erst über ein paar Umwege. Zunächst studierte der Rechtswissenschaften und betrachtete die Pflanzenwelt bestenfalls als ein Hobby.

Aber ein Hobby sollte sie nicht bleiben. Bereits als junger Mann, im Alter von 20 Jahren, publizierte er eine Studie zur Fortpflanzung von Blattläusen. Was auf den ersten Blick nicht besonders spektakulär klingen mag, hat es auf den zweiten Blick in sich. Bonnet stellte fest, dass sich diese Tiere scheinbar ohne Befruchtung fortpflanzen. Eine vollkommen neue Entdeckung zu dieser Zeit und, ganz nebenbei, die Erstbeschreibung der Parthenogenese.

Hinter dem Begriff verbirgt sich die Fähigkeit mancher Pflanzen und weiblicher Tiere, sich ohne Befruchtung durch einen männlichen Artgenossen fortpflanzen zu können. Hormone gaukeln der Eizelle ein Befruchtungsszenario vor, worauf diese sich zu teilen beginnt und den Kreislauf des Lebens beginnt.

Ein Sachverhalt, welcher noch heute in der Tier- und Pflanzenforschung, der Botanik oder auch im Naturschutz allgegenwärtig ist

Aber wie zur damaligen Zeit üblich, forschte Bonnet auch in anderen Bereichen. Sein zweites Steckenpferd war die Medizin, in der er sich ebenfalls schnell einen Namen machte. So geht das Charles-Bonnet-Syndrom auf ihn zurück, welches visuelle Trugwahrnehmungen bei einer Sehverschlechterung beschreibt. Nachdem sein Großvater Charles Lullin im Alter von 77 Jahren an Grauem Star operiert wurde, an der er schließlich erblindete, bekam er Jahre später lebhafte Halluzinationen von Männern und Frauen, Kutschen und Häusern.

Er wusste, dass er halluzinierte und diese Dinge nicht real existierten. Bonnet erkannte, dass das Gehirn seines Großvaters die Halluzinationen hervorbrachte, da diesem der Reiz der Außenwelt fehlte. In seinem späteren Leben erkrankte Charles Bonnet schließlich selbst an dem von ihm beschriebenen Syndrom.

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